Stand der Inklusion in Potsdam: Alltägliche Hürden und unnötiger Aufwand


Mehr als 25.000 Menschen mit Behinderung leben in Potsdam, rund 15.000 davon sind schwerbehindert. Über den aktuellen Stand der Inklusion hat Potsdams Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Tina Denninger, nun ihren Bericht den Stadtverordneten vorgestellt. „Es geht darum, wie eine Stadt aussehen muss, an der alle teilhaben können“, so Denninger. Der Wert eines Menschen dürfe nicht anhand seiner Leistungsfähigkeit bemessen werden.

15.000

Menschen in Potsdam sind schwerbehindert

Teilhabe scheitere jedoch in Potsdam häufig an alltäglichen Barrieren, heißt es im Bericht. Wenn Aufzüge in Bahnhöfen, Einkaufszentren oder Wohnhäusern ausfielen, sei der barrierefreie Zugang nicht mehr gewährleistet – und Ersatzlösungen oft nicht vorhanden. Auch mangele an barrierefreiem Wohnraum.

Besonders deutlich werden die strukturellen Probleme bei Kindern mit Behinderung und ihren Familien. Schule, Eingliederungshilfe, Assistenz, Betreuung, Gesundheitsversorgung und Jugendhilfe griffen noch nicht zuverlässig ineinander. Die Schülerbeförderung sei für rund 400 Kinder und Jugendliche organisiert, berücksichtige nach Einschätzung des Berichts aber nicht immer die tatsächlichen Lebenslagen der Familien.

Zusätzlicher Aufwand für Familien

So werde beispielsweise, führte Denninger vor den Stadtverordneten aus, bei getrennten Eltern im Wechselmodell nur die Schulbeförderung für einen Elternteil übernommen. Das bürde den Familien zusätzlichen Aufwand auf. Lange Fahrzeiten, fehlende Begleitung und starre Regelungen erschwerten die Verbindung von Schule, Hort, Ferien- und Anschlussbetreuung. Die Stadt wolle deshalb Entscheidungskriterien, Qualitätsstandards und Beschwerdeverfahren überprüfen.

Auch für die Gruppe der gehörlosen und schwerhörigen Personen benennt der Bericht Hindernisse, unter anderem in der Kommunikation mit der Verwaltung und anderen Behörden. So werde teilweise ausschließlich eine Telefonnummer als Kontaktweg angegeben. Es brauche verlässliche schriftliche Möglichkeiten, um mit den öffentlichen Stellen zu kommunizieren, fordert Denninger.

Die Beauftragte weist in ihrem Bericht auch auf unsichtbare Behinderungen hin. Psychische und chronische Erkrankungen sowie Formen von Neurodivergenz würden oft übersehen. Eine Veranstaltungsreihe habe sich mit Barrieren für diese Gruppe befasst – mit konkreten Ergebnissen, wie der Bericht betont. So biete die Planung für den Campus am Brauhausberg die Möglichkeit, „Anforderungen neurodivergenter und reizsensibler Menschen von Beginn an zu berücksichtigen“.

Denninger sieht auch darüber hinaus wichtige Fortschritte bei der Inklusion in Potsdam. So wurde im Juli 2026 der fortgeschriebene Lokale Teilhabeplan mit 83 überprüfbaren Maßnahmen beschlossen. Der Plan sei verbindlicher, konkreter und professioneller, schreibt die Beauftragte. Diesen Plan gelte es nun umzusetzen.

Auch der Beirat für Menschen mit Behinderung arbeite enger mit der Verwaltung zusammen. Positive Entwicklungen gebe es zudem auf dem Arbeitsmarkt. Das Netzwerk „Arbeit inklusiv“ spreche gezielt Unternehmen an, organisiere Begegnungen und schaffe Zugänge zu Praktika, Ausbildung und Außenarbeitsplätzen. Die Stadt habe ein Inklusionsmanagement aufgebaut und wolle Menschen mit Behinderung stärker in Ausbildung und Beschäftigung einbeziehen.

Doch auch wenn sich bereits einiges bewegt habe, appellierte Denninger an die Stadtverordneten, Inklusion als Querschnittsthema zu begreifen. Es gelte, das Thema bei allen anderen Bereichen mitzudenken.