Schwere Schulranzen belasten Kinder: So wird die Tasche leichter


Stand: 06.09.2026, 08:00 Uhr

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Zum Start der Schuljahreseinkäufe warnen Fachleute: Zu schwere Schulranzen belasten Kinderkörper, führen zu Fehlhaltungen und Schmerzen.

München – Rucksäcke können modisch und praktisch sein, doch sie werden schnell zu schwer, wenn sie mit Büchern, digitalen Geräten, Musikinstrumenten, Sportausrüstung und vielen weiteren Dingen vollgestopft sind.

Gut vorbereitet zu sein, ist zwar wichtig, aber Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen oder an außerschulischen Aktivitäten teilnehmen, tragen häufig deutlich mehr mit sich herum, als ihr Körper auf Dauer problemlos verkraften kann.

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Dieser Artikel von Marta Iraola Iribarren entstand in Kooperation mit Euronews

Wenn Familien mit den Einkäufen zum neuen Schuljahr beginnen, stellt sich deshalb die Frage, woran sie erkennen können, dass der Rucksack ihres Kindes zu schwer ist, und wie sie die Last wirksam verringern.

Der typische Schulrucksack hat sich im Laufe der Zeit zwar verändert, wirklich leichter ist er dadurch aber nicht unbedingt geworden, denn neben Schulbüchern kommen oft auch Laptops oder Tablets hinzu.

Zum Start der Schuljahreseinkäufe warnen Fachleute: Zu schwere Schulranzen belasten Kinderkörper, führen zu Fehlhaltungen und Schmerzen.

Zum Start der Schuljahreseinkäufe warnen Fachleute: Zu schwere Schulranzen belasten Kinderkörper, führen zu Fehlhaltungen und Schmerzen. © picture alliance/dpa | Andreas Arnold

Ob Kinder nun Schulbücher, digitale Geräte oder beides dabeihaben: Dazu kommen meist noch Hefte, Trinkflaschen, Brotdosen oder Sportsachen, die für sich genommen gar nicht besonders schwer wirken.

In der Summe jedoch entsteht eine erhebliche Belastung, die den Körper eines Kindes unnötig beansprucht und langfristig zu Fehlhaltungen, Verspannungen oder Schmerzen führen kann.

Warnsignale erkennen und Körper beobachten

Nach Angaben der American Academy of Pediatrics gibt es mehrere deutliche Warnsignale dafür, dass ein Rucksack zu schwer ist: Beugt sich ein Kind nach vorne, um das Gewicht auszugleichen, oder hat es sichtbar Mühe beim Gehen, ist das ein ernstzunehmender Hinweis.

Auch sollten sich die Träger nicht in die Schultern einschneiden, denn Druckstellen oder einschneidende Gurte deuten auf eine zu hohe Belastung hin. Verletzungen am Rücken sind zwar relativ selten, aber dennoch möglich, insbesondere wenn ein Kind mit einem schweren Rucksack stürzt, erklärt Sadika Kendi, Ärztin und Vorsitzende des Programms zur Unfallprävention der Akademie.

„Schlimmer wird es, wenn ein Kind zum Beispiel stolpert und mit einem riesigen, schweren Rucksack fällt“, sagte sie der Nachrichtenagentur Associated Press. „Dann lastet zusätzliches Gewicht auf dem Körper, und eine Verletzung kann schwerer ausfallen“, führt Kendi weiter aus und verweist darauf, dass es keine starre Grenze gebe, die für alle Kinder gleichermaßen gilt.

Als grobe Faustregel werden zwar oft zehn bis fünfzehn Prozent des Körpergewichts eines Kindes genannt, doch dafür gebe es keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage, betont sie. Kinder unterscheiden sich in Größe, Kraft, körperlicher Entwicklung und Alltag deutlich.

Individuelle Bedürfnisse und passende Modelle

Bezugspersonen sollten daher immer die individuellen Bedürfnisse jedes Kindes im Blick behalten und Rucksäcke grundsätzlich so leicht wie möglich halten, anstatt sich ausschließlich auf Prozentangaben zu verlassen. Gesundheitsbehörden empfehlen Rucksäcke mit zwei breiten, gepolsterten und verstellbaren Trägern, weil diese das Gewicht gleichmäßiger über Schultern und oberen Rücken verteilen und Druckspitzen verhindern können.

Die Träger sollten so fest eingestellt sein, dass der Rucksack nah am Körper bleibt und nicht hin- und herschlenkert, wenn das Kind geht oder rennt. Idealerweise liegt die Unterkante knapp oberhalb der Taille des Kindes, damit die Last eher im oberen Rückenbereich ruht. Ein Modell mit Hüftgurt kann das Gewicht zusätzlich auf das Becken verlagern und dadurch Schultern und Wirbelsäule entlasten.

Rucksäcke mit Rollen können vor allem für Kinder mit Verletzungen oder chronischen Beschwerden hilfreich sein, weil sie das Tragen auf dem Rücken teilweise überflüssig machen. Fachleute warnen jedoch, dass solche Trolleys in Schulen mit vielen Treppen oder in vollen Fluren zur Stolperfalle werden können und andere Kinder behindern, weshalb Eltern die örtlichen Gegebenheiten genau berücksichtigen sollten.

Nichts Überflüssiges im Schulalltag schleppen

Wenn Familien die Materiallisten für den Schulstart erhalten, lohnt es sich, gemeinsam zu prüfen, was ein Kind wirklich täglich im Rucksack braucht und was in der Schule, im Spind oder zu Hause bleiben kann.

Nach Ansicht von Samantha Ness, Geschichtslehrerin in Phoenix in den USA, sollten Eltern vor allem darauf achten, dass ihre Kinder die Grundausstattung dabeihaben und sich nicht von angesagten, dekorativen oder besonders teuren Produkten verleiten lassen, die nur zusätzliches Gewicht verursachen.

Ihre Schülerinnen und Schüler können im Unterricht auf Schulbücher im Klassenraum zurückgreifen, wodurch sich viel Gewicht sparen lässt. Trotzdem sollen sie jeden Tag einen Laptop und das Ladegerät mitbringen, was den Rucksack wieder schwerer macht.

Da digitale Geräte im Schulalltag immer wichtiger werden, verzichten manche Kinder inzwischen komplett auf Papier, erzählt sie, und verlassen sich nur auf ihre Technik. Diese ständige Verfügbarkeit digitaler Geräte kann allerdings auch leicht ablenken, etwa durch Spiele, Chats oder soziale Medien, wenn Lehrkräfte nicht konsequent regulieren.

Mit zunehmendem Alter, sagt Ness, verwandeln sich manche Rucksäcke fast in private Aufbewahrungsorte, in denen sich Schminke, Nagellack oder sogar Föhne ansammeln – Dinge, die mit Schulmaterial wenig zu tun haben und das Gewicht dennoch spürbar erhöhen.