Schwimmer Andreas Waschburger: „Herr der Meere“ – „Playboy“ widmet Sportler aus dem Saarland Riesen-Artikel
Schwimmer Andreas Waschburger „Herr der Meere“ – „Playboy“ widmet Sportler aus dem Saarland Riesen-Artikel
Saarbrücken · Weltrekorde in den gefährlichsten Gewässern der Welt – und jetzt acht Seiten im „Playboy“, zwischen Simone Ballack und John Travolta: Der Saarbrücker Extremschwimmer Andreas Waschburger schreibt Geschichte.
17.07.2026 , 13:15 Uhr
Mit dieser Doppelseite beginnt der Artikel über Andreas Waschburger.
Foto: Playboy/Playboy Deutschland
Dass es Menschen aus dem Saarland in den „Playboy“ schaffen – ja, meist wird das wirklich als Auszeichnung empfunden –, ist selten. Sehr selten. Wer danach sucht, stößt zum Beispiel auf den Saarbrücker Wirt Ralph Nermerich, dessen „Nautilus Bar“ mal als eine der 33 besten Bars in Deutschland gefeiert wurde. Oder der findet Fotos der Saarbrückerin Julia Sokolov (Maße 86/67/84), die 2016 für das Herrenmagazin posierte und dabei zum besten gab, dass sie „Streit, Unehrlichkeit, Arroganz und Aufdringlichkeit" blöd findet.
Fußballerin die bislang prominenteste Saarländerin im „Playboy“
Der „Playboy“, das muss vielleicht noch erklärt werden, ist eine Zeitschrift, die mit dem Slogan „Alles, was Männer lieben!" wirbt und von eben diesen Männern angeblich vor allem wegen der guten Interviews gekauft wird. Tatsächlich dürften nackte Tatsachen mitunter ebenfalls eine Rolle spielen. Die prominenteste Saarländerin, die in dem Magazin nackte Tatsachen präsentierte, ist wohl die Fußballerin Selina Wagner aus St. Wendel, damals beim VfL Wolfsburg unter Vertrag, heute Teammanagerin in Elversberg. 2011 war sie sogar auf der Titelseite zu sehen, gemeinsam mit vier weiteren Kickerinnen und der Schlagzeile: „Weltmeisterlich! So schön sind Deutschlands Fußball-Nationalspielerinnen“.
Andreas Waschburger mit Heft in der Schwimmhalle an der Saarbrücker Sportschule.
Foto: Jasmin Waschburger
Jetzt hat es wieder ein Sportler aus dem Saarland in den „Playboy“ geschafft. Er ist dort zwar auch halbnackt zu sehen, doch das ist nicht der Grund, warum ihm gleich acht Seiten gewidmet wurden – zwischen eindeutigen Fotos von Cover- und Ex-Spielerfrau Simone Ballack (geboren in Kaiserslautern) und einem (nur sechsseitigen) Interview mit Hollywood-Star John Travolta. Der Grund, warum Andreas Waschburger im neuen „Playboy“ als „Herr der Meere" gewürdigt wird, lautet: „Der Deutsche ist der wohl beste Extremschwimmer der Welt.“
„Die Geschichte eines Mannes, der niemals aufgibt“
Auf der Titelseite wird Waschburger als „Herr der Meere“ angekündigt.
Foto: Playboy Deutschland/Sabine Liewald
So steht es im Vorspann zur Riesen-Reportage über den 39-Jährigen mit dem Titel „Ein Mann schwimmt seinen Weg“. Sie beginnt spektakulär: „Dies ist die Geschichte eines Mannes, der niemals aufgibt. Sie handelt von Blut und Tränen, großen Erfolgen und krachenden Niederlagen und spielt in den gefährlichsten Gewässern auf dem Globus. Es werden Haie vorkommen, vier Meter hohe Wellen, tote Ratten, Quallen mit giftigen Tentakeln, eine Ministerpräsidentin und ein Tiefseemonster, das kreisrunde Fleischstücke aus dem Körper beißt.“ Es sei die Geschichte des Saarbrückers Andreas Waschburger, lässt Autor Michael Kneissler die Leser wissen, der ihn unter anderem am Bostalsee getroffen hat.
