Schmerzlicher Rückschlag für Klopp – die Probleme einer „zusammengewürfelten Truppe“
Stand: 27.09.2026, 23:31 Uhr
Die vom Fußballvolk erhoffte Wunderheilung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gelingt nicht so fix wie erhofft.
Augsburg – Zwischen seinem ersten Auswärtsspiel und seiner ersten Heimpartie als Bundestrainer hat Jürgen Klopp mit Blick auf die Europameisterschaft 2028 und einen möglichen Titel in der ihm eigenen Art mitgeteilt: „Ich habe mir nichts vorgenommen für den Tag nach dem Finale. Ich kann ausschlafen.“

Wenn es denn tatsächlich so weit kommen sollte in seiner zweiten Heimat Großbritannien, dann allerdings würde es dennoch eine kurze Nacht werden. Denn deutsche Sieger würden in einen Frühflieger nach Berlin verfrachtet, um dort am Brandenburger Tor mit einer halben Million Fans das Land zu einen. Oder so ähnlich.
Klopp verliert sein Heim-Debüt gegen Griechenland
Aber von einem derartig wundervollen Ereignis (mit der ausdrücklichen Betonung auf Wunder) ist Deutschland unter Jürgen Klopp gerade noch weiter entfernt, als es seine Vorgänger Julian Nagelsmann und Hansi Flick in der Nations League je waren. Dritter Platz in der Vorrundengruppe. Zwei Spiele, ein Punkt. Viertelfinale nur mit dem Fernglas sichtbar. Tja, und gute Stimmung allein, wie sie in den Tagen des Trainingslagers in Herzogenaurach nach außen getragen wurde wie eine Theaterinszenierung, allein reicht halt nicht.
„Ich möchte, dass wir die Freiheit an den Tag legen und die Risikobereitschaft zeigen, einem tiefen Block wehzutun.“ Das hatte Jürgen Klopp als Erwartungshaltung formuliert, wohlwissend, dass Griechenland sich am Sonntagabend in Augsburg vorwiegend aufs Verteidigen konzentrieren würde.
Das Publikum konnte dann sehen, dass eine Offensive wie die des FC Bayern mit seinen ausländischen Topspielern in der Lage ist, eine völlig andere Passqualität, gefährlichere Tiefenläufe, besseres Positionsspiel zu verbreiten als eine aktuelle deutsche Nationalmannschaft. Hinten stand das deutsche Team lange wie ein dichter Eichenwald. Aber nicht lange genug.
„Wir haben herausragende Talente, das Dumme ist: Das haben andere Länder auch“, weiß Klopp. Und er weiß natürlich sogar, dass andere Länder in einem größeren Pool an Qualitätsspielern angeln können. Umso mehr kommt es auf eine ausgefeilte Zusammenarbeit an. Kein Wunder, dass diese mit einer derart runderneuerten Mannschaft und einem neuen Trainer und somit völlig neuen Abläufen auf und neben dem Platz noch längst nicht funktionieren kann.
„Wir müssen noch lernen, die Topqualität jedes Spielers richtig einzusetzen“, glaubte Klopp vor dem Anpfiff. Zum Beispiel, Karim Adeyemi steil genug anzuspielen, damit er sein Tempo ausspielen kann. Dann ist der Außenstürmer viel gefährlicher, als wenn er sich aus dem Stand heraus durchsetzen soll. Aber ist die Qualität auch so gut, wie Klopp vorzugeben versuchte, ehe es in Augsburg diesen Niederschlag gab? Oder war das vor allem Optimismus-Rhetorik nach einer ja durchaus Hoffnung schürenden Vorstellung in Amsterdam?
DFB lässt offensive Durchschlagskraft vermissen
Adeyemi steil zu schicken, gelang gegen die konzentriert, aber mit schlichten Mitteln agierenden Griechen allzu selten. Wenn es passte, dann wurde es auch gleich gefährlich. Die Deutschen hatten geraume Zeit eigens auf eine aggressive Form des Angriffspressings verzichtet, sondern erst im Mittelfeld die Räume verdichtet, um den Gegner ein wenig aus der Reserve zu locken und Räume hinter der Kette freizumachen. Aber einem wie Mittelstürmer Younes Ebnoutalib, vor drei Tagen gegen die Niederlande noch stets gefährlich, gelang es zu selten, seiner Unsichtbarkeit zu entfliehen.
Daran war der Frankfurter aber sicher nicht allein schuld. Das Aufbauspiel geriet zu eindimensional über Joshua Kimmich, dessen Chipbälle nicht ankamen, dem dazu noch ein schwerer Abspielfehler unterlief, der schon zum 0:1 hätte führen können, ehe es dann trotzdem bald 0:1 stand. Danach zerfaserte das deutsche Angriffsspiel, daran half auch die Einwechslung von Jonathan Burkardt und Florian Wirtz nichts. Im Gegenteil, es wurde schlechter und unsortierter.
Klopp hatte die wenig erheiternde Partie viel mehr mit Händen in den Taschen oder hinterm Rücken verschränkt verfolgt als das viel niveauvollere Spiel beim 1:1 gegen die Niederlande, unterbrochen von einzelnen halb-emotionalen Ausbrüchen. Seine Maxime ist jetzt mit Leben zu füllen: „Nur an den sonnigen Tagen performen zu können, damit kann ich nicht viel anfangen.“ In Augsburg war die Sonne zum Anpfiff längst untergegangen und bis zum Abpfiff nie wieder aufgetaucht.
Er hätte damit leben können, das Spiel knapp zu gewinnen, sagte Klopp, „mit der Niederlage kann ich das nicht.“ Vor allem störte es ihn, dass seine Mannschaft in den entscheidenden Zweikämpfen zu wenig Körperlichkeit in der Defensive gezeigt hatte. Und in der Offensive ohne einen Anflug von Fantasie agierte. „Wir sind eine zusammengewürfelte Truppe, da müssen wir erst in Abläufe kommen. Fußball braucht Training, Fußball braucht Abläufe. Wir können die Bälle nicht einfach nach vorne tragen und dann hoffen, dass da einer aus dem Weg geht.“ Eine ziemlich gute Analyse. Und eine ziemlich ernüchternde.