Nach Krawallen in Frankreich jetzt auch Straßenkämpfe in Spanien: Wer steckt hinter den Unruhen?
Straßenkämpfer in Spanien: Schlagen Chaoten nach Unruhen in Barcelona wieder zu?
Stand: 27.10.2026, 13:02 Uhr
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Die gewalttätigen Ausbrüche bei Protesten in Frankreich finden in Spanien Nachahmer. Chaoten plünderten in Barcelona 23 Geschäfte. Wer steckt dahinter?
Barcelona/Bilbao – Ausgebrannte Autos, in Brand gesteckte Container, geplünderte Geschäfte: Die Straßenkämpferszene feiert in Spanien ein Comeback. Mit dem Nachbarn Frankreich als Vorbild und im Aufwind der Neuwahlen am 29. November organisieren sich Chaoten über soziale Netzwerke und verbreiten Angst und Schrecken in Spanien. Am 31. Oktober ruft das Netzwerk „Blocus“ erneut zu Straßenschlachten in Madrid und Barcelona auf. Derweil rätseln Politik und Polizei, wer sich hinter diesem Namen verbirgt.
Samstagnacht in Barcelona erwischten rund 500 der Demonstranten die katalanische Polizei auf kaltem Fuß. Die Mossos d’Esquadra wussten von einer Demonstration, doch sie rechneten mit ein paar linken Weltverbesserern, mit Sprechgesängen für funktionierende Schulen, Plakaten und schlimmstenfalls einigen tieffliegenden Eiern. Aber sie trafen stattdessen auf 500 größtenteils vermummte, schwarz gekleidete Gestalten mit Bengalos in Rucksäcken, die direkt und gezielt Geschäfte im Zentrum der Metropole im Nordosten Spaniens stürmten. Die Horde zerstörte und plünderte 23 Geschäfte, schlug Einrichtungen kurz und klein und wehrte sich vier Stunden gegen die Einsatzkräfte. 14 Polizisten erlitten mitunter schwere Verletzungen. Niemand in Barcelona hatte mit Straßenkämpfen, so wie sie zuletzt in Frankreich passiert sind, gerechnet.
Straßenkämpfe in Spanien: Über 70 Verhaftete in Barcelona sind Jugendliche, einige unter 14
Unter den 130 Verhafteten in Spanien haben 74 und damit über die Hälfte noch nicht das 18. Lebensjahr erreicht, einige sind gerademal 14 Jahre alt. 25 Festgenommene hatten Vorstrafen wegen Raubes, nur zwei wegen Störung der öffentlichen Ordnung. „Das sind keine Jugendstreiche mehr. Diese Unruhen werden Konsequenzen haben“, sagte Barcelonas Bürgermeister Jaume Collboni. Die katalanische Landesregierung und das Rathaus Barcelona wollen die Rechnung für die Begleichung der Schäden deren Eltern zukommen lassen, sollten die Verhafteten nicht selbst dafür geradestehen.
Darum dreht sich die öffentliche Diskussion in Spanien nicht. Man fragt sich etwas perplex, woher diese neue Art der Gewalt kommt oder wer Wut und Frust der jungen Leute für seine Interessen steuern könnte. Die gewalttätige Kundgebung in Barcelona dürfte weniger spontan oder Ausdruck jugendlicher Wut gewesen sein, als sie wirken sollte. Für ein besseres Bildungssystem wollte wohl kaum jemand eintreten. Dieses Motiv jedenfalls sehen die Ermittler nicht. Einige Jugendliche hielten geraubte Gegenstände wie Trophäen in die Überwachungskameras der Geschäfte. In den Tagen waren auf TikTok Aufrufe zu den Kundgebungen in Barcelona unter dem Namen „Blocus“ aufgetaucht. Der Name steht für „Blockade“ und kommt aus der Protestszene in Frankreich. Man hielt die Teilnehmer bereits an, in schwarzer Straßenkämpfer-Kluft und mit Bengalos zu demonstrieren. Ermittler schließen nicht aus, dass Aufrufe aus dem Ausland stammen und Teil einer hybriden Kriegsführung sind. Man weiß es aber bisher nicht.
Straßenkämpfe in Spanien: Unruhen und Krawalle in Frankreich als Vorbild für die Verbreitung von Chaos
Ästhetik und Attitüde der jüngsten Krawalle in Spanien orientieren sich sehr stark am Chaos in Paris und in anderen französischen Städten und ähnliche Aufrufe unter anderen Namen zirkulieren auch in Deutschland, Belgien, Italien oder in den Niederlanden. Diese Plakate kommen mit einem QR-Code und verschaffen direkten Zugang zu WhatsApp-Gruppen. Auch in Telegram verbreiten sich die Aufrufe in Windeseile. Die Vandalen scheinen nicht organisiert zu sein, die Drahtzieher dahinter womöglich schon.
Experten in Spanien rechnen damit, dass es zum 31. Oktober zu weiteren ähnlichen Unruhen in Madrid, im Baskenland, in Asturien und anderen Orten kommen könnte, wo kleine Chaotengruppen bereits Strukturen haben. Montagnacht kam es zu ähnlichen Unruhen in Bilbao. Diesmal entlud sich die Gewalt wegen eines Auftritts des rechtsradikalen Krawall-Journalisten Vito Quiles in der Uni Bilbao, der abgesagt wurde. 19 junge Personen landeten in Polizeigewahrsam.

Kurz vor den Neuwahlen blüht die Protestkultur in Spanien auf. Die Lehrer, Rentner, ganz Ceuta und die Wohnungssuchenden machen auf ihre Anliegen aufmerksam und Gewerkschaften rufen am 11. November zum Generalstreik auf. Spanien steht seit Wochen wegen - bislang friedlicher - Demos in den Schlagzeilen.
Erst jetzt kommen in Spanien Krawalle dazu. Kurz vor der Wahl geben die Linken den Rechten und die Rechten den Linken die Schuld dafür. Der Ermittlungsstand lässt noch keine klare Schuldzuweisung zu. Unruhen dieser Art verstärken den Eindruck von politischer Instabilität und mangelnder Sicherheit. In diese Kerbe schlug die Volkspartei PP bereits bei dem Migrantensturm auf die spanische Exklave Ceuta. PP-Chef Alberto Núñez Feijóo reist am Mittwoch, 28. Oktober, nach Barcelona, um den betroffenen Geschäftsleuten beizustehen. Die Konservativen machen die extreme Linke und die Passivität der Regierung für das Chaos verantwortlich. „Unser Präsident fordert am Morgen Frieden in der Welt und kann am Abend in seinem eigenen Land nicht dafür sorgen“, posaunte PP-Sprecher Miguel Tellado. Derweil wähnt die ehemalige Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, rechtsextreme Kräfte hinter den Gewaltausbrüchen. Die Spitzenkandidatin des Linksbündnisses Frente Amplio unterstellt der konservativen PP und der Rechtspartei Vox, diese Gewaltbereitschaft mit ihrem Konfliktkurs zu nähren.