Das Porträt über den Saarländer, den alle nur „Waschi“ nennen, sei ein „riesengroßes Highlight der aktuellen Ausgabe“, findet „Playboy“-Chefredakteur Florian Boitin. Man kann dem Mann da schlecht widersprechen. Detailreich und mit einem guten Schuss Bewunderung schreibt Kneissler über das Leben Waschburgers, der lange von fast allen verkannt worden sei, nachdem er 1995 noch im Alten Stadtbad St. Johann die Seepferdchen-Prüfung bestanden hatte. Er schreibt über ein „schüchternes, pummeliges Kind", das sich in der Schule nicht besonders wohlgefühlt hat, das eine seltsame Technik und nach Meinung eines frühen Trainers kein Talent gehabt habe. Dafür hat Waschburger einen offensichtlich unbändigen Ehrgeiz. Teilweise ist er, so erfährt man, pingelig und perfektionistisch.
Waschburger bei der Arbeit im kalten Meer.
Foto: Hylo Sport
Irrer Weltrekord im Ärmelkanal
Die Liste seiner Erfolge ist inzwischen so lang, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Legendär sind vor allem sein Weltrekord im Ärmelkanal, den er 2023 in sechs Stunden und 45 Minuten durchquerte, und der Fabel-Weltrekord bei der „Ocean's Seven“-Serie, die sieben bedeutende Meerengen rund um den Globus umfasst und als härteste Herausforderung im Marathonschwimmen gilt. Der Saarländer unterbot mit einer Gesamtzeit von unter 50 Stunden die vorherige Bestmarke um mehr als 13 Stunden. Im „Playboy“ heißt es dazu: „Andreas Waschburger aus Saarbrücken hat den Rekord nicht nur gebrochen, sondern komplett pulverisiert. Niemand hätte das erwartet. Außer Waschi selbst.“
Hätte Waschi, im Leben außerhalb des Wassers Kommissar bei der Bereitschaftspolizei in Kirkel, verheiratet und Vater einer sechs Monate alten Tochter, damit gerechnet, jemals im „Playboy" aufzutauchen? „Niemals“ habe er daran gedacht, sagt er über die außergewöhnliche Veröffentlichung, die er als „Ehre“ und „sehr große Anerkennung“ empfindet, wie er im Gespräch mit der SZ betont: „Das ist ja kein Schmuddelmagazin, das ist eine etablierte Zeitschrift. Und dann gleich acht Seiten! Das machen die ja nicht mit jedem."
Tolle Reaktionen auf Artikel
Waschburger auf Hawaii.
Foto: Hylo Sport
Am Tag, als das Heft am Kiosk zu bekommen war, hat er sich mit einer Ausgabe an den Beckenrand der Albert-Wagner-Schwimmhalle an der Sportschule gestellt, seine Frau Jasmin hat ein Foto davon gemacht. Man sieht Waschburger an, dass er stolz ist. Der Artikel sei „cool“, sagt der Saarländer, er findet sich und sein Leben eigentlich gut getroffen, auch wenn der Autor an manchen Stellen „ein bisschen Dramatik“ reingebracht habe, zum Beispiel in der Passage über seine Schulzeit auf der Bellevue.
Waschburger mit Medaille in New York.
Foto: Hylo Sport
Die Reaktionen auf den Artikel seien „auf jeden Fall schön“ gewesen, „super viele“ Leute hätten ihm geschrieben, sagt Waschburger. Es habe auch etliche lustige Kommentare gegeben und Anspielungen wie „Lässt du auch die Hüllen fallen? Nur dann kaufe ich ein Exemplar.“ Sich wirklich nackig machen für den „Playboy“ – das wäre für Waschburger nicht in Frage gekommen. „Das hätte ich natürlich nicht gemacht", sagt der „Herr der Meere“, der gerade wieder in die USA geflogen ist – klar, zum Schwimmen… (lck)