Australien: „Gehen jetzt angeln“ – Social-Media-Verbot überrascht
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Jugendliche sind wütend, Eltern atmen auf (endlich kann man sagen: „Du darfst das nicht!“), Digitalkonzerne weisen die Verantwortung von sich: Das ist die Lage, seit das Verbot von Social-Media-Plattformen für unter 16-Jährige in Australien gilt. Im Dezember 2025 trat es in Kraft, hat für Wirbel und Nachahmer gesorgt und wird kontinuierlich nachgeschärft. Auch in Deutschland mehren sich Stimmen, die eine Altersbegrenzung für Tiktok, Instagram und Co. einführen wollen, darunter auch Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Dabei zeigt das Beispiel aus Canberra: Eine Zahl zu definieren, löst noch lange kein Problem.

Die freie Korrespondentin Barbara Barkhausen berichtet seit 25 Jahren unter anderem für diese Redaktion aus Australien. Im Videogespräch beantwortete sie jüngst Fragen der Leser dieser Zeitung und gewährte Einblicke in die australische Praxis. „Die Untersuchungen sind klar: Soziale Medien können großen Schaden bei Jugendlichen anrichten. Plattformen machen süchtig. Und ich glaube, das merken wir als Erwachsene auch“, sagte Barkhausen. Deshalb gehe es vor allem darum, das Design der Plattformen zu verändern, kein Endlos-Scrollen mehr zuzulassen – auch wenn Konzerne wie Meta sich gegen eine solche Sorgfaltspflicht sträuben.
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Australien: Altersgrenze für Social Media wird umgangen
Gerade für Kinder und Jugendliche lauerten weitere große Gefahren. Ein deutscher Digital-Experte in Australien beobachte das dortige Experiment genau und habe mehrere Selbstversuche vorgenommen. „Er hat mit einem komplett neuen Profil zwei Likes auf rassistischen, rechtsradikalen Nachrichten gesetzt – kurz nach dem schrecklichen Terroranschlag am Bondi Beach“, erzählte Barkhausen. „Plötzlich wurde er überschwemmt mit rassistischen, mit antisemitischen, mit rechtsradikalen und gewaltverherrlichenden Nachrichten.“ Was für Erwachsene unangenehm ist, könnte Kinder traumatisieren und zu einer Radikalisierung beitragen.
Die Altersgrenze wird in Australien derzeit erfolgreich umgangen: Mit falschen Bärten, Make-up und ausgeliehenen Ausweisen tricksen die Jugendlichen die Gesichtskontrollen der Plattformen aus. „Laut einer Studie sind 81,5 Prozent der Jugendlichen immer noch auf sozialen Medien“, berichtete Barbara Barkhausen. Gleichzeitig seien aber fünf Millionen Konten gelöscht oder gesperrt worden.
Australien: Schulleiter berichtet von neuem Verhalten seiner Schüler
„Die Anfänge sind schwierig, die sind holprig. Aber ich glaube, die Australier lassen sich nicht so schnell abschrecken“, so die Korrespondentin. Es gebe eine breite, überparteiliche Unterstützung für das Verbot. Eltern seien froh, jetzt mit einem Gesetz begründen zu können, weshalb unter 16-Jährige kein Snapchat nutzen dürfen.
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Gesellschaftlich, sagt Barkhausen, hat sich schon jetzt etwas verändert: „Es könnte Zufall sein, aber seit Weihnachten sehe ich hier lauter 13- bis 15-jährige Jungen, die immer nachmittags und am Wochenende angeln gehen.“ Ein Schulleiter habe ihr berichtet, dass die Jugendlichen länger auf dem Schulhof blieben oder sich auf einen Milkshake verabredeten.
Das vollständige Videogespräch finden Sie in Kürze auf den Portalen der FUNKE Mediengruppe.