„Noch nie eine derart unfähige Führung erlebt“: Republikaner fordern Aus für Trumps Kriegsminister Hegseth
Sogar Republikaner fordern jetzt den Rücktritt von Trumps Kriegsminister Hegseth
Stand: 03.09.2026, 13:21 Uhr
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Republikaner fordern Hegseths Ablösung, Heeresminister Driscoll trat zurück: Das Pentagon steckt in der tiefsten Führungskrise seit Jahren.
Washington, DC – US-Verteidigungsminister Pete Hegseth steht wegen seiner Führung des Pentagon zunehmend unter Druck. Senator Thom Tillis, ein Republikaner aus North Carolina und ehemaliges Mitglied des Streitkräfteausschusses des Senats, forderte Trump öffentlich auf, nach dem Rücktritt von Heeresminister Dan Driscoll einen neuen Pentagon-Chef zu finden. „Ich fordere den Präsidenten auf, eine neue Führungspersönlichkeit im Pentagon zu finden, die unsere militärischen Talente hält und stärkt, statt sie zu schwächen“, schrieb Tillis am Mittwoch (2. September) auf X.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Tillis lobte Driscoll als „den richtigen Mann zum richtigen Zeitpunkt“ und sagte, er habe bei den Bemühungen zur Modernisierung der Armee eine führende Rolle gespielt, insbesondere da sich die Kriegsführung an Orten wie der Ukraine und dem Iran weiterentwickle. Zugleich kritisierte er Hegseth scharf und erklärte, der Verteidigungsminister schaffe „ein Führungsvakuum an der Spitze unserer militärischen Befehlskette“. „Ich habe noch nie eine derart unfähige Führung der tapferen Männer und Frauen erlebt, die unserem Land dienen“, sagte Tillis und warf Hegseth vor, er lasse sich von Kompetenz einschüchtern und konzentriere sich eher auf Kulturkampfthemen als auf die nationale Verteidigung.

Der republikanische Abgeordnete Don Bacon aus Nebraska stimmte Tillis zu. Im Gespräch mit CNN am Mittwochabend sagte Bacon: „Ich sage dem Präsidenten nur ungern, wen er einstellen oder entlassen soll … er wäre nicht in meinem Team. Ich finde, er ist in vielerlei Hinsicht kein besonders guter Anführer gewesen.“ Er habe Hegseth von Anfang an für „problematisch“ gehalten.
US-Verteidigungsminister Hegseth vor dem Aus: Republikaner fordern Führungswechsel
Das Pentagon lehnte eine Stellungnahme ab, als es von Newsweek kontaktiert wurde. Demokraten fordern seit Monaten die Entlassung Hegseths, doch die Kritik hat sich inzwischen auch auf Republikaner ausgeweitet, die seine Führung des Pentagons infrage stellen. „Ich habe genug von all dem Hin und Her“, sagte der republikanische Abgeordnete Mike Rogers, Vorsitzender des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, am Dienstag vor Reportern. „Ich will dort drüben endlich Stabilität sehen.“
„Der Heeresminister ist weg. Der Generalstabschef ist weg. Die Person, die für den Posten nominiert ist, ist nur kommissarisch im Amt, und wir wissen nicht, ob sie bestätigt wird“, sagte Rogers gegenüber MS NOW. Der republikanische Abgeordnete Dusty Johnson schloss sich an und erklärte, er habe den Eindruck, dass es bei den ranghohen Offizieren zu viel Fluktuation gegeben habe. Unterdessen sagte der republikanische Senator Mike Rounds vor Reportern, man habe einige „sehr gute Generäle“ verloren, die weithin respektiert gewesen seien. Er habe gehört, Driscoll sei „frustriert gewesen, weil einige seiner ranghöchsten Generäle entlassen wurden“.
Mehrere demokratische Abgeordnete haben zudem explizit dazu aufgerufen, Hegseth des Amtes zu entheben. Diese Äußerungen erfolgten, nachdem die Demokraten im Repräsentantenhaus Anfang dieses Jahres ein formelles Amtsenthebungsverfahren gegen Hegseth eingeleitet hatten.
