Schulbegleitung: Eltern fordern sofortigen Stopp der neuen Regeln
Hamburg
Schulbegleitungs-Streit eskaliert: Eltern werfen Behörde Rechtsbruch vor
Die Neuordnung der Schulbegleitung sorgt für Empörung. Der Ton wird mittlerweile schärfer.
Im Konflikt um die Neuordnung der Schulbegleitung in Hamburg gibt es eine neue Eskalationsstufe: Die Elternkammer fordert eine sofortige Rückkehr zur alten Regelung, die Kürzungen sollen auf der Stelle ausgesetzt werden. Die Kammer wirft der Schulbehörde und Senatorin Ksenija Bekeris (SPD) vor, gegen Gesetze verstoßen zu haben und bereits jetzt für massive Versorgungslücken gesorgt zu haben – am Nachmittag wurde eine Petition an Bekeris übergeben.
Die neuen Regeln für die Schulbegleitung haben Eltern, Sozialverbände und Schulen in Hamburg schockiert: Pädagogisch oder sozialpädagogisch ausgebildetes Personal wird seit diesem Schuljahr nur noch in Ausnahmefällen bewilligt, es wird stärker auf Pool- und Kombimaßnahmen gesetzt und die Hürden, überhaupt eine Begleitung zu bekommen, sind massiv gestiegen.
Zahlreiche Beschwerden wegen Neuordnung der Schulbegleitung
Schon nach wenigen Wochen haben sich zahlreiche Beschwerden aufgrund der neuen Regelung angesammelt: Die Behörde selbst spricht von 1500 Hinweisen, Beschwerden und E-Mails allein bis zum 20. August. Die Julius-Leber-Schule etwa warnte vor eskalierenden Situationen im Unterricht aufgrund fehlender Unterstützung, an der Schule An der Burgweide seien von 924 beantragten Schulbegleiter-Stunden gerade einmal 165 bewilligt worden und die Schule Kielkamp teilte Eltern sogar mit, keine Verantwortung mehr für Aufsicht und Sicherheit übernehmen zu können und deshalb die Einhaltung der Schulpflicht nicht mehr zu kontrollieren, bis eine Lösung gefunden wurde.
„Was wir befürchtet haben, ist eingetreten: Kinder erhalten nicht die Unterstützung, die sie brauchen, Eltern werden an ihre Belastungsgrenzen gebracht und Beschäftigte mit kaum tragbarer Verantwortung alleingelassen“, kommentiert die Elternkammer.
Schulbegleitung: Fast 90.000 Unterschriften gegen Neuordnung
Mit einer von der GEW Hamburg, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Hamburg, dem SoVD-Landesverband Hamburg, Autismus Hamburg, KIDS Hamburg, Pro Inklusion Hamburg und weiteren Organisationen unterstützten Petition (87.900 Unterschriften) fordert die Elternkammer nun von der Behörde, die Neuordnung sofort zu stoppen, die Elternvertretung an einer potenziellen neuen Lösung zu beteiligen, Einzelfälle zu prüfen, transparent zu sein und Mängel zu beseitigen.
Zudem wird eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung gefordert, in der es um regionale Verteilung, Dauer, Umfang und Art der Bedarfe bei der Schulbegleitung gehen soll, um Qualifikation, Arbeitsbedingungen und Kontinuität der Schulbegleiter, um regionale Unterschiede bei der Schulbegleitung und um Konfliktprävention.
Die Petition wurde Ksenjia Bekeris am Dienstagnachmittag übergeben – eine Reaktion ihrer Behörde steht noch aus. (prei)