Speicherkrise: Micron dämpft Hoffnung auf billigeren RAM


Micron hat am 30. September die Zahlen für das vierte Quartal seines Geschäftsjahres 2026 vorgelegt und mit 54,23 Milliarden US-Dollar erneut einen Rekordumsatz gemeldet. Wer beim Kauf von Arbeitsspeicher oder einer SSD auf ein Ende des KI-Booms und die dadurch fallende Preise wartet, sollte den Ausblick des US-Konzerns kennen.

Micron hatte schon zum dritten Quartal kein Ende der RAM-Krise in Aussicht gestellt, Konkurrent SK Hynix rechnet inzwischen mit einem Engpass bis Ende 2030. Neu ist, dass Micron für die Zeit nach dem Boom der KI-Rechenzentren jetzt erstmals den nächsten Nachfragetreiber für DRAM und NAND benennt.

Der enorme prognostizierte Speicherbedarf stammt allerdings aus einem anderen Segment, und der Zeitplan ist unsicherer als Microns kurzfristige Prognose.

Humanoide Roboter: Parallelen zum autonomen Fahren

Micron hat in den vorbereiteten Ausführungen ("Prepared Remarks") zur Telefonkonferenz humanoide Roboter erstmals mit einem konkreten Speicherbedarf verknüpft. Die Rechnung beginnt beim autonomen Fahren: Fahrzeuge ab Level 4 kommen laut Micron typischerweise auf mehr als 200 GiB DRAM sowie SSD-Speicher im Bereich mehrerer TB. Für humanoide Roboter erwartet der Hersteller einen vergleichbaren Bedarf.

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Bildquelle: Micron Technology

Bis zum Ende des Jahrzehnts könne Physical AI, also KI in Robotern und autonomen Fahrzeugen, zu einem bedeutenden Treiber der Nachfrage nach DRAM und NAND werden. Mehrere Kunden aus diesem Bereich testen bereits die Muster aus der kommenden Generation.

Laut der offiziellen Pressemitteilung hat Micron die Bemusterung von LPDDR6 aus der 1-Gamma-Fertigung ("1γ") für diesen Markt bereits gestartet. In verkürzter Form machte die Aussage über den Marktstrategen Shay Boloor auf X die Runde:

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Ein gut ausgestatteter Gaming-PC kommt heute mit 32 GiB RAM aus. Ein einzelner Roboter nach Microns Rechnung entspricht damit dem Arbeitsspeicher von gut sechs Gaming-PCs. Eine Million humanoider Roboter würde rein rechnerisch mindestens 200 Millionen GiB DRAM binden, so viel wie in 6,25 Millionen solcher Rechner steckt.

KI-Roboter: Morgan Stanley erwartet Durchbruch in den 2030ern

Morgan Stanley rechnet bis 2050 mit mehr als einer Milliarde humanoider Roboter im Einsatz, rund 930 Millionen davon in Industrie und Gewerbe. Gemeint ist der Bestand laut Prognose der US-Bank, nicht die Zahl jährlicher Auslieferungen, wie sie derzeit in mehreren Berichten zu Microns Aussagen auftaucht.

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Bildquelle: Micron Technology

Bis Mitte der 2030er-Jahre erwarten die Analysten nur eine langsame Verbreitung, erst danach soll der Markt Fahrt aufnehmen. Microns Zeitrahmen bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte daher vor allem vom autonomen Fahren getragen werden.

Auf die Speicherpreise der nächsten zwei Jahre hat die Nachfrage aus der Robotik damit praktisch keinen Einfluss. Der kurzfristige Taktgeber bleibt das Rechenzentrum. Für Micron erfüllt der Roboter eine andere Aufgabe: Er beantwortet die Frage von Investoren, wer den Speicher kaufen soll, falls die KI-Ausgaben der Hyperscaler einmal abflachen.

Micron erwartet neue Reinraumflächen erst Ende 2028

Micron hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 75 Prozent seiner Produktion für das Geschäftsjahr 2027 vertraglich vergeben. Mit 26 mehrjährigen Lieferverträgen deckt der Hersteller mehr als 35 Prozent seines erwarteten Umsatzes bis 2030 ab. Einige Kunden fragen bereits nach Liefergarantien für die Zeit danach.

Angebot und Nachfrage sollen laut Micron 2027 und 2028 "deutlich angespannter" sein als 2026. Wann sich der Markt wieder ausgleicht, kann der Hersteller nach eigener Aussage nicht absehen. Ein Großteil der steigenden Investitionen fließt in neue Reinraumflächen, die ab Ende 2028 bereitstehen sollen.

Im abgelaufenen Quartal stiegen Microns Verkaufspreise für DRAM gegenüber dem Vorquartal um knapp 20 Prozent, bei NAND um rund 30 Prozent. Für Käufer ist vor allem der Reinraum-Termin entscheidend: Bevor neue Flächen produzieren, entsteht kein Überangebot, das die Preise nennenswert drücken könnte.

DDR5 in Deutschland: PC-Speicher ist für Micron kein Restposten mehr

Das Kingston Fury Beast mit 32 GiB DDR5-6000 CL30 kostete im PCGH-Preisvergleich am 31. August ab 549 Euro. Mitte September 2025 lag dasselbe Kit noch bei 114 Euro. Damit hat die Speicherkrise 20 Jahre Preisverfall beim Arbeitsspeicher aufgezehrt.

Wie lukrativ PC- und Smartphone-Speicher für Micron geworden ist, zeigen die Segmentzahlen: Die Sparte Mobile and Client erzielte im vierten Quartal eine Bruttomarge von 90 Prozent.

Das sind sieben Prozentpunkte mehr als im Cloud-Geschäft, zu dem auch HBM ("High Bandwidth Memory") für KI-Beschleuniger zählt. Eine Preissenkung für PC-Speicher müsste sich gegen diese Margen erst einmal rechnen.

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Quelle: Micron Technology