Wassermelonen-Anstecker sorgt im TV-Duell vor der Berlin-Wahl für handfesten Eklat
„Sie sind der Merz des Wahlkampfes“: SPD attackiert Linke – BSW sorgt für Eklat
Stand: 17.09.2026, 08:22 Uhr
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Wohnungsnot, Antisemitismus, Koalitionsfrage: Beim RBB-TV-Duell gab es hitzige Debatten – und einen Eklat um einen Wassermelonen-Anstecker.
Berlin – Wenige Tage vor der Berlin-Wahl lieferten sich die Spitzenkandidaten in der RBB-Wahlarena einen teils hitzigen Schlagabtausch. Etwa 90 Bürgerinnen und Bürger stellten den Kandidaten von CDU, SPD, Grünen, Linken, AfD und BSW fast zwei Stunden lang Fragen zu den drängendsten Themen der Stadt. Dabei traten die inhaltlichen Gräben zwischen potenziellen Koalitionspartnern offen zutage – besonders zwischen SPD und Linken.

Das beherrschende Thema des Abends war die Wohnungsnot. Linken-Kandidatin Elif Eralp kündigte an, ab dem ersten Tag an der Vergesellschaftung großer Wohnungsbauunternehmen zu arbeiten. Zudem forderte sie eine Behörde gegen Mietwucher, illegale Ferienwohnungen und möbliertes Wohnen sowie einen Mietendeckel bei landeseigenen Unternehmen.
Berlin-Wahl: SPD attackiert Linke – „Sie sind der Friedrich Merz des Berliner Wahlkampfes“
Kurz vor der Berlin-Wahl konterte SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach beim Thema Wohnungsnot in Berlin scharf: „Ich will nicht, dass der größte Scheck in der Geschichte Berlins an Vonovia geht.“ Die Entschädigung der Konzerne würde die Stadt zwischen 20 und 30 Milliarden Euro kosten. Krach warf Eralp vor, im Wahlkampf allen alles zu versprechen: „Der Letzte, der das gemacht hat, war Friedrich Merz. Sie sind der Friedrich Merz des Berliner Wahlkampfes!“
Eralp hielt dagegen, dass die Berliner die Enteignungen 2021 in einem Volksentscheid gefordert hätten und eine Expertenkommission die rechtliche Machbarkeit bestätigt habe. CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers warnte ebenfalls vor „unverantwortbaren Folgen“ der Entschädigungszahlungen: „Wo sollen wir über 30 Milliarden Euro Entschädigung herbekommen?“ Er verwies auf Gesetze für einfacheres und schnelleres Bauen.
Grünen-Kandidat Werner Graf schlug vor, kurzfristig leerstehende Büros umzubauen – „zwei Millionen Quadratmeter, die im Augenblick leer stehen“. BSW-Kandidat Michael Lüders bezeichnete es als Sündenfall, dass Linke und SPD einst Zehntausende Wohnungen verkauft hätten: „Das hat die Misere erst verursacht.“
TV-Duell vor der Berlin-Wahl: Schärfste Konfrontation des Abends beim Thema Antisemitismus
Besonders aufgeladen war das TV-Duell vor der Berlin-Wahl beim Thema Antisemitismus. Evers warf Eralp vor, nicht entschieden genug gegen Antisemitismus in ihrer Partei vorzugehen, und verwies unter anderem auf einen Linken-Wahlkampfauftritt in Neukölln, bei dem ein Rapper zur Gewalt gegen Juden aufgerufen hatte. „Sie haben in Ihrer Partei ganz offensichtlich nicht den nötigen Durchgriff“, sagte Evers. „Judenhass ist Menschenhass. Es sind keine Einzelfälle.“
Eralp entgegnete: „Ich stehe für das Existenzrecht Israels, meine Partei steht klar dahinter.“ Zugleich betonte sie: „Muslimische Frauen haben auch Ängste, auch diese Menschen müssen wir schützen.“ Für Unruhe beim TV-Duell vor der Berlin-Wahl sorgte auch BSW-Kandidat Lüders, der einen Anstecker trug, der das Staatsgebiet Israels und der Palästinensischen Gebiete komplett in den Farben Palästinas zeigte. Auf Nachfrage von Moderator Sascha Hingst, ob er damit das Existenzrecht Israels infrage stellen wolle, antwortete Lüders ausweichend: Viele israelische Politiker definierten die Grenzen Israels nicht genau. „Ich mag Wassermelonen, esse die wirklich sehr sehr gerne...“, sagte er laut Bild.
Der Wassermelonen-Anstecker wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz seit 2026 als Erkennungszeichen gelistet, das im Zusammenhang mit propalästinensischem Extremismus verwendet wird.
Vor Berlin-Wahl: Im TV-Duell werden Baustellen zum gemeinsamen Nenner
Im Verkehr forderte Graf im TV-Duell vor der Berlin-Wahl den Ausbau des Radwegenetzes als Priorität und verteidigte die Einrichtung von Pollern in Wohnkiezen: In den betroffenen Bereichen gebe es 58 Prozent weniger schwer verletzte Menschen. Evers widersprach der Darstellung, der CDU-geführte Senat habe Radwege zurückgebaut. Krach sprach sich für ein Tempolimit von zehn Stundenkilometern vor Schulen aus: „Sicherheit muss immer vor Schnelligkeit gehen.“
Einigkeit herrschte kurz vor der Berlin-Wahl bei der zentralen Baustellenkoordinierung: Alle sechs Kandidaten bejahten die Frage nach mehr Daten und Personal. Beim Thema Drogenkriminalität plädierte Graf für Drogenkonsumräume: „Es hilft uns ja nichts, wenn wir nur die Konsumenten von einem Park in den nächsten vertreiben.“ Evers mahnte, die Vermüllung öffentlicher Räume anzugehen: „Die Stadt wieder in Ordnung zu bringen“ sei ein zentrales Thema der kommenden Legislaturperiode.
Keine Antwort auf Koalitionsfrage bei TV-Duell vor Berlin-Wahl
Laut aktuellen Umfragen kommen CDU und Linke gleichermaßen auf rund 20 Prozent, gefolgt von AfD, Grünen und SPD. Eine Zweier-Koalition erscheint rechnerisch ausgeschlossen, wahrscheinlich sind Dreierbündnisse. Evers schloss eine Zusammenarbeit mit „Radikalen, egal aus welcher politischen Richtung“ kategorisch aus. Eralp erklärte, mit der CDU gebe es „keine Schnittmengen“. Graf bekannte sich offen zu einem rot-grün-roten Bündnis: „Für Berlin wäre es super, eine progressive Regierung zu haben.“ Krach hielt sich bedeckt: „Das schauen wir dann am Sonntagabend.“ (Quellen: dpa, AFP, Welt, Bild, n-tv) (fbu)