Sechs Anklagepunkte: Demokraten leiteten bereits Amtsenthebungsverfahren gegen Hegseth ein
Am 15. April 2026 brachte die Abgeordnete Yassamin Ansari, Demokratin aus Arizona, die Resolution H.Res. 1177 ein, mit dem Titel „Impeaching Peter B. Hegseth, Secretary of Defense of the United States, for high crimes and misdemeanors“. Die Resolution wurde von 13 weiteren Demokraten im Repräsentantenhaus mitunterzeichnet und an den Justizausschuss des Repräsentantenhauses überwiesen, wo sie sich weiterhin befindet. Die Resolution umfasst sechs Anklagepunkte, darunter den Vorwurf, Hegseth habe einen nicht autorisierten Krieg gegen den Iran geführt und US-Soldaten rücksichtslos gefährdet.
Er habe gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen, sensible militärische Informationen fahrlässig gehandhabt, die parlamentarische Kontrolle behindert, seine Macht missbraucht und die Streitkräfte politisiert sowie sich in einer Weise verhalten, die das Ansehen des Militärs beschädige. Es handelt sich um eine Impeachment-Resolution, die zunächst das Repräsentantenhaus passieren müsste, bevor der Senat einen Prozess abhalten könnte.
Das Repräsentantenhaus muss die Anklagepunkte annehmen, und eine Verurteilung im Senat erfordert eine Zweidrittelmehrheit. Für Hegseth könnte sich deshalb ein anderer Umstand als politisch folgenreicher erweisen: das Aufkommen einer kritischen Gegenstimmung innerhalb von Trumps eigener Partei. Während das formelle Amtsenthebungsverfahren politisch aufwendig und unsicher bleibt, signalisiert der öffentliche Widerspruch von Republikanern wie Tillis eine potenziell gefährlichere Erosion der parteiinternen Unterstützung.
Wie hoch sind die Chancen auf Hegseths Abgang?
Prognosemärkte sehen derzeit nur eine relativ geringe Wahrscheinlichkeit, dass Hegseth zeitnah ausscheidet, doch die Chancen steigen deutlich im Verlauf des Jahres. Der aktuelle Markt von Kalshi beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass Hegseth sein Amt als Verteidigungsminister vor dem 1. Oktober verliert, auf etwa 9 Prozent und auf 19 Prozent vor dem 1. November. Bis zum 1. Dezember steigt diese Wahrscheinlichkeit auf etwas über 30 Prozent.
Früher im Jahr hatte Kalshi berichtet, Händler hätten die Wahrscheinlichkeit, dass Hegseth die Trump-Regierung im Laufe des Jahres 2026 verlasse, im Zuge anderer Kontroversen zeitweise auf bis zu 42 Prozent geschätzt, auch wenn sich diese Quoten anschließend wieder veränderten. Prognosemärkte bilden zwar nur Erwartungen und keine Gewissheiten ab, doch der Trend deutet auf wachsende Zweifel an der langfristigen Amtszeit Hegseths hin. Gleichwohl spiegeln die aktuellen Werte wider, dass ein Verbleib im Amt aus Sicht der Marktteilnehmer nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario ist.
Große Fluktuation im Pentagon: Heeresminister Dan Driscoll tritt zurück
Driscoll nannte öffentlich keine detaillierten Gründe für seinen Rücktritt. Sein Ausscheiden folgt auf monatelange erhebliche Fluktuation unter den ranghohen militärischen Führern. Die Umstände haben Spekulationen ausgelöst, ob Meinungsverschiedenheiten mit Hegseth eine Rolle gespielt haben könnten. Doch das Weiße Haus und das Pentagon stellen die personellen Veränderungen in der Regierung weiterhin als Teil ihrer Bemühungen dar, das Militär umzugestalten und sicherzustellen, dass die obersten Führungskräfte die Prioritäten der Regierung teilen.
Kritiker, darunter auch aus den Reihen der Republikaner, argumentieren, dass das Ausmaß der Fluktuation das institutionelle Wissen in einer Zeit untergrabe, in der die Vereinigten Staaten mit erheblichen militärischen Herausforderungen konfrontiert seien. Mehrere Beobachter warnen, dass ständige Neubesetzungen die Planbarkeit von Führungswechseln erschweren, das Vertrauen in die Befehlskette schwächen und die Fähigkeit des Pentagons beeinträchtigen könnten, langfristige strategische Projekte konsequent umzusetzen.
