Hitzesommer: Rösti reagiert auf die Kritik und will Wälder unterstützen.
Seht her, wir machen genug: Rösti reagiert auf den Hitzesommer und will Wälder und Bauern unterstützen
Der Umweltminister erzählt an einer Medienkonferenz, wie viel der Bund für den Klimaschutz mache. Die Linke lässt sich damit kaum besänftigen.
26.08.2026, 19.47 Uhr
6 Leseminuten

Albert Rösti wirkt vor den Medien oft gutgelaunt. Am Mittwoch war das anders.
Anthony Anex / Keystone
Am Tag, an dem der Umweltminister Albert Rösti zur Medienkonferenz zum Hitzesommer lud, sagte der helvetische Wetterfrosch Thomas Bucheli zum letzten Mal bei «SRF Meteo» die Temperaturen der nächsten Tage voraus: Für den Donnerstag werden zwar mancherorts über 30 Grad erwartet, am Freitag aber kühlt es wieder ab.
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Rösti versuchte an diesem Mittwochnachmittag, auch die politische Grosswetterlage abzukühlen. Also verkündete er zwei Massnahmen: Erstens spricht der Bundesrat 54 Millionen Franken für landwirtschaftliche Betriebe, die von der Trockenheit betroffen sind, beispielsweise durch Ernteausfälle. Zweitens sollen die Wälder zwischen 2027 und 2031 mit zusätzlichen 17,5 Millionen Franken pro Jahr unterstützt werden, etwa, um die Verbreitung des Borkenkäfers zu verhindern. Wobei das Parlament dem noch zustimmen muss.
Letztere Massnahme ist offenkundig eine Reaktion auf einen Bericht der «NZZ am Sonntag», wonach das Parlament die Gelder für den Wald erst um ein Drittel gesenkt, Rösti sie danach ganz gestrichen habe. Rösti verteidigte den Schritt am Mittwoch mit Verweis auf das Entlastungspaket. «Und jetzt haben wir eine andere Ausgangslage.» Ohnehin sind die Gelder nicht von Rösti gekürzt worden, sondern vom Parlament. Es hat die Beiträge wieder auf das Niveau von 2020 reduziert.
Doch nicht nur die Medien kritisierten Rösti in den vergangenen Wochen, sondern auch Exponenten der SP und der Grünen. Vor allem Lisa Mazzone, die Chefin der Grünen, nutzte die Themenkonjunktur und verbreitete das Bild eines Bundesrats, der in klimatisierten Hotelzimmern sitze, anstatt für die Bevölkerung da zu sein. Sie forderte gar, Rösti das Departement zu entziehen. Es war eine weitere Attacke der Grünen auf ihren Lieblingsgegner.
Natürliche Gegner
Bereits nach Röstis Wahl in den Bundesrat Ende 2022 hatten die Grünen einen Watchblog aufgeschaltet, der die angeblichen Fehlleistungen . . . dokumentieren sollte. Mit Rösti, so heisst es im Blog, habe die «Erdöl- und Autolobby einen direkten Draht ins Klima-Schlüsseldepartement» erhalten.
Der Antagonismus zwischen Rösti und dem links-grünen Lager bestand allerdings bereits zuvor. Und eigentlich ist er auch ganz logisch, denn einig waren sich Rösti und die Linken schon früher nicht: Sie sind politisch inkompatibel.
Lange vor seiner Wahl in den Bundesrat war Rösti Direktor der Schweizer Milchproduzenten und damit der oberste Interessenvertreter jener Bauern, die Umweltschützer gerne zu einer Umstellung ihrer Produktion animieren möchten. Von tierischen auf pflanzliche Produkte.
Auch präsidierte er den Landwirtschaftlichen Informationsdienst, die PR-Abteilung des Bauernverbandes sozusagen. Es folgte die Tätigkeit für die «Aktion für eine vernünftige Energiepolitik». Dabei handelt es sich gewissermassen um die bürgerliche Antwort auf die Anti-Atomkraft-Bewegung. Am häufigsten wurde Rösti allerdings für seine Arbeit als Präsident von Auto-Schweiz und Swissoil kritisiert.
Als Rösti schliesslich in den Bundesrat gewählt wurde, musste er 16 bezahlte Mandate abgeben. In den Rankings aller Parlamentarier belegte er damit stets Spitzenplätze. Das gilt allerdings auch für die Blacklist der politischen Linken. Ob in der Agrar-, der Energie- oder in der Verkehrspolitik, bei praktisch jeder aufgeladenen Debatte kämpfte Rösti auf der anderen Seite.
Albert Rösti, Verordnungs- und Versorgungsminister
Falls Röstis Wahl in den Bundesrat irgendetwas an seinem Verhältnis zur Linken geändert haben sollte, dann dies: Sie führte zu einer massiven Verschlechterung. Innert kürzester Zeit schlug Rösti etliche Pflöcke in seinem Departement ein. Bei seinem Tempo kamen seine Gegner kaum nach mit kritisieren.
Innert weniger Wochen kündigte Rösti eine Revision der Jagdverordnung an und ermöglichte damit die präventiven Wolfsabschüsse. Dann brachte er eine weitere Revision durch den Bundesrat, bei der es um die Senkung der Serafe-Gebühren ging. Später betitelte Rösti diese Massnahme immer wieder als Gegenvorschlag zur Halbierungsinitiative, in deren Initiativkomitee er sass. Damit erzürnte er, der sich stets mit dem Vorwurf des Lobbyismus konfrontiert sieht, den einflussreichsten Interessenverbund der Schweiz: die SRG und ihre Fans.
