„Zivilcourage gegen extrem Rechte“: Bonhoeffer-Großneffe greift nach AfD-Kranz und erhält Unterstützung


Stand: 21.07.2026, 13:57 Uhr

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Ein Kranz der AfD sorgt für Tumulte beim Stauffenberg-Gedenken. Nun schaltet sich der Leiter der Buchenwald-Gedenkstätte ein.

Berlin – Der Theologe Dietrich Bonhoeffer war Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er wurde am 5. April 1943 festgenommen und 1945 auf ausdrücklichen Hitler-Befehl als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Stauffenberg-Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht wurden, im KZ Flossenbürg hingerichtet. Nun sorgte sein Großneffe Tobias Korenke für Schlagzeilen, weil er am Stauffenberg-Gedenktag einen Kranz der AfD-Bundestagsfraktion zu entfernen versuchte. 

Nationaler Gedenktag an den Widerstand

In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand kommt es zu einem Handgemenge, als Tobias Korenke (Mitte), Großneffe Dietrich Bonhoeffers, versucht, einen Kranz der AfD zu entfernen. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die AfD wird in vielen Bundesländern vom Verfassungsschutz als „erwiesen rechtsextremistisch“ eingestuft, im Gesamten wird gerne die Formulierung „in Teilen rechtsextrem“ bemüht. Doch sei in diesem Zusammenhang an den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke erinnert, der in einer Rede 2017 eine „180-Grad-Wende der deutschen Erinnerungskultur“ herbeiwünschte und vom Holocaust-Denkmal als „Denkmal der Schande“ sprach. Erinnert sei auch an den AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland, der bezogen auf die Naziherrschaft von einem „Vogelschiss in der Geschichte“ sprach.

Großneffe von NS-Wiederstandskämpfer will AfD-Kranz bei Stauffenberg-Gedenken entfernen

Insofern kann man es als Provokation auffassen, wenn Vertreter dieser Partei einen Kranz bei einem Widerstandsgedenken im Bendler Block in Berlin niederlegen. Tobias Korenke, Großneffe von Dietrich Bonhoeffer, empfand es exakt so und protestierte gegen den von der AfD niedergelegten Kranz. Als er versuchte, das Gebinde zu entfernen, und der Aufforderung nicht nachgekommen ist, es wieder niederzulegen, sei er des Gedenkortes „verwiesen worden“. Dies erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald gibt ihm recht und wirft der AfD eine Instrumentalisierung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus vor. „Aus den Reihen der AfD wird der Widerstand vom 20. Juli 1944 wie überhaupt der Widerstand gegen den Nationalsozialismus seit Jahren notorisch instrumentalisiert“, betonte Jens-Christian Wagner gegenüber der Rheinischen Post am Dienstag.

Diese Instrumentalisierung erfolgt Wagner zufolge, „indem suggeriert wird, man befände sich heute wie Stauffenberg, die Geschwister Scholl oder andere im Widerstand gegen wahlweise das angebliche Corona-, das Merkel-, das Ampel- oder das Merz-Regime“. Zudem würden von AfD-Politikerinnen und -Politikern „ständig geschichtsrevisionistische und holocaustverharmlosende oder sogar NS-verherrlichende Positionen“ verbreitet. 

„Dass Vertreter einer Partei, die derartige Positionen vertritt, bei der Gedenkveranstaltung für die Widerständler des 20. Juli 1944 einen Kranz niederlegen, ist ein Affront gegen die Würde der Opfer der NS-Verbrechen“, sagte Wagner weiter. „Für das Vorgehen von Tobias Korenke habe ich deshalb vollstes Verständnis, mehr noch: Er hat dafür einen Preis für Zivilcourage gegen Geschichtsrevisionismus und extrem Rechte verdient.“ 

AfD-Kranzniederlegungen verletzen „Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands“

Geäußert hat sich auch die Stiftung 20. Juli 1944. Beim Evangelischen Pressedienst (epd) stellte sie sich gegen eine politische Vereinnahmung des Gedenkens und formulierte, dass die Gedenkfeier im Berliner Bendlerblock „ausschließlich dem würdigen Erinnern an die Opfer und den Widerstand“ diene. Wie die Stiftung laut epd am Montagabend weiter mitteilte, sei sie „kein Ort für parteipolitische Inszenierungen oder politische Auseinandersetzungen“.

Weiter heißt es in der zitierten Stellungnahme, dass die jährlichen AfD-Kranzniederlegungen „viele Angehörige der Frauen und Männer des Widerstands zutiefst“ verletzten: „Die Stiftung 20. Juli 1944 versteht diese Empörung.“ Wofür die AfD stehe, „steht im Widerspruch zu den Überzeugungen“, für die die Menschen im Widerstand gegen das NS-Regime eingetreten sind – und für die viele ihr Leben verloren haben. (Quellen: dpa, epd, AFP, eigene Recherche) (ktho)