"Olympische Spiele könnten Deutschland wieder in eine positive Stimmung bringen"
Interview Sport-Staatsminister Ronald Rauhe
“Olympische Spiele könnten Deutschland wieder in eine positive Stimmung bringen”
Ronald Rauhe ist seit wenigen Tagen neuer Staatsminister für Ehrenamt und Sport. "Der Sport hat mir unheimlich viel gegeben, jetzt will ich etwas zurückgeben", sagte Rauhe: "Es liegen große Aufgaben vor uns. Sport und Ehrenamt können unser Land stärker machen, dafür werden ich arbeiten."
Am 26. September entscheidet sich, mit welcher Stadt sich Deutschland für die Olympischen Spiele bewirbt. Im Interview mit rbb|24 spricht Rauhe darüber, welche Hoffnungen er mit Olympischen Spielen in Deutschland verbindet, wie er den deutschen Spitzensport wieder voranbringen will und warum er das Ehrenamt als wichtigste Basis ansieht.
rbb|24: Herr Rauhe, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Job als Staatssportminister und dem damit verbundenen ersten Auftritt im Deutschen Bundestag. Wie war’s denn?
Ronald Rauhe: Das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Es erfüllt mich mit großer
Ehrfurcht und Demut, am Rednerpult stehen zu dürfen, aber vor allem für mein Land Verantwortung zu übernehmen. Es war ein besonderer Moment, der ähnlich an einen Olympiasieg herankommt.
Zur Person
Der zweimalige Kanu-Olympiasieger Ronny Rauhe ist neuer Staatsminister für Ehrenamt und Sport. Der 44-Jährige, der in West-Berlin geboren wurde und für den KC Potsdam startete, beendete nach den Olympischen Spielen von Tokio 2021 seine erfolgreiche Karriere. Der Potsdamer wurde zweimal Olympiasieger: im Kajak-Zweier 2004 und im Vierer 2021. Er wurde 16 Mal Weltmeister und engagierte sich auch über sein Karriereende hinaus.
Nach seiner Karriere widmete sich der Sportsoldat sowohl der Weiterentwicklung der Rennkanus gemeinsam mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) als auch den Interessen der Sportler. Seit 2023 ist er Mitglied in der Athletenkommission des Europäischen Olympischen Komitees.
rbb|24: Es ist ja ein sehr ungewohnter Job für Sie, eine neue Herausforderung. Sie haben ja schon mehrere Reden in Ihrem Leben gehalten, aber wie bereitet man sich auf eine im Deutschen Bundestag vor?
Rauhe: Ich glaube, ich hatte gar nicht so viel Vorbereitung nötig, denn ich konnte über das reden, was mir schon immer am Herzen liegt. Daher fällt es mir recht leicht, über den Sport zu sprechen. Natürlich gibt es gerade neue Situationen für mich. Ich lerne die Dynamik im Bundestag kennen, die nicht immer so positiv und wertschätzend ist, wie ich es mir wünschen würde. Ich muss ehrlich sagen: Das hat mich heute schon irritiert. Aber auch das wird man lernen und ein dickes Fell bekommen. Das werde ich mir antrainieren. Es geht darum, positive Botschaften zu senden. Das kann ich in der Regel ganz gut und darauf freue ich mich am meisten.
rbb|24: Sie waren als aktiver Sportler überaus erfolgreich, haben nach Ihrer Karriere ein Buch geschrieben und Reden gehalten. Dazu haben Sie sich dem Sport im Ehrenamt verschrieben. Warum haben Sie sich nun für diese Position entschieden? Wie leicht oder schwerfiel die Entscheidung?
Rauhe: Es stand tatsächlich nicht auf meiner Agenda. Ich muss gestehen, dass es eine schwere Entscheidung war. Ich hatte ursprünglich eine ganz andere Lebensplanung. Aber es war aus meinem Herzen heraus schon immer etwas Wertvolles, Ehrenämter zu unterstützen, selbst ein Ehrenamt auszuführen. Ich kenne die Bedürfnisse des Sports vom Inneren heraus und bin sehr dankbar, was der Sport meinem Leben gegeben hat. Ich habe es nach meiner Karriere ganz bewusst wahrgenommen, dass der Sport mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin. Ich habe nun die Möglichkeit, etwas zurückzugeben und mich in die Gesellschaft einzubringen.
rbb|24: Sie haben in Ihrer heutigen Rede drei wichtige Ziele definiert. Der erste Punkt war sogleich, die Olympischen Sommerspiele nach Deutschland zu holen. Warum ist das so wichtig für Deutschland?
