Sonnenlicht aus dem All: Dieses US-Start-up will die Nacht abschaffen – und erntet massive Kritik


Stand: 29.09.2026, 07:30 Uhr

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Ein US-Start-up will Sonnenlicht aus dem All auf die Erde lenken. Für Baustellen und Solaranlagen klingt das verlockend. Auch weit außerhalb des Zielgebiets könnte der Nachthimmel heller werden.

Hawthorne – Das US-Unternehmen Reflect Orbital will Sonnenlicht mit einem Satellitenspiegel auf die nächtliche Erde lenken. Die US-Kommunikationsbehörde Federal Communications Commission (FCC) hat Reflect Orbital die Genehmigung für den einzelnen Testsatelliten Eärendil-1 erteilt.

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Das Unternehmen stellt Licht für Solaranlagen, Baustellen und Rettungseinsätze in Aussicht. Ob daraus ein nutzbarer Dienst wird, ist offen. Forschende warnen zugleich, dass ein Lichtstrahl auch den Himmel außerhalb seines Zielgebiets aufhellen könnte. Damit wird aus einer technischen Idee eine Frage für alle, die die Dunkelheit mitnutzen.

Früher war die Nacht eine Grenze. Man konnte ein Feuer entzünden, später eine Gaslaterne, schließlich ganze Städte elektrisch beleuchten. Jeder Schritt machte das Leben sicherer und Arbeit länger möglich. Jeder verschob aber auch die Grenze dessen, was als natürliche Dunkelheit übrig blieb.

Ein US-Start-up will Sonnenlicht aus dem All auf die Erde lenken (Symbolbild).

Ein US-Start-up will Sonnenlicht aus dem All auf die Erde lenken (Symbolbild). © picture alliance/dpa | Soeren Stache

Nun will das US-Unternehmen Reflect Orbital den nächsten Schritt gehen: Sonnenlicht von einem Spiegel im All gezielt auf die Erde werfen. Der erste Satellit heißt Eärendil-1. Sein Spiegel soll aufgefaltet 18 mal 18 Meter messen und in etwa 600 bis 650 Kilometern Höhe kreisen.

Reflect Orbital nennt Solaranlagen, abgelegene Einsatzorte und Arbeiten nach Sonnenuntergang als mögliche Anwendungen. Auch die Idee, Beleuchtung auf Abruf bereitzustellen, gehört zum Geschäftsmodell. Die US-Behörde FCC hat den Betrieb dieses einen Testsatelliten genehmigt. Ob daraus ein verlässlicher Dienst wird, ist offen. 

Ein alter Traum kehrt zurück

Ganz neu ist der Gedanke nicht. 1993 schickte Russland mit Znamya 2 einen Spiegel ins All. Für wenige Minuten zog reflektiertes Sonnenlicht über Europa. Das Experiment zeigte, dass die Idee physikalisch möglich ist. Es zeigte noch nicht, dass sich damit Städte oder Kraftwerke sinnvoll versorgen lassen. Reflect Orbital versucht nun, aus dem alten Raumfahrtversuch einen buchbaren Dienst zu machen. 

Der historische Vergleich reicht weiter zurück. Die elektrische Straßenbeleuchtung galt einst als Sieg über Gefahr und Stillstand. Heute erforschen wir ihre Nebenwirkungen: Licht verändert die Orientierung von Tieren und den Rhythmus von Ökosystemen. Die Lehre daraus ist nicht, auf Beleuchtung zu verzichten. Sie lautet, ihren Nutzen und ihre Folgen zusammen zu betrachten.

Licht trifft mehr als sein Ziel

Reflect Orbital wirbt damit, seine Strahlen gezielt einzusetzen. Forschende bezweifeln, dass ihre Wirkung auf den bestellten Ort begrenzt bleibt. Eine Modellstudie von Miroslav Kocifaj, Gáspár Bakos und František Kundracik berechnet für einen geplanten größeren Spiegel, dass sein Licht den Nachthimmel noch in rund 30 Kilometern Entfernung verändern könnte.

Die Berechnung gilt für angenommene Bedingungen; sie misst keinen bereits eingesetzten Reflect-Satelliten. Das sind Modellrechnungen, keine Messungen eines eingesetzten Reflect-Satelliten. Die American Astronomical Society warnt, dass der Satellit astronomische Beobachtungen beeinträchtigen könnte. Ihre Einwände richten sich gegen das Vorhaben bereits beim ersten Testsatelliten.

Hier bekommt der Fortschritt eine ungewohnte Form. Eine beleuchtete Baustelle hat einen Auftraggeber und einen erkennbaren Nutzen. Der aufgehellte Himmel darüber gehört auch den Nachbarn, den Tieren und den Sternwarten. Wer den Lichtstrahl bestellt, entscheidet damit womöglich über etwas, das weit über sein Grundstück hinausreicht.

Wem gehört die Dunkelheit?

Reflect Orbital denkt langfristig an eine Flotte von bis zu 50.000 Spiegeln. Die Genehmigung für Eärendil-1 ist keine Genehmigung für diese Flotte. Gerade deshalb ist der einzelne Satellit ein wichtiger Test: Er kann zeigen, wie gut sich das Licht steuern lässt, wie viel davon tatsächlich am Boden ankommt und welche Wirkungen außerhalb des Zielgebiets auftreten. 

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Die Frage ist größer als ein Start-up. Seit Jahrhunderten erweitern Menschen den Tag, weil sie nachts arbeiten, reisen und einander helfen wollen. Reflect Orbital verspricht, dafür sogar die Sonne zurückzuholen. Bevor daraus ein Geschäft mit Licht auf Abruf wird, sollte die Forschung eine ebenso einfache Frage beantworten: Wie viel Nacht müssen wir dafür aufgeben?

Was ist genehmigt – und was ist geplant?

Genehmigt: ein Testsatellit namens Eärendil-1.

Quellen: Reflect Orbital, US-Behörde FCC, NASA Science, American Astronomical Society