Sex am Bahnhof Bellinzona: Polizei identifiziert beteiligtes Paar


Publiziert17. September 2026, 17:55

Sexologin zu BellinzonaSex am Bahnhof: «Aufregung und Erregung sind nah beieinander»

Das Video eines Paars, das auf einem Bänkli auf dem Bahnhofsperron Sex hat, geht gerade viral. Die Sexologin und Psychotherapeutin Dania Schiftan erklärt, worin der Reiz von Sex in der Öffentlichkeit liegt und wo die Grenzen sind.

Shirin Camenisch

Daniel Graf

Darum gehts

Ein Paar hat auf einem Perron am Bahnhof Bellinzona Sex – während nur wenige Meter entfernt andere Reisende stehen. Eine Person auf dem gegenüberliegenden Perron filmt die Szene. Seither verbreitet sich das Video rasant über Whatsapp und soziale Netzwerke.

Die Transportpolizei hat die beiden beteiligten Personen inzwischen identifiziert. Der Fall liegt bei der Kantonspolizei Tessin. Weshalb Menschen ihre Sexualität an einem Ort ausleben, an dem sie jederzeit beobachtet werden können, erklärt die Sexologin und Psychotherapeutin Dania Schiftan.

Der Reiz, entdeckt zu werden

Für Sex im öffentlichen Raum könne es unterschiedliche Beweggründe geben. Manche Menschen reize gerade, dass es verboten und gesellschaftlich nicht akzeptiert sei. «Aufregung und sexuelle Erregung liegen sehr nahe beieinander», sagt Schiftan. Meist gehe es dabei nicht ausdrücklich darum, gesehen zu werden. Entscheidend sei vielmehr der Reiz, dass man entdeckt werden könnte.

Der Vorfall am Bahnhof Bellinzona sei allerdings kein typischer Fall. Häufiger seien Situationen an halböffentlichen Orten, etwa im Wald oder auf einer Clubtoilette. Dort befänden sich die Beteiligten zwar ausserhalb ihrer eigenen vier Wände, könnten sich aber dennoch bis zu einem gewissen Grad unbeobachtet fühlen.

Die Psychotherapeutin und Sexologin Dania Schiftan.

Die Psychotherapeutin und Sexologin Dania Schiftan.Mirjam Kluka

«Die innere Barriere fällt weg»

Auch Alkohol oder andere Substanzen könnten eine Rolle spielen. Diese wirkten enthemmend: «Die innere Barriere fällt weg.» Im Extremfall nähmen die Beteiligten kaum noch wahr, dass andere Menschen anwesend seien. Dann gehe es möglicherweise gar nicht um den besonderen Kick. «Es ist denkbar, dass die Personen komplett in ihrer eigenen Welt waren.»

Ob beim Paar in Bellinzona Alkohol oder andere Substanzen im Spiel waren, ist nicht bekannt. Aus dem Video lasse sich deshalb nicht ableiten, was die beiden zu ihrem Verhalten bewogen hat.

Für andere nicht einfach lustig

Schiftan warnt davor, Sex im öffentlichen Raum lediglich als lustig oder schräg abzutun. Den Beteiligten sei möglicherweise nicht bewusst, was sie unbeteiligten Personen damit zumuteten. Insbesondere für Kinder könne eine solche Situation stark verstörend sein und im schlimmsten Fall traumatisierend wirken.

Grundsätzlich gebe es Menschen, die von Aufregung und entsprechenden Fantasien sexuell profitierten und damit ihrer Sexualität etwas Gutes tun wollten. Dagegen sei zunächst nichts einzuwenden. Wer solche Fantasien auslebe, müsse sich jedoch genau überlegen, wer unfreiwillig damit konfrontiert werden könnte. «Sobald andere Menschen ungefragt einbezogen werden, überschreitet das klar eine Grenze», sagt Schiftan.

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Shirin Camenisch

Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News

Daniel Graf

Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.

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