Schwalm-Eder-Kreis bekommt Starkregenfrühwarnsystem nach Ahrtal-Flut


Stand: 14.07.2026, 13:03 Uhr

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Nach der Flutkatastrophe

Ein Einsatzwagen der Feuerwehr fährt durch eine Straße, die mit Sperrmüll gesäumt ist. Die Flut im Ahrtal ist nun fünf Jahre her. © Thomas Frey

Der Kreis hat nach der Flut im Ahtal vor fünf Jahren eine Förderung für ein Frühwarnsystem beantragt. Doch die digitale Sirenensteuerung ist noch nicht in allen Kommunen abgeschlossen.

Schwalm-Eder – Es war eine der größten Naturkatastrophen der jüngeren Geschichte. Nach einer durch Starkregen ausgelösten Flutwelle starben vor fünf Jahren in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 allein im Ahrtal in Rheinland-Pfalz 135 Menschen.

Deutschlandweit waren es 180. Auch Rettungskräfte aus dem Schwalm-Eder-Kreis gehörten zu den Helfern der ersten Stunde – größtenteils Ehrenamtliche.

Langer und intensiver Einsatz für Helfer

Als erste Einsatzkräfte rollten vier Notfallkrankenwagen der Schnelleinsatzgruppe „Transport“ in Richtung Rheinland-Pfalz. Im weiteren Verlauf folgten Personal der Technischen Einsatzleitung (TEL) als Führungsunterstützung, das Technische Hilfswerk und DRK-Personal der Landesverstärkung.

Der DLRG-Wasserrettungszug wurde am 15. Juli 2021 in Richtung Messe Düsseldorf beordert. Der Zug war zwischenzeitlich in Euskirchen, kam dort allerdings nicht zum Einsatz.

Es wurde für einige Helfer aus dem Kreis ein langer und intensiver Einsatz. Das THW Schwalmstadt war beispielsweise vier Wochen vor Ort. Insgesamt seien 20 Helfer im Einsatz gewesen, erinnert sich der Ortsbeauftragte Thomas Dickel. Am Ende waren es 4000 Einsatzstunden und 4500 gefahrene Kilometer.

Gute Vorwarnung kann entscheidend sein

Auch wenn die Topografie des Ahrtals nicht mit dem Schwalm-Eder-Kreis vergleichbar ist, haben die Verantwortlichen Lehren aus der Jahrhundertkatastrophe gezogen. Das Ahrtal habe gezeigt, dass eine gute Vorwarnung der Bevölkerung bei Starkregenereignissen wichtig sei.

Mithilfe von Sensorik wird es nach Angaben eines Kreissprechers zukünftig möglich sein, frühzeitig zu warnen und vorbereitende Maßnahmen einzuleiten. Hierfür habe der Kreis eine Förderung beantragt, die auch bewilligt worden sei: „In Kürze wird der Bewilligungsbescheid hierfür übergeben, danach beginnt die Planungs- und Umsetzungsphase für das Starkregenfrühwarnsystem.“

Über 100 Liter pro Quadratmeter

Das Tiefdruckgebiet, das im Juli 2021 den extremen Starkregen und die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal sowie in anderen Teilen Deutschlands und Mitteleuropas auslöste, hieß „Bernd“. Im Katastrophengebiet wurden in der Nacht vom 14. auf den 15. flächendeckend 100 bis über 150 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Es regnete dort innerhalb weniger Stunden mehr als das Doppelte einer üblichen Monatsmenge auf die bereits gesättigten Böden.

Bei der Warnung der Bevölkerung gibt es laut Kreisverwaltung jedoch noch Defizite. Die Umrüstung auf digitale Sirenensteuerung sei bislang noch nicht in allen Kommunen abgeschlossen. Erst dann ist es möglich, die Signale für die Bevölkerungswarnung seitens der Leitstelle auszulösen. Bis dahin muss man sich noch mit dem klassischen Feuersignal behelfen.

An der Warninfrastruktur durch Sirenen müsse weitergearbeitet werden, betont Landrat Winfried Becker. Die Umrüstung muss abgeschlossen werden. „Sirenen sind unserer Meinung nach immer noch das beste Mittel, um viele Menschen akustisch zu erreichen und somit zu warnen.“

Die Flutkatastrophe im Ahrtal sei eine Zäsur für den Bevölkerungsschutz in Deutschland gewesen, sagt Grit Tüngler, Präsidentin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): „Sie hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, welche Folgen extreme Ereignisse haben können.“