Steigende Staatsverschuldung bringt gewaltige Zinskosten mit sich
Staatsschulden steigen rasant – und bringen gewaltige Zinskosten mit sich
Stand: 09.09.2026, 13:53 Uhr
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Die steigenden Staatsschulden in Deutschland werden teuer für den deutschen Steuerzahler, denn sie bringen auch sehr hohe Zinskosten mit sich. Das ist ein Problem für den Bundeshaushalt.
Berlin – Ganze 58 Milliarden Euro zusätzliche Zinsbelastung erwarten Deutschland durch die steigenden Zinsen in den kommenden fünf Jahren. Das hat der Ökonom Friedrich Heinemann in einer Simulationsrechnung für die FAZ ermittelt. In der Simulation wurde angenommen, dass die Zinssätze auf dem heutigen Niveau verbleiben. Für den Fall, dass sie jedoch um weitere 100 Basispunkte steigen würden, könnte die Zinslast bis zum Jahr 2031 um weitere 71 Milliarden Euro steigen.

Verliert Deutschland sein AAA-Rating?
Wie Heinemann gegenüber der FAZ weiter ausführte, komme Deutschland damit wieder in eine Phase steigender Zinslasten, die zuletzt in den 1980er und 1990er Jahren zu verkraften war. Im Gegensatz zu den damaligen Szenarien könne Deutschland diesmal jedoch nicht mehr aus dieser Zinsbelastung hinauswachsen. Als Grund führt Heinemann an, dass Deutschland mit seiner alternden Bevölkerung praktisch keine Potentialwachstumsrate mehr aufweist und auch das Produktivitätswachstum zu schwach sei, um über ein gesundes Wirtschaftswachstum die Schulden- und Zinslast besser tragen zu können. Die vergangenen Jahre waren von Stagnation, Rezession und minimalem Wachstum gekennzeichnet.
Da Deutschland aus der Schuldenlast nicht mehr herauswachsen kann, wird die Bundesregierung Ausgaben kürzen müssen, nach Einschätzung von Heinemann. Für den Fall, dass dies nicht passiere, riskiere Deutschland den Verlust seines AAA-Ratings an den Finanzmärkten. Das AAA-Rating ist jedoch für Investoren, die einem Staat Geld leihen, eine wichtige Kennziffer. Das Top-Rating signalisiert den Investoren eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls. Deutschland kann sich durch sein Top-Rating dadurch recht günstig Geld an den Kapitalmärkten beschaffen, wie die Tagesschau ausführte.
Wird Deutschland ein Viertel seiner Steuereinnahmen für Zinszahlungen ausgeben müssen?
Das AAA-Rating für Deutschland wurde zuletzt von verschiedenen Ratingagenturen bestätigt. Allerdings erwarten die Rating-Agentur Scope und auch das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) einen Anstieg der Schuldenquote von 63,5 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung im Jahr 2025 auf über 70 Prozent in den kommenden Jahren. Grund hierfür seien die kreditfinanzierten zusätzlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung. IMK-Forscher Klaus Seipp führte dazu aus, dass dies bei einer unveränderten Steuerpolitik dazu führen würde, dass ein Viertel der Steuereinnahmen für Zinszahlungen aufgewendet werden müsste.
Staatsanleihen werden für Deutschland teuer. Infolge der höheren Inflationserwartungen stieg die Rendite für zehnjährige Anleihen auf 3,4 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 15 Jahren, wie die Tagesschau berichtete. Um die steigende Zinslast stemmen zu können, werden Ausgaben an anderer Stelle gekürzt werden müssen, wie der Wirtschaftsweise Achim Truger gegenüber der ARD-Finanzredaktion ausführte. Die Bundesregierung plant in ihrem Haushaltsentwurf 2027 bereits 41,9 Milliarden Euro für Zinsausgaben ein. In einer Prognose bis zum Jahr 2030 könnten die Zinsausgaben dann sogar bis zu 80 Milliarden Euro betragen. Die Zinslast lag im Jahr 2025 noch bei 29,9 Milliarden Euro. (Quellen: FAZ, Tagesschau, IMK, ARD) (sts)