„So kann Integration nicht gelingen“: SPD-Staatsministerin warnt vor Kollaps wegen Bundeshaushalt
„So kann Integration nicht gelingen“: SPD-Staatsministerin warnt vor Klingbeils Haushaltsplan
Stand: 11.07.2026, 10:21 Uhr
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Der Bundeshaushalt 2027 sieht massive Kürzungen bei Integrationskursen vor. Staatsministerin Pawlik warnt: Das belaste künftig die Sozialsysteme massiv.
Berlin – Ein Bundeshaushalt ist immer auch ein Blick in die mögliche Zukunft. Auf welchen Weg schickt die Bundesregierung das Land? Für 2027 ist nach dem Haushaltsentwurf von SPD-Finanzminister Lars Klingbeil klar: mehr Geld für Verteidigung und Sicherheit, während beim Sozialen deutlich gespart wird. Große Einschnitte gibt es auch beim Thema Integration. Das kann gefährlich werden, warnt Staatsministerin Natalie Pawlik (SPD) im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Dass wir angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen, einen Bundeshaushalt hinbekommen haben, der auf Wachstumsimpulse setzt, zeigt die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung“, so die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlingen und Integration. Aber: „Ich sehe, dass wir das Thema Integrationspolitik mehr und mehr aus dem Blick verlieren. Ein großer Fehler, denn wir brauchen mehr Fachkräfte und gelingende Integration auch als grundlegenden Faktor für die Wirtschaftsleistung in unserem Land.“
Haushalt von Dobrindt: weniger Geld für Integration
So soll es im Haushalt von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt künftig für Integrationskurse nur noch 600 Millionen Euro geben, statt wie bisher rund eine Milliarde. „Das sehe ich sehr kritisch“, so Pawlik. „Denn wir müssen Integration als essentiell für das Wachstum, den Wohlstand und den Zusammenhalt in unserem Land betrachten. Wenn wir an der Integration sparen, kostet uns das langfristig viel mehr.“ In den Kursen lernen Zugewanderte die deutsche Sprache und erhalten Grundwissen über die deutsche Gesellschaft.
Deutschland befinde sich in einem internationalen Wettbewerb um Fachkräfte. „Und die Attraktivität unseres Landes für Menschen aus dem Ausland sinkt, wie jüngst eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gezeigt hat“, so Pawlik. „Ein zentraler Grund, warum Menschen uns wieder verlassen, ist, dass sie sich nicht willkommen fühlen. Viele Menschen fühlen sich diskriminiert, als nicht gleichberechtigt oder erleben rassistische Übergriffe.“ Dazu kämen ein Übermaß an Bürokratie, hohe Lebenshaltungskosten und kaum bezahlbarer Wohnraum – Faktoren, die Menschen dazu brächten, Deutschland wieder zu verlassen.
Die Folgen der finanziellen Einschnitte im Integrationssektor seien dramatisch: „Viele Träger, die derzeit im Integrationskursbereich tätig sind, denken darüber nach, aufzuhören, weil sie die Arbeit schlicht nicht mehr finanzieren können. Zahlreiche Menschen, die zu uns kommen, haben keinen Zugang mehr zum Spracherwerb und brauchen so viel länger, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Echte Integration kann so nicht gelingen“, sagt Pawlik. „Die beste Integrationspolitik ist gute Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik. Wenn wir da keine Verbesserungen schaffen, sondern im Gegenteil sogar noch sparen, ist das fatal.“
Derweil berichten Lehrerinnen und Lehrer von zunehmendem Analphabetismus, gerade unter Kindern mit Migrationshintergrund. Auch Pawlik beobachtet: „Es gibt immer mehr Kinder, die kaum lesen können und die deutsche Sprache nicht beherrschen. Das wirkt sich auf die gesamte schulische Laufbahn und das spätere Leben aus. Wenn immer mehr Menschen Schulen ohne gute Deutschkenntnisse oder gar ohne Schulabschluss verlassen, belastet das in der Folge auch die Sozialsysteme.“ Deshalb sei die Sprachförderung in der Kita und über die gesamte schulische Laufbahn elementar. „Da darf nicht gekürzt werden“, so die SPD-Politikerin. (Quellen: Gespräch mit Staatsministerin Natalie Pawlik, eigene Recherchen)