Russland im Ukraine-Krieg: Die Gier wird Putins Soldaten zum Verhängnis


Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine verschlingt unzählige Soldaten. Neue werden mit Geld angelockt. Doch diese Praxis erweist sich für viele als geradezu mörderisch, warnt Wladimir Kaminer.

Mit seinem verhängnisvollen Schritt über die ukrainische Grenze im Februar 2022 hat der russische Präsident Geister herbeigerufen, die ihm nicht genehm sind. Eine Stärkung der Nato, eine rasante Verbreitung der neuesten Militärtechnologien und ein Quantensprung in der Entwicklung der AWS, der autonomen Waffensysteme, die überall auf der Welt Unsicherheit verbreiten – all das wäre ohne seinen Krieg nicht möglich gewesen.

Alle Akteure rüsten um, Russland will es auch. Doch unter Sanktionen, mit einem fortdauernden Krieg am Bein und isoliert von den Europäern und Amerikanern hat das Land im Rüstungswettbewerb – gerade im Bereich autonome Waffensysteme – schlechte Karten. Der Aufstieg Russlands gegen eine breite Allianz, bestehend aus den größten Volkswirtschaften der Welt, ist nicht finanzierbar.

(Quelle: Frank May)

Zur Person

Wladimir Kaminer ist Schriftsteller und Kolumnist. Er wurde 1967 in Moskau geboren und lebt seit Jahrzehnten in Deutschland. Zu seinen bekanntesten Werken gehört "Russendisko". Kaminers aktuelles Buch ist "Das geheime Leben der Deutschen", sein nächstes Buch "Müttertage. Geschichten von den Heldinnen des Alltags" erscheint am 19. August 2026.

Die von Trump geschenkte Chance, die vorhandene Situation als Sieg zu erklären, schnell in eine Feuerpause zu gehen und sich wirtschaftlich zu erholen, wurde vertan. Der Präsident wollte auf keine Verhandlungen eingehen und wiederholte nur sein Mantra: Alle Ziele der "Speziellen Operation" werden erreicht. Was das für Ziele sind, hat er nicht erläutert. Nun ist er selbst zum Ziel geworden und sucht händeringend nach neuen Soldaten. Seine Armee schrumpft.

Ob man es glaubt oder nicht: Es gibt im größten Land der Welt kaum noch frei herumlaufende Männer im kriegstauglichen Alter. Das heißt, es gibt schon welche, aber sie sind hinter der Frontlinie unersetzlich. Die Konzerne und Militärfabriken brauchen ihre Arbeitskräfte, es sind ein paar Millionen Menschen, die mit einer Befreiung vom Armeedienst gesegnet sind. Das Gleiche gilt für den über eine Million Kader zählenden Polizeiapparat, dazu kommen noch die Nationalgarde und andere Abteilungen der Sicherheitskräfte, die unantastbare russische Innenarmee, die für ein autokratisches Regime unabdingbar ist, um die drohenden Gefahren von innen in Schach zu halten. Auch sie suchen Personal.

Offiziere versus "Millionäre"

Dabei schrumpfen die Teile der aktiven Armee an der Front gewaltig, darüber wird permanent von den Militärbloggern berichtet. Die Kriegslehre besagt, dass eine Armee, die eine Offensive führt, dreimal so hohe Verluste haben kann wie die Seite der Verteidigung. Doch im Fall des russischen Krieges gegen die Ukraine wird dieser Unterschied von mehreren unabhängigen Beobachtern mit 1 zu 7 berechnet, von manchen sogar mit 1 zu 8. Als Grund für solche hohen Verluste auf der russischen Seite wird meistens die Überlegenheit der Ukrainer in der Luft und ihre von den Drohnen geschaffene "Kill Zone" genannt.