Streit um Liedtext: ZDF verbietet Igor Levit und Danger Dan Auftritt in „Die Anstalt“
Streit um Liedtext ZDF verbietet Igor Levit und Danger Dan Auftritt in „Die Anstalt“
16.07.2026 · 18:00 Uhr
Max Uthoff während der Aufzeichnung der Jubiläumssendung von «Die Anstalt» (Archivbild).
Foto: dpa/Sven Hoppe
Mainz · Eigentlich sollten Igor Levit und Danger Dan in der nächsten Ausgabe der Satire-Sendung „Die Anstalt“ auftreten. Doch die ZDF-Geschäftsleitung hat den Auftritt verboten - weil sie sich am Liedtext stört. Einmal mehr steht der Streit zwischen Kunstfreiheit und Zensur im Raum.
Die Geschäftsleitung des ZDF hat einen Auftritt der Musiker Igor Levit und Danger Dan in der Satire-Sendung „Die Anstalt“ verhindert. Das sagte der Mainzer Sender der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag und bestätigte damit Vorwürfe aus einem Instagram-Post der beiden Künstler.
Der Rapper Danger Dan und der Pianist Igor Levit hätten eigentlich in der Sendung, die am Dienstag um 22.15 Uhr ausgestrahlt wird, ihr neues Lied „Keine Angst“ spielen sollen. Das Lied soll in der Nacht auf Freitag veröffentlicht werden.
Diesen Auftritt hat die ZDF-Geschäftsleitung kurzfristig verhindert: „Ganz kurz vor der Aufzeichnung hat allerdings die ZDF-Intendanz ihr Veto gegen unseren Auftritt eingelegt“, schreiben die beiden Musiker in einem gemeinsamen Post auf Instagram. Eine offizielle schriftliche Begründung habe man nicht erhalten. Das Duo ist sich aber sicher, dass die Ausladung einen politischen Hintergrund habe.
Schwere Vorwürfe gegen den Sender
Das ZDF begründet den Schritt damit, dass der Text des Liedes als „Aufruf zu Gewalt“ verstanden werden könne. „Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF“, sagte eine Sprecherin. Im Zuge der Sendungsvorbereitung habe eine intensive redaktionelle Bewertung ergeben, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht aufzulösen gewesen sei. In diese Bewertung sei auch die ZDF-Geschäftsleitung involviert gewesen.
Das ZDF habe entschieden, sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und es an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten, so die Sprecherin weiter. Den Unmut über die kurze Frist der Absage könne man verstehen; dem Management des Musikers habe man Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht.
Daniel Pongratz, wie Danger Dan mit bürgerlichem Namen heißt, und Igor Levit erheben indes schwere Vorwürfe gegen den Sender. Das Lied habe dem ZDF seit Wochen vorgelegen; nach ihren Informationen habe auch der Justiziar des ZDF Grünes Licht gegeben. Hierzu äußerte sich der Sender auf Anfrage nicht. Den Musikern zufolge hat auch das Team der Sendung „Die Anstalt“ gegen die Ausladung protestiert. Die Redaktion habe Pongratz und Levit zufolge angekündigt, in der Sendung auf die Absage einzugehen.
„Ein autoritärer Akt“
Das Duo stellt die Ausladung aber auch in einen größeren politischen Kontext: „Dieser Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit ist skandalös.“ Es sei ihnen klar gewesen, dass nicht alle das Lied, das man habe spielen wollen, mögen würden und es Debatten auslösen könnte.
„Dass wir jetzt aber schon an dem Punkt angekommen sind, an dem eine ZDF-Intendanz autoritär in Sendungen eingreift, antifaschistisches Liedgut verbietet und eine Begründung verweigert, das erschüttert uns; und das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt“, so die Musiker weiter.
Danger Dan und Igor Levit sind schon länger als Musiker mit klarer politischer Haltung bekannt. Beide sind gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus engagiert. 2021 traten sie gemeinsam mit dem Lied „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ in der ZDF-Sendung ZDF Magazin Royale auf.
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