Rauhe: Ich durfte zum Glück sechs Olympische Spiele als Sportler erleben. Mir hat das immer viel gegeben, zu sehen, was Olympische Spiele in die jeweiligen Länder und Städte bringen. Ich glaube, diese Spiele könnten Deutschland wieder in eine positive Stimmung bringen. Es kann uns viel geben, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und sich am Ende gegenseitig zu gratulieren, wenn es gelingt. Das haben wir dringend nötig. Es würde unserer Gesellschaft einen Sinn geben, etwas zusammen anzupacken. Daher bin ich davon überzeugt – neben Effekten wie Wertevermittlung und Infrastrukturprojekte - dass es ein Katalysator für viele Dinge, die unsere Gesellschaft betreffen, wäre. Ich war schon immer ein Fan von Olympischen Spielen und werde aus Leidenschaft heraus vorantreiben, wo ich nur kann.
rbb|24: Kritiker aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen sagen, dass Olympia vor allem dem IOC Geld einbringe, aber für das jeweilige Land ein Minusgeschäft wäre. Was entgegnen Sie diesen Aussagen?
Rauhe: Ich finde es sehr wichtig, hinzuhören. Ich verstehe diese Ängste. Allerdings muss man den Gedanken weiterführen und genauer hinschauen. Das IOC hat eine neue Charta zur Veranstaltung von Olympischen Spielen herausgebracht. Es ist ein neues Konzept, um die Stadt mehr in den Fokus zu rücken und nachhaltige Spiele zu errichten. So soll nachhaltig etwas in den Städten bleiben, das ist nicht zuletzt ein erheblicher Geldbetrag vom IOC. Rein für die Organisation und Ausrichtung der Spiele trägt der IOC die Kosten fast alleine. Alles, was man darüber hinaus macht – beispielsweise infrastrukturell – kostet sicherlich Geld. Aber das ist nichts, was man in Zahlen aufwerten sollte. Es sind viele Werte, die uns als Gesellschaft wieder näher zusammenbringen. Daher sind Spiele für mich fast unbezahlbar.
rbb|24: Am 26. September fällt die Entscheidung, mit welcher Stadt sich Deutschland für die Olympischen Spiele bewirbt. Die waren ja Botschafter der Berliner Bewerbung, müssen nun aber neutral sein. Wie gehen Sie damit um?
Rauhe: Natürlich habe ich mich als Berliner für meine Stadt engagiert, habe aber auch schon immer betont, dass es mir am allerwichtigsten ist, die Spiele nach Deutschland zu holen. Das könnte den deutschen Sport wieder nach oben katapultieren und uns zusammenschweißen. Ich werde mich jetzt etwas neutraler verhalten und im Entscheidungsprozess zurücknehmen, um diesen aufgrund von Vorurteilen gar nicht erst zu gefährden. An dem 26. werde ich dann freudestrahlend mit dem Bewerber vorangehen. Es ist eine deutsche Bewerbung. Wir haben drei wunderbare, tragbare Konzepte.
rbb|24: Ihr zweites Ziel ist es, den deutschen Sport im internationalen Vergleich wieder nach vorne zu bringen, auch im olympischen Medaillenspiegel wieder Sprünge zu machen. Wie kann das gelingen? Wie müssen die ersten Schritte aussehen?
Rauhe: Ich muss erst einmal betonen: Ich komme gerade aus der Haushaltsdebatte. Es war etwas Neues für mich, tiefer in die Zahlen einzutauchen. Es positiv zu betonen, dass wir den Sport mit 360 Millionen Euro auf ein neues Rekordniveau gehoben. Hinzu kommen 27 Millionen Euro für das Ehrenamt. Damit kann man viel machen. Wir haben schon unter meiner Vorgängerin Christiane Schenderlein große Schritte in Richtung Spitze gemacht, zumindest die Rahmenbedingungen dafür geschafft. Wir werden die Sportagentur mit Leben fühlen. Dadurch sind wir in der Lage, den Sport besser zu unterstützen und auch eigenständiger handeln zu lassen. Ich will aber genau hinschauen, wo die Gelder hingehen und wo wir effektiver werden können. Da haben wir noch viel Potenzial.
rbb|24: Wo sehen Sie konkrete Baustellen?
Rauhe: Eine der größten Stellschrauben, an denen wir drehen können, ist die Athleten- und Trainerförderung. Darauf wird ein großer Fokus liegen, nur so kann man konkurrenzfähig sein.
rbb|24: Ziel Nummer drei ist, das Ehrenamt zu stärken. Der Etat ist kleiner, aber das Thema liegt Ihnen besonders am Herzen.
Rauhe: Ich komme selbst aus einem kleinen Verein, wurde von Ehrenamtlern trainiert. Niemand überspringt diesen Schritt und wird direkt Leistungssportler. Genau diese Instanz brauchen wir sehr dringend. Wir müssen dem Ehrenamt mehr Wertschätzung entgegenbringen, denn es ist die Basis für Leistungssport.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Jörg Klawitter. Es handelt sich um eine redigierte und gekürzte Fassung.
Sendung: rbb|24, 09.09.2026, 20:41 Uhr
Video: rbb24 Der Tag, 09.09.2026, Jörg Klawitter
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