Bald einmal wurde Rösti im linken Lager und auch in manchen Medien als Verordnungsminister bezeichnet und damit als Anomalie in einem System der Konkordanz. Eine Steilvorlage lieferte er seinen Gegnern, als er während des Wahlkampfs für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen sagte, er «tendiere» eher zu Trump als zu Harris. Aus linker Sicht wurde er spätestens da zum Wiedergänger eines globalen Backlash. Teilweise verschwand – und verschwindet – Bundesrat Rösti hinter der Karikatur, die seine Gegner von ihm zeichnen.
Zum Beispiel bei den Diskussionen zum beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Im Parlament zeichnete sich im vergangenen Jahr ein Patt zwischen National- und Ständerat ab, und die jahrelange Arbeit von Energiepolitikern aller Couleur stand auf der Kippe. Einige bürgerliche Ständeräte – im Normalfall Röstis natürliche Verbündete – versuchten das Verbandsbeschwerderecht für ausgewählte Energieprojekte nicht nur einzuschränken, sondern es ganz zu streichen. Vor, während und nach den Debatten hielt Rösti diesen Ständeräten stets entgegen, dass sie die Vorlage gefährdeten und nun ein Kompromiss hermüsse.
Am Ende tendierte die Kompromisslösung zwar leicht zugunsten der bürgerlichen Ständeräte, trotzdem verrät diese Episode viel über den Politiker Rösti. Er ist nicht nur Verordnungsminister, sondern auch ein pragmatischer Kalkulator. Sieht Rösti, dass seine Idee keine Mehrheit findet, passt er sie an, verhandelt, diskutiert – bis das Quorum erreicht ist.
«Lage ernst genommen»
Während des Hitzesommers entschied sich Rösti zunächst dafür, abzuwarten. Als sich der Bundesrat vor zwei Wochen zu seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien traf, sprach er zwar auch über den Sommer mit seinen Hitzerekorden. Allerdings verzichtete man auf eine Medienmitteilung. Rösti trat an jenem Tag eigentlich nur vor die Medien, um über den KI-Gipfel zu sprechen, den Genf nächstes Jahr ausrichtet. Irgendwann fragten die Medienschaffenden aber nicht mehr nach dem Gipfel, sondern nach der Hitze. Rösti drückte daraufhin die «Betroffenheit des Bundesrates» aus, gab an, Massnahmen zu prüfen, vorerst aber auf sie zu verzichten. Denn es gebe «etablierte Prozesse».
Jetzt, an diesem Mittwoch, erklärte Rösti im Grunde dasselbe. Nur dieses Mal ernster, wortreicher, und in einer eigens dafür einberufenen Medienkonferenz. «Der Bundesrat hat die Lage von Anfang an ernst genommen. Er war und ist handlungsfähig», sagte Rösti. Die ausserordentliche Lage auszurufen, sei aber nicht nötig, man verfüge bereits über die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen.
Für die Beweisführung brachte Rösti die Direktorin des Bundesamtes für Umwelt, den Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft und den Delegierten für die wirtschaftliche Landesversorgung mit. Sie erklärten, was der Bund bereits gegen den Klimawandel und den Hitzesommer unternehme: Sie erwähnten die Klimarisikoanalyse von 2025, mit der heuer 44 Projekte wie die Begrünung von Dächern gefördert würden, und die nationale Wassermanagementstrategie, die längst in Arbeit sei und 2027 dem Bundesrat vorgelegt werde. Sie vergassen auch nicht die reduzierten Zölle etwa für Heu oder Mais, damit die Nutztiere genug Futter hätten. Der Subtext: Seht her, wir machen genug.
Vorschläge für die Grünen «ungenügend»
Doch eine politische Abkühlung des Hitzesommers scheint Rösti vorderhand nicht gelungen zu sein. Gerade einmal fünf Minuten nachdem der Bundesrat am Mittwoch ein Communiqué über seine neuen Massnahmen veröffentlicht hatte, reagierten die Grünen. In einer Kontermitteilung schrieb die Partei, der Bundesrat habe erst nach «massivem Druck» reagiert und «selbst dann» seien seine Vorschläge «ungenügend».
Einmal während der Medienkonferenz blickte Rösti auf sein Handy. Ob er die Medienmitteilung gesehen hatte? Minuten später sagte er, immer noch ernst: «Ich muss letztlich Massnahmen treffen, die mehrheitsfähig sind.» Dann erinnerte er daran, dass sowohl die Klimafondsinitiative als auch die Umweltverantwortungsinitiative «hochkant abgelehnt» wurden. Und trotzdem investiere man jährlich rund drei Milliarden Franken «in diesen Bereich».
Seine Rechtfertigungsrede schloss Rösti, indem er die anderen Staatsebenen in die Pflicht nahm. Beim Sechseläutenplatz in Zürich etwa müsse man sich schon überlegen, ob irgendwo ein Baum Platz hätte. «Und das ist Sache der Gemeinde.» In Tat und Wahrheit stehen ein paar kleine Bäume auf dem Platz. Aber vielleicht war Rösti eine Weile nicht mehr dort. Seine Sommerferien jedenfalls hat er im Berner Oberland verbracht. Auch dort fallen die Temperaturen. In Bundesbern dürften sie hoch bleiben.
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