Selenskyj fordert weitere 70 Milliarden Euro von der EU


EU-Gipfel

Selenskyj fordert weitere 70 Milliarden Euro von der EU

Von dpa

Aktualisiert am 16.10.2026 - 19:56 UhrLesedauer: 3 Min.

90 Milliarden Euro hat die EU der Ukraine für die Jahre 2026 und 2027 bereits bewilligt. Das Geld reicht aber nicht aus. Der ukrainische Präsident nennt beim EU-Gipfel die Größe der Finanzlücke.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert von seinen Verbündeten in der Europäischen Union weitere 70 Milliarden Euro für das kommende Jahr, um im Abwehrkampf gegen die russischen Angreifer bestehen zu können. Er brauche das Geld "für die Verteidigung, für Waffen und für unsere Widerstandsfähigkeit", sagte er beim EU-Gipfel in einer Rede vor den Staats- und Regierungschefs, die er anschließend auf der Plattform X veröffentlichte. Der Krieg werde die Ukraine im nächsten Jahr insgesamt 155 Milliarden Euro kosten.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits zu Beginn des Gipfels eine Aufstockung der Mittel für die Ukraine gefordert, aber keine Größenordnung genannt. Auf seiner Abschluss-Pressekonferenz sagte er, es gebe eine große Übereinstimmung in der EU, der Ukraine auch über den Winter und im nächsten Jahr weiterzuhelfen. Nach Angaben von EU-Ratspräsident António Costa forderten die Staats- und Regierungschef die EU-Kommission auf, einen Vorschlag zur Deckung des zusätzlichen Finanzierungsbedarfs vorzulegen.

Die Unterstützung der Ukraine war noch nie so wichtig wie heute, sagte Costa und verwies dabei auch auf russische Sabotageakte und wiederholte Verletzungen des Luftraums und der Hoheitsgewässer von EU-Mitgliedstaaten.

90 Milliarden Euro reichen nicht aus

Die EU hatte der Ukraine im vergangenen Jahr 90 Milliarden Euro für die Jahre 2026 und 2027 bewilligt, die nun nicht ausreichen. "Wir wissen, dass wir mit diesem Geld nicht auskommen, die Ukraine mit diesem Geld nicht auskommt", räumte Merz ein.

Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko hatte den zusätzlichen Finanzbedarf der Ukraine bereits im September bei einem Besuch in Brüssel erläutert. Im regulären Haushalt seines Landes fehlten für nächstes Jahr 32,6 Milliarden US-Dollar (29,1 Milliarden Euro). Die Lücke für die Verteidigungsausgaben bezifferte er auf 45 Milliarden US-Dollar (etwa 40,1 Milliarden Euro.

Mit der Ansage Selenskyjs vor den Staats- und Regierungschefs ist diese Forderung nun quasi amtlich. Ob die EU-Kommission bei dem Umfang mitgeht, ist offen. Bei der Finanzierung könnte wieder das in der Europäischen Union eingefrorene russische Vermögen ins Spiel kommen - etwa 210 Milliarden Euro.

EU will Streit mit Trump entschärfen

Die EU bemühte sich beim Gipfel unterdessen um eine Entschärfung der dramatisch eskalierten Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und Selenskyj. Sie verzichteten auf direkte öffentliche Kritik und Vorwürfe gegen Trump. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte stattdessen noch einmal, dass die Europäische Union Trumps Vorstoß für eine Energiewaffenruhe unterstützt habe.

Dieser sah vor, das Russland und die Ukraine vorerst gegenseitig auf Angriffe auf Kraftwerke, Raffinerien und andere Energieinfrastruktur verzichten. Von der Leyen sagte weiter, es sei Russland gewesen, dass die Waffenruhe keine einzige Minute eingehalten habe. Stattdessen habe das Land sogar weiter eskaliert.

Selenskyj machte deutlich, dass die Gesprächskanäle nach Washington weiter offen seien. Sein Team stehe in ständigem Kontakt mit den amerikanischen Unterhändlern, sagte er nach Beratungen mit Bundeskanzler Merz und den anderen Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten. Er rechne damit, dass "in den kommenden Tagen" ein weiteres Treffen vereinbart werde.