SpaceX-Crash: Der historisch größte Börsengang wird zur Milliardenfalle
Stand: 20.07.2026, 14:00 Uhr
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Der historisch größte Börsengang wird zum Desaster. SpaceX verliert eine Billion Dollar an Wert, während Leerverkäufer Milliarden verdienen. Starinvestor Grantham prophezeit den Kollaps.
New York – Der größte Börsengang aller Zeiten entpuppt sich als Falle. SpaceX sammelte im Juni 75 Milliarden Dollar ein, die Aktie schoss von 135 auf über 200 Dollar. Kurzzeitig überholte Musks Raumfahrtkonzern sogar Amazon und wurde zum fünftwertvollsten Unternehmen der Welt.
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Doch dann kam der Absturz: Eine Billion Dollar Marktkapitalisierung löste sich in Luft auf. Die Aktie rutschte unter den Ausgabepreis. Leerverkäufer, die von Anfang an gegen das Papier wetteten, sitzen nun auf Buchgewinnen von fünf Milliarden Dollar.

192 Millionen SpaceX-Aktien wurden leerverkauft, das entspricht 30 Prozent des gesamten Streubesitzes. Der nominale Wert dieser Short-Positionen explodierte von 4,5 Milliarden Dollar Mitte Juni auf jetzt 25 Milliarden Dollar. Matthew Unterman von S3 Partners bestätigt: Pessimistische Investoren verdoppeln ihre Wetten gegen Musk.
Die Volatilität bleibt extrem. Peter Hillerberg von Ortex spricht von einer Achterbahnfahrt, die sich klar zugunsten der Bären entwickelt habe. Von einem Buchverlust von 677 Millionen Dollar schwankten die Positionen binnen Wochen zu einem Gewinn von 8,7 Milliarden Dollar.
Grantham: Das verrückteste IPO der Geschichte
Value-Legende Jeremy Grantham nennt den SpaceX-Börsengang das verrückteste IPO in der Geschichte der Menschheit. Seine Analyse ist vernichtend: Die aktuelle Bewertung von 1,64 Billionen Dollar sei nur unter extrem optimistischen Prognosen zu rechtfertigen.
Es wäre „erstaunlich, wenn sie nicht kollabiert, denn sie würde derart massive Fortschritte in der KI-Entwicklung benötigen, dass unser gesamtes Leben völlig anders aussehen müsste“, erklärt Grantham gegenüber dem Morningstar mit Blick auf die SpaceX-Aktie.
Das Unternehmen stecke tief in den roten Zahlen. Im vergangenen Geschäftsjahr fuhr SpaceX bei 18,67 Milliarden Dollar Umsatz einen Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar ein. Im ersten Quartal 2026 belief sich der Verlust bereits auf 4,25 Milliarden Dollar bei nur 4,7 Milliarden Dollar Umsatz.
Die Rechnung geht nicht auf
Grantham seziert die Bewertungslogik: Ein erheblicher Teil der Annahmen aus dem Börsenprospekt beruhe auf zukünftigen KI-Entwicklungen. Doch das KI-Angebot von SpaceX sei derzeit drittklassig und werde von Anthropic und OpenAI regelrecht deklassiert.
Die im Prospekt skizzierten Raumfahrtvorhaben – KI-Rechenzentren im All, Marskolonisation, Asteroidenbergbau – würden von den meisten ernsthaften Physikern als völlig undenkbar angesehen.
Dennoch räumt der Starinvestor ein: Kurzfristig könnte die Aktie noch steigen. Institutionelle Anleger und Indexfonds seien nach der NASDAQ-100-Aufnahme gezwungen zu kaufen, während das Angebot an frei handelbaren Aktien begrenzt bleibe.
Crash-Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent
Langfristig erwartet Grantham mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit den Kollaps. Entweder erweise sich die Bewertung als unbegründet und die Aktie korrigiere massiv. Oder die enormen KI-Erwartungen würden erfüllt – dann stünde die Gesellschaft vor tiefgreifenden Veränderungen, die weit über wirtschaftliche Fragen hinausgingen.
Seine düstere Prognose: Wenn der Preis gerechtfertigt sei, lebten wir in einer seltsamen Welt, in der uns Automaten herumkommandierten. Dieses Szenario bezeichnete er angesichts fast chronisch fehlender KI-Kontrollen als geradezu erschreckend.
Wall Street bleibt optimistisch
Die Analystenzunft sieht das anders. 29 Ratings ergeben laut Finanzen ein durchschnittliches Kursziel von 243,81 Dollar – 96 Prozent Aufwärtspotenzial vom aktuellen Kurs von 123,99 Dollar. Die Spanne reicht von 115 bis 800 Dollar.
Wells Fargo, Citigroup, Deutsche Bank, Morgan Stanley, Goldman Sachs, UBS und JPMorgan vergaben Buy-Ratings. Goldman-Analyst Eric Sheridan schätzt die Chancen doppelt so hoch ein wie die Risiken, da die adressierten Märkte Weltraum, Kommunikation und KI massives Wachstumspotenzial besäßen. Grantham kontert: Nur eins von hundert Projekten verwandle Bullshit tatsächlich in echtes Geld.
Business Punk Check
Die SpaceX-Story entlarvt das gefährlichste Spiel an den Kapitalmärkten: die Verwechslung von Vision und Realität. Eine Bewertung von 1,64 Billionen Dollar bei 4,94 Milliarden Dollar Jahresverlust ist keine mutige Wette auf die Zukunft – es ist kollektiver Wahnsinn. Grantham hat recht: Entweder kollabiert die Aktie oder wir leben bald in einer dystopischen KI-Welt.
Beides keine attraktiven Optionen. Die Wahrheit hinter dem Hype: SpaceX verbrennt Geld schneller als jede Rakete. Das KI-Angebot ist drittklassig, die Raumfahrtprojekte sind physikalisch fragwürdig. Trotzdem vergeben Goldman Sachs, Morgan Stanley und Co. Buy-Ratings mit Kurszielen bis 800 Dollar.
Diese Analysten bewerten nicht Geschäftsmodelle, sondern Träume. Für Early Adopters gilt: Wer jetzt einsteigt, spekuliert auf den Greater Fool – jemanden, der noch mehr bezahlt. Das funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert. Die eigentliche Lektion: Musks Fähigkeit, Narrative in Kapital zu verwandeln, ist einzigartig.
Doch selbst er kann die Gesetze der Physik und Betriebswirtschaft nicht außer Kraft setzen. Investoren sollten sich fragen: Wollen sie in ein Unternehmen investieren oder in eine Persönlichkeit? Die Antwort entscheidet über Millionengewinne oder totalen Verlust.