Ein Leben im Rollstuhl-Bus: Schwerbehinderter Mann aus Niedersachsen braucht Ersatz – Spendenkampagne läuft
Spontan unterwegs sein – für Kai (38) bleibt das kaum möglich
Stand: 21.08.2026, 19:07 Uhr
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Kai Pawlikowski ist im Alltag auf einen Rollstuhl-Bus angewiesen. Doch der alte Wagen ist unzuverlässig und Ersatz teuer. Seit 2021 fehlt laut Familie eine wichtige Hilfe.
Hoya – Ein sonniger Samstag, der Himmel ist blau, warum nicht einfach mal zum Shoppen in die nächste Stadt fahren? Einfach ins Auto setzen und los geht’s – nicht für Kai Pawlikowski. Spontan zum Bummeln fahren oder essen gehen ist für den 38-jährigen Hoyaer im Rollstuhl nicht möglich. Die Fahrt zum Weserpark? Der Spezialfahrdienst hat erst in zwei Wochen den frühesten freien Termin.
Bisher hatte die Familie noch einen Ford Transit, der speziell für Kais Bedürfnisse umgebaut wurde, doch dieser ist in die Jahre gekommen und nicht mehr zuverlässig. Es muss ein neuer her, doch der Kauf ist teuer.
Speziallift aus- und wieder einbauen
Zudem muss der Speziallift aus dem alten in einen neuen Bus eingebaut werden. Ohne Unterstützung wird das alles für Familie Pawlikowski schwierig. Deshalb haben sie eine Spendenkampagne auf der Internetseite „GoFundMe“ gestartet: „Spendenaufruf Hilfe für Kai! Neuer (gebrauchter) Rolli-Bus!“
Kai hat bereits seit seiner Geburt eine Schwerbehinderung. Seine Arme und Beine sind gelähmt, weshalb er für praktisch jede Alltagshandlung Hilfe benötigt.

Anziehen, Duschen, Essen – bei alldem benötigt er Unterstützung. Diese bekommt er von seinen Eltern Uwe und Conny Pawlikowski, bei denen er auch wohnt. „Geistig ist er fit. Er weiß auch genau, was er will“, erzählt seine Mutter. Kai feiert gerne mit Freunden und Familie und ist unterwegs.
„Er ist ein witziger Kerl“, fügt Claudia Ohlmeyer-Wehrt hinzu. Sie ist eine enge Freundin der Familie und unterstützt gelegentlich bei Kais Betreuung. Obwohl er rund um die Uhr versorgt werden muss, hat Kai Hobbys wie jeder andere 38-Jährige auch. So ist er etwa großer Fan von Werder Bremen, Rammstein und der Ballermann-Sängerin Mia Julia.
Da fahren wir mit ihm hin, damit er mal ein bisschen was anderes sehen kann.
Die Mobilität, die ein eigener Rollstuhl-Bus mit sich bringt, sei schwer für die Familie aufzuwiegen. Da Kai einen besonders großen Spezialrollstuhl benötigt, kann er keine gewöhnlichen Rollstuhl-Taxis, meist ausgebaute Caddys, in Anspruch nehmen.
Bisher gab es Unterstützung für etwa Reparaturen und Umbau des Familienbusses von der Eingliederungshilfe, doch seit einer Gesetzesänderung 2021 nicht mehr, sagt Vater Uwe. Hilfe gäbe es jetzt nur, wenn er mit dem Auto zur Arbeit fahren würde.
Doch für seinen Job bei der Lebenshilfe in Nienburg wird er durch einen von der Lebenshilfe organisierten Fahrdienst abgeholt und nach der Arbeit wieder nach Hause gebracht. Für alles andere sei der Familie gesagt worden, dass sie öffentliche Verkehrsmittel nutzen könnten.
Ärger mit defekten Fahrstühlen
„Wir waren mal auf dem Bremer Bahnhof und wollten den Lastenaufzug nehmen. Der war kaputt. Dann sind wir wieder nach Hause gefahren. Wir konnten nicht vom Bahnsteig herunterkommen“, erinnert sich Kais Vater zurück. Sollte die Familie länger verreisen wollen, müsste sie ebenfalls unter anderem Kais Krankenbett und sein Sauerstoffgerät mittransportieren. „Das sollen wir alles mit im Zug schleppen? Wie soll das gehen?“, fragt seine Mutter.
Um ihrem Sohn etwas mehr Abwechslung zu bieten, haben die Eltern ein großes Fahrrad gekauft und einen Spezialanhänger bauen lassen. Kais Rollstuhl passt genau auf den Anhänger.
„Das ist natürlich für meinen Mann sehr schwer, das Fahrrad zu fahren. Wenn er mal 30 Kilometer gefahren ist, dann ist er hinterher fix und fertig“, erzählt Conny Pawlikowski. Und es gebe auch klare Einschränkungen: Die Weserbrücke komme Vater mit Sohn etwa nicht hoch und auch die Bürgersteige seien zu hoch für das Gespann. Ebenso bräuchten Fahrrad und Anhänger sehr viel Platz, um sicher um Kurven zu fahren.
„Also, wir fahren hier nur die Wallachei, wo es wirklich gut geht. Da fahren wir mit ihm, damit er mal ein bisschen was anderes sehen kann“, sagt Mutter Conny. Für längere oder Besorgungsfahrten sei das nicht geeignet.
Ein gebrauchter Bus, der für die nächsten paar Jahre halten würde, koste etwa 20.000 Euro, schätzt Uwe Pawlikowski. Dazu komme der Umbau des bereits vorhandenen Rollstuhl-Lifts.
„Das kostet, glaube ich, auch nochmal zweieinhalbtausend Euro.“ Viel Geld, das die Familie nicht herumliegen hat. Über den Spendenaufruf wünschen sie sich für Kai die Möglichkeit, sein Leben aktiver und vor allem auch spontaner gestalten zu können. Ohne langes Warten auf einen Spezialfahrdienst.