Stilbruch bei Klassik-Festspielen: Weltbekannter DJ tritt auf – überraschende Reaktion des Publikums


Stand: 05.08.2026, 14:15 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele hat DJ Alle Farben das weltberühmte Festspielhaus in eine Partylocation verwandelt.

Bayreuth – Elektronische Musik statt Opernklang, ausgelassenes Tanzen statt andächtiger Stille: Das Bayreuther Festspielhaus hat am Sonntagabend eine Premiere der ganz anderen Art erlebt. Zum 150. Jubiläum der weltbekannten Festspiele verwandelte sich das ehrwürdige Haus in eine Partylocation – mit DJ Alle Farben hinter dem Pult und 1.700 feiernden Gästen.

Katharina Wagner: Neue Zielgruppen für die Festspiele gewinnen

Hinter der ungewöhnlichen Veranstaltung steckt eine klare Strategie. Festivalleiterin Katharina Wagner erklärte, man habe darüber nachgedacht, wie man Menschen ansprechen könne, „die uns normalerweise nicht besuchen“. Die Party entstand in Kooperation mit der Bayreuther Eventlokation „Die Fabrik“. Den eigens engagierten DJ lobte Wagner als „hochmusikalisch“ – und zeigte sich sichtlich erfreut über den großen Andrang.

Nie zuvor gab es das im Bayreuther Festspielhaus: DJ Alle Farben legte zum 150. Jubiläum auf – und ließ Wagner auf seine ganz eigene Art aufleben.

Nie zuvor gab es das im Bayreuther Festspielhaus: DJ Alle Farben legte zum 150. Jubiläum auf – und ließ Wagner auf seine ganz eigene Art aufleben. © picture alliance/dpa | Pia Bayer

Bevor der Künstler überhaupt auflegen durfte, musste die Richard-Wagner-Stiftung ihr Einverständnis geben. Denn im Festspielhaus sind offiziell nur zehn ausgewählte Werke Richard Wagners zugelassen.

DJ Alle Farben: „Ich darf heute etwas Neues machen“

DJ Alle Farben, bürgerlicher Name Frans Zimmer, zeigte sich der Besonderheit des Abends durchaus bewusst. An diesem Ort sei seit 150 Jahren stets Wagner gespielt worden, „und ich darf heute etwas Neues machen“, sagte er. Sein Set habe er dem Ort angepasst – und tatsächlich: Etwa zur Hälfte seines Auftritts war das unverkennbare Motiv des Walkürenritts herauszuhören, modern eingebettet in schnelle Beats.

Zimmer hatte im Vorfeld mit kritischen Reaktionen gerechnet. Es werde sicher Leute geben, die sagen, „das geht hier nicht“. Doch er betonte: Es sei wichtig, dass man sich gerade an solchen Orten öffne. „Die Kunst muss sich entwickeln.“

Blick auf leere Ränge – Bühne als Tanzfläche

Das Publikum ließ sich nicht lange bitten und war sofort begeistert, als Zimmer sein Set startete. Die Hauptbühne war nach hinten geöffnet und diente als Tanzfläche – von dort aus hatten die Feiernden einen freien Blick auf die Ränge, wo sonst Wagners Werke wie „Parsifal“ oder „Der Ring des Nibelungen“ in ehrfurchtsvoller Atmosphäre aufgenommen werden.

Der musikalische Stilbruch fügt sich dabei in ein Jubiläumsprogramm, das insgesamt auf Erneuerung setzt. Erstmals überhaupt wird in diesem Jahr Wagners Frühwerk „Rienzi“ im Festspielhaus aufgeführt. Zudem wird ein „Ring des Nibelungen“ mit KI-generierten Bilderwelten gezeigt – ein weiterer Bruch mit der Tradition. Das Festival läuft noch bis zum 26. August. (Quelle: dpa), (fhz)