Hegseth und Driscoll gerieten wegen Personalentscheidungen aneinander
Das Verhältnis zwischen Hegseth und Driscoll hatte sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert, wobei die Meinungsverschiedenheiten Berichten zufolge vorwiegend Fragen der militärischen Führung, der Modernisierung der Armee und der Absetzung oder Beförderung ranghoher Offiziere betrafen. Ein zentraler Streitpunkt war Hegseths Entscheidung im April, Heeresstabschef General Randy George, einen engen Vertrauten Driscolls, zu entlassen.
In einer Anhörung vor dem Kongress sagte Driscoll: „Es gibt niemanden, der mehr Respekt für General George und seine 42 Dienstjahre hat. Er war ein erstaunlicher, transformativer Anführer.“ Driscoll soll zudem mit Hegseths Umgang mit den Transformationsplänen der Armee unzufrieden gewesen sein, die einen stärkeren Fokus auf Drohnen, unbemannte Systeme und eine schnellere Waffenbeschaffung legten. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte CBS News, Driscoll habe gegenüber der Trump-Regierung Bedenken geäußert, dass Hegseth Generäle verdränge, die für diese Transformationsbemühungen verantwortlich gewesen seien.
Die Personalstreitigkeiten gingen über George hinaus. Berichten zufolge blockierte oder hinterfragte Hegseth die Beförderungen mehrerer ranghoher Heeresoffiziere, die Driscolls Unterstützung genossen. Eine Quelle bezeichnete die Auswirkungen als „Schaden von Generationen“ für die Armee. Es gab auch Spannungen über Driscolls eigene Rolle innerhalb der Regierung.
Laut Berichten des Wall Street Journal wurde Hegseth früh in der Trump-Regierung wütend, als Driscoll vorschlug, einen Besuch des Vizepräsidenten JD Vance bei Heeresangehörigen zu organisieren. Hegseth habe Driscoll daraufhin sinngemäß aufgefordert, „in seiner Spur zu bleiben“, berichtete Forbes. Die Beziehung schien sich weiter zu verschlechtern, je mehr ranghohe Militärs ihre Posten verließen.
Mehrere hochrangige Generäle und Mitarbeiter mussten gehen
Trotz der Berichte über Reibungen griff Driscoll Hegseth öffentlich nicht an. Nach Bekanntgabe seines Rücktritts dankte er dem Verteidigungsminister für dessen Unterstützung. Auch das Weiße Haus lobte Driscoll und erklärte, er habe dazu beigetragen, die Agenda von Präsident Donald Trump voranzubringen und den Schwerpunkt wieder auf „Einsatzbereitschaft und Schlagkraft“ zu legen. Hegseth hat seit seinem Amtsantritt eine weitreichende Umgestaltung der Führungsspitze des Pentagon vorgenommen: Bis zum 2. September sind mindestens 20 Generäle, Admiräle und zivile Verteidigungsbeamte entlassen worden oder ausgeschieden.
Einige der wichtigsten Entlassungen umfassen: 1. Charles Q. Brown Jr. – Vorsitzender der Joint Chiefs: Trump entfernte Brown im Februar 2025 abrupt aus dem Amt, rund 16 Monate nach Beginn seiner vierjährigen Amtszeit. Brown war erst der zweite schwarze Offizier, der als Vorsitzender der Joint Chiefs diente, und Hegseth sagte, Brown sei ein ehrenhafter Offizier, aber „nicht der richtige Mann für diesen Moment“.
Die Absetzung von Lisa Franchetti war historisch, da sie als erste Frau im Generalstab diente und als erste Frau Chefin der Marineoperationen wurde. Sie gehörte zu den ranghohen Offizieren, deren Entlassung Hegseth im Februar 2025 ankündigte. Luftwaffenchef David Allvin kündigte 2025 seinen Ruhestand an, lange bevor seine vierjährige Amtszeit abgelaufen war. Heereschef Randy George wurde im April zum Rücktritt aufgefordert. Auch Christopher Donahue, ein hochdekorierter Kampfoffizier, der das Einsatzkommando Delta Force geführt und eine wichtige Rolle bei Operationen gegen den IS gespielt hatte, musste gehen. Sein Ausscheiden erfolgte, nachdem Hegseth Bemühungen zur Verlängerung seiner Dienstzeit blockiert hatte, berichtete die Washington Post.