Streit im Thüringer BSW um den Umgang mit der AfD
AUDIO: BSW-Streit um Umgang mit AfD (1 Min)
Nach Brief an AfD
"Politisches Harakiri" - scharfe Kritik vom BSW Thüringen am Bundeskurs, aber auch Zustimmung
Stand: 18.07.2026 05:18 Uhr
Im Thüringer BSW sorgt ein Brief des Bundesvorstands, der der AfD gemeinsame Wahlkampfauftritte anbietet, für scharfe Kritik und Spaltung. Vertreter wie Stefan Wogawa und Steffen Schütz lehnen die Annäherung an die AfD ab und fordern mehr Sachpolitik und ein klares Programm. Gleichzeitig gibt es Mitglieder, die den Bundeskurs und die Debatte begrüßen.
von MDR THÜRINGEN
Auch im Thüringer BSW gibt es Streit um den Umgang mit der AfD. Anlass ist ein Schreiben des Bundesvorstands vor zwei Wochen, in dem der AfD unter anderem gemeinsame Wahlkampfauftritte angeboten werden. Das Schreiben stößt bei Teilen des Thüringer BSW auf scharfe Kritik.
Brief ist ein "politisches Totalversagen der Bundesspitze"
Der parlamentarische Geschäftsführer der BSW-Landtagsfraktion, Stefan Wogawa, sprach von einem politischen Totalversagen der Bundesparteispitze. "Damit wird ein Signal gesendet, eine Nähe zur AfD", sagte Wogawa.
Diese Anbiederung hat nichts mit dem zu tun, wofür das BSW mal gegründet worden ist. Stefan Wogawa
"Es gibt keinen Brief an andere Parteien. Diese Anbiederung hat nichts mit dem zu tun, wofür das BSW mal gegründet worden ist." Wogawa sieht seine Partei am Scheideweg. Entweder mache sie Sachpolitik wie in Thüringen. Oder sie werde ein Haufen populistischer Schreihälse. "Leider nimmt die zweite Tendenz zu", so der frühere Linken-Politiker.

Stefan Wogawa sieht seine Partei am Scheidweg: "Machen wir Sachpolitik wie in Thüringen oder wird das BSW zu einem Haufen populistischer Schreihälse?"
Nach Ansicht von Wogawa ist es grundsätzlich möglich, dass das BSW zu seinen Grundwerten zurückkehrt. Aber nicht mit den derzeitigen Bundesvorsitzenden.
Die aktuelle Richtungsdebatte ist laut Wogawa auch darauf zurückzuführen, dass der BSW-Politik immer noch Inhalte fehlen. "Wir haben immer noch kein ausgearbeitetes Programm. Wir haben vier Seiten, das war anfangs in Ordnung. Aber das ist inzwischen viel zu wenig."
Video: Richtungsstreit beim BSW nach AfD-Annäherung (3 Min)
Genervt von ständigten Attacken der Bundespartei
Auch Infrastrukturminister Steffen Schütz vom BSW ist nach eigenen Angaben über den Brief der Parteispitze und die parteiinternen Querelen entsetzt.
Das ist peinlich und politisches Harakiri. Steffen Schütz
"Menschen, die uns mal gewählt haben, die fragen mit Grausen, was das Schreiben an die AfD soll. Das ist peinlich und politisches Harakiri", sagte Schütz. Der Brief sei zudem nicht mit den Landesvorsitzenden abgesprochen worden.
BSW-Minister Steffen Schütz
Der frühere BSW-Landeschef ist auch verärgert darüber, dass die Bundesparteispitze und auch andere Landesverbände dem Thüringer BSW Vorhaltungen machen. Die Regierungsbeteiligung in Thüringen sei der Grund für die schwachen letzten Umfrage- und Wahlergebnisse. "Der Bundesvorstand arbeitet sich im Wochenrhythmus an uns ab. Das geht mir auf die Nerven", sagte Schütz.
Aber in der Landtagsfraktion sei die überwiegende Mehrheit dafür, Sachpolitik für das Land zu machen. "Dafür sind wir gewählt worden. Der Thüringer Weg ist der, den wir weiter gehen wollen."
Auch Befürworter des Bundeskurses im Thüringer BSW
Allerdings gibt es auch innerhalb des Thüringer BSW andere Meinungen - sowohl zum Umgang mit der AfD als auch zur Beteiligung an der Landesregierung. Inzwischen gibt es einen Brief von etwa 80 (der etwa 550) Thüringer BSW-Mitgliedern, in dem die Rede ist von zu wenig BSW-Politik in Thüringen und von zu viel Nähe zu den Koalitionspartnern von CDU und SPD.
Wir waren überhaupt mal wieder in aller Munde. Der Brief hat dafür gesorgt, dass jeder gemerkt hat: Das BSW gibt es noch. Anke Wirsing
Unterzeichnet hat den Brief unter anderem die BSW-Landtagsabgeordnete Anke Wirsing. Sie verteidigt auch den Brief der Parteispitze an die AfD. "Es gibt nichts Gemeinsames mit der AfD. Nur die inhaltliche Auseinandersetzung. Und da sind wir gerne bereit, bei Anträgen der AfD zu sagen, das entspricht auch unserer Programmatik, dass wir die dann, wenn sie ideologiefrei sind, mittragen. Das muss man situativ sehen."

Anke Wirsing gilt im Thüringer BSW als loyal zur Bundesspitze.
Laut Wirsing gibt es für den Brief an die AfD innerhalb des BSW viel Unterstützung. Sie sei kein Fan der AfD, sagt sie. Aber mit dem Schreiben habe der Bundesvorstand es auch geschafft, dem BSW wieder mehr mediale Präsenz zu verschaffen. Sorgen, dass die Richtungsdebatten die Partei auseinanderreißen könnten, hat Wirsing nicht: "Wir sind eine junge Partei. Da diskutiert man vielleicht auch anders als bei den Altparteien. Da ist noch Luft nach oben. Wir ertragen noch einiges."
MDR (ask)