Schlafrhythmus nach der Fußball-WM – so finden Fans zurück in den normalen Schlaf


Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ist vorbei – doch der verschobene Schlafrhythmus vieler Fans wirkt nach. Wegen der Zeitverschiebung liefen 44 der 104 Partien in der deutschen Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr – selbst das Finale hielt viele bis weit nach Mitternacht wach. Schlafforscherinnen und Schlafmediziner erklären, wie die Rückkehr in den normalen Rhythmus gelingt.

Alle Fragen im Überblick:

Warum bringt die WM den Schlafrhythmus so durcheinander? Wie lange dauert es, bis sich der Rhythmus normalisiert? Was hilft beim Zurückfinden in den normalen Schlaf? Welche Rolle spielen Alkohol und Koffein bei der Umstellung? Wann wird Schlafmangel nach der WM gefährlich?

Warum bringt die WM den Schlafrhythmus so durcheinander?

Späte Spiele aktivieren das körpereigene Stress- und Erregungssystem. Emotionen wie Last-Minute-Tore oder Elfmeterschießen überschreiben den natürlichen Schlafdruck, erklärt der Neurowissenschaftler Christian Benedict von der Universität Uppsala. Fans liegen trotz Müdigkeit nach dem Abpfiff oft stundenlang wach.

Wer diesen Rhythmus über Wochen durchhielt, hat seine innere Uhr verschoben. „Schlaf ist das wichtigste Regenerations- und Reparaturprogramm, was wir überhaupt haben", sagt der Schlafforscher Hans-Günter Weeß vom Pfalzklinikum. Nachholen lässt sich verlorener Schlaf nicht – nur die fehlende Wachheit lässt sich kompensieren.

Wie lange dauert es, bis sich der Rhythmus normalisiert?

Wer über mehrere Wochen Nachtspiele verfolgt und tagsüber geschlafen hat, braucht laut Weeß fünf bis sieben Tage, um wieder in den normalen Tag-Nacht-Rhythmus zurückzufinden. Der Schlafmediziner Michael Saletu empfiehlt, die Umgewöhnung wie bei einer kurzen Zeitverschiebung anzugehen und schrittweise jeden Tag etwas früher ins Bett zu gehen.

Was hilft beim Zurückfinden in den normalen Schlaf?

Tageslicht ist der wichtigste Taktgeber. Weeß rät: morgens möglichst früh aufstehen und viel Zeit im Freien verbringen. Das unterdrückt das müde machende Hormon Melatonin. Ideal sei Sport an der frischen Luft – etwa mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Kurze Nickerchen können die Tagesmüdigkeit überbrücken. „10 bis 20 Minuten sind völlig ausreichend", sagt Weeß. Länger als 30 Minuten sollte ein Powernap nicht dauern. Zu späte Nickerchen stören zudem den Schlaf in der folgenden Nacht, warnt die Oberärztin Elena Wenz vom Schlaf-Wach-Epilepsiezentrum des Berner Inselspitals.

Für den Abend empfiehlt Wenz: Fernseher aus, Licht dimmen, Smartphone weg. Wer nicht einschlafen kann, sollte keinen Druck aufbauen.

„Es gibt keine bessere Methode, sich wach zu halten, als unbedingt schlafen zu wollen."
(Hans-Günter Weeß, Schlafforscher am Pfalzklinikum)

Entspannungstechniken oder Fantasiereisen helfen eher als der Blick auf die Uhr. Von Schlafmitteln raten die Fachleute ab – sie wirkten oft noch in den Tag hinein.

Welche Rolle spielen Alkohol und Koffein bei der Umstellung?

Beides erschwert die Rückkehr zum normalen Rhythmus. Alkohol unterdrückt laut Weeß wichtige Tiefschlafphasen und führt zu mehr Wachphasen in der Nacht. „In der Kombination mit Schlafmangel potenzieren sich die leistungsbeeinträchtigenden Wirkungen", warnt er.

Koffein hält kurzfristig wach, seine Wirkung endet aber nicht auf Knopfdruck. „Kaffee hilft in der Regel nur begrenzt und lindert nicht alle Symptome des Schlafmangels", sagt Wenz. Wer den Rhythmus normalisieren will, sollte Koffein spätestens am frühen Nachmittag meiden. Auch beim Snacken gilt Zurückhaltung: Nüsse oder Gemüse statt salziger Chips, die Durst und Harndrang auslösen und den Schlaf stören.

Wann wird Schlafmangel nach der WM gefährlich?

Besonders ernst nehmen sollten Fans die Folgen im Straßenverkehr. Schon eine Stunde weniger Schlaf erhöht laut Weeß das Unfallrisiko um rund 30 Prozent. Bei zwei Stunden Defizit steigt es um etwa 90 Prozent. Wer weniger als vier Stunden geschlafen hat, trägt ein 4,3-fach erhöhtes Risiko.

Wenz nennt als Warnsignale: schwere oder brennende Augen, häufiges Gähnen, Kopfschmerzen und nachlassende Konzentration. Spätestens bei Sekundenschlaf müsse man sofort reagieren. Die Apothekerkammer Nordrhein warnt zudem: Chronischer Schlafmangel über Wochen belastet das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel. Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten trotz verschobener Schlafzeiten ihre Medikamente – etwa gegen Bluthochdruck oder Diabetes – zu den gewohnten Zeiten einnehmen.

Wer die Umstellung geduldig angeht, morgens Licht tankt und abends konsequent herunterfährt, dürfte nach rund einer Woche zurück im Takt sein.

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