Sachsens Kultusminister Clemens zur PISA-Studie: "Sehr dramatische Entwicklung"
AUDIO: Sachsens Kultusminister Conrad Clemens zur PISA-Studie (6 Min)
Reaktion auf PISA-Studie
Stand: 09.09.2026 19:12 Uhr
Seit 25 Jahren wird mit der PISA-Studie das Bildungssystem in den Industrieländern miteinander verglichen. Als die erste PISA-Studie herauskam, waren die Ergebnisse für Deutschland so schlecht, dass vom PISA-Schock die Rede war. Doch auch die aktuelle Studie zeigt dramatisch schlechte Ergebnisse. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) spricht sie einer "sehr dramatischen Entwicklung." Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kam der neuerliche Schock "mit Ansage".
von MDR SACHSEN
Nach dem schlechten Abschneiden Deutschlands bei der jüngsten PISA-Studie sieht Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) die Modernisierung des Unterrichts als Teil der Lösung. Ziel seien weniger Frontalunterricht und mehr selbstständiges Lernen. "Der Unterricht, wie er vor zehn oder 20 Jahren gemacht wurde, funktioniert in der heutigen Zeit mit der Digitalisierung, mit dem, wie wir lernen und wie wir Wissen akquirieren, nicht mehr", erklärte Clemens im Gespräch mit MDR AKTUELL. Dabei sehe der CDU-Politiker Sachsen schon auf einen guten Weg.
Der Unterricht, wie er vor zehn oder 20 Jahren gemacht wurde, funktioniert in der heutigen Zeit mit der Digitalisierung, mit dem, wie wir lernen und wie wir Wissen akquirieren, nicht mehr. Conrad Clemens | Kultusminister in Sachsen
Zudem müssten Lernstände bei Kindern früher geprüft werden, so Clemens. Die verpflichtende Schuleignungsuntersuchung kämen zu spät, um bei Rückständen gegenzusteuern. "Die Unterschiede in der ersten Klasse sind dramatisch hoch zwischen Schülerinnen und Schülern, die schon lesen und schreiben können und anderen, die große Defizite haben, auch motorisch", betonte Clemens. Er verweist dabei auf Betrebungen des Bundes, Untersuchungen im frühkindlichen Bereich verpflichtend zu machen. Das wolle auch er in Sachsen umsetzen, sagte Clemens.
In der frühkindlichen Bildung sieht Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) einen wichtigen Baustein, um Rückständen bei Kindern vorzubeugen. (Archivbild)
Clemens: Sie wollen nicht nach Krauschwitz imd Zittau
Die Gründe für die PISA-Ergebnisse sind Clemens zufolge vielfältig. Einen Anteil daran haben demnach die Corona-Jahre, aber auch soziale Medien, die auf junge Menschen einprasselten. Zudem käme es teils zu enormen Unterrichtsausfall. Aus seiner Sicht gebe es genug Geld und freie Stellen, um Lehrer einzustellen, erklärte der Kultusminister.
Doch viele Lehramtsabsolventen würden gerade Stellen im ländlichen Raum nicht annehmen. "Das Problem ist, dass die Lehramtsabsolventen, die vor allen Dingen in den großen Städten wie Leipzig und Dresden sind, eben diese Stellen nicht annehmen. Sie wollen nicht nach Krauschwitz gehen, nach Zittau und nach Breitenbrunn im Erzgebirge." Die Abordnungen etwa von Gymnasien an Oberschulen sieht Clemens zwar nur als "zweitbeste Lösung". Dennoch sei das notwendig, um Lehrkräfte in Regionen zu bekommen, wo sie dringend gebraucht würden.
GEW: Schlechte Ergebnisse kommen mit Ansage
Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kommt das schlechte Abschneiden bei PISA mit Ansage. "Seit über zehn Jahren geht es bergab und seit Jahren warnen wir vor den Folgen von Personalmangel und Überlastung der Kitas und Schulen", erklärte der Landesvorsitzende, Burkhard Naumann. Die GEW sieht dabei nicht nur die Abordnungen kritisch.
Seit über zehn Jahren geht es bergab und seit Jahren warnen wir vor den Folgen von Personalmangel und Überlastung der Kitas und Schulen. Burkhard Naumann | Vorsitzender der GEW Sachsen
Ein Viertel des Unterrichts werde fach- oder schulartfremd durchgeführt, Standards für das Fach Deutsch als Fremdsprache seien gesenkt worden. "Für noch mehr Tests, wie sie der Kultusminister ankündigt, fehlt Zeit und Personal, um mit den Ergebnissen sinnvoll umzugehen", erläuterte Naumann. Stattdessen bräuchten Kitas und Schulen mehr Zeit, um auf die Bedarfe der einzelnen Kinder und Jugendlichen frühzeitig und kontinuierlich einzugehen.
Kitas und Schulen bräuchten mehr Zeit, um auf die Bedarfe der einzelnen Kinder und Jugendlichen frühzeitig und kontinuierlich einzugehen, sagte Landesvorsitzender, Burkhard Naumann. (Archivbild)
Schwerpunkt muss frühkindliche Bildung sein
Die GEW fordert einen sächsischen Bildungsdialog. Zudem müsste das Land schon jetzt beim Sächsischen Doppelhaushalt 2027/28 deutlich umsteuern. Schwerpunkt müsse sein, die frühkindliche Bildung zu stärken. Außerdem müssten Schulsozialarbeit, Deutsch als Fremdsprache und Ganztagsangebote ausgebaut werden. Abordnungen seien zu stoppen.
MDR (phb)