Streit um Streetart-Gemälde: Wuppertal wird zum Präzedenzfall
Weltklasse Künstler in Wuppertal: Auf 50 Hausfassaden sind die großformatigen Murals zu sehen. Eine 600 Quadratmeter große Fläche blieb aber weiß, weil einer der vielen Wohnungseigentümer eines Hauses das Graffiti nicht wollte und sich bis zum höchsten Gerichtshof durchklagte.
Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet, denn es geht um Grundsatzfragen zum Eigentumsrecht, zur Macht von Mehrheiten und zur verfassungsrechtlich geschützten Kunstfreiheit.
Mehrheit wollte Gemälde an der Fassade
"Ich hätte hier an unserer Fassade ein solches Gemälde schön gefunden, so wie die Mehrheit in unserem Haus“, erzählt eine Hausbewohnerin. Aber einer war halt dagegen. Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Zu brisant sei die Situation im Haus, seit dem zwei Jahre langen Klageverfahren.
"Die Murals sind so kunterbunt, wie wir Wuppertaler auch sind und das ist stark!“ Akin Dere, Wuppertaler
Unverständnis bei den Wuppertalern
Es gehe um die Frage, ob ein einzelner Eigentümer verhindern kann, was die Mehrheit will, erklärt Anwalt Peter Wassermann. Er vertritt die Wohnungseigentümergemeinschaft vor Gericht.
Warum ein einziger aus der Gemeinschaft sich durch die alle Instanzen klagt, kann sich keiner hier im Haus erklären. Der Kunstverein, der für die Murals verantwortlich ist, will sich nicht zu den Vorgängen äußern.
Sie hatten ihre Graffiti-Anfrage für das Haus sofort zurückgezogen, als sich Unstimmigkeiten in der Hausgemeinschaft andeuteten. Die Teilnahme am Streetart-Projekt sei freiwillig. Trotzdem kam die Klage.
"Er klagt bis zum BGH? Ja, wenn wir sonst keine Probleme haben, dann kann ich nur sagen, gute Besserung dem Menschen.“ Dieter Scholz, Wuppertaler
Internationale Strahlkraft
Die Fassade des Hochhauses sollte eigentlich Teil des Wuppertaler Projekts "Urbaner Kunstraum“ werden. 50 weltweit bekannte Künstler haben sich auf Gebäudefassaden im Wuppertaler Stadtgebiet verewigt und der Stadt zu einem Street Art-Open-Air-Museum mit internationaler Strahlkraft verholfen.
"Das bedeutet für die Menschen in der Stadt unendlich viel", sagt der frühere Kulturdezernent Matthias Nocke, der das Großprojekt jahrelang begleitet und beobachtet hat: "Die Menschen haben einen ganz neuen Zugang zu ihrer Stadt gefunden, weil sie sich auf veränderte Art und Weise mit ihrer Stadt identifizieren, weil es Fahrradtouren gibt, Schwebebahnfahrten, Besichtigungen, wo die Menschen begeistert sind von den Perspektiven und den Blickwinkeln der einzelnen Murals.“
Die Kuratorin dieses Projekts habe mit den Menschen gearbeitet und die Nachbarschaften einbezogen in die Gestaltung der Hauswände. Das habe eine ganz besondere Gemeinschaft gebracht. Er findet, die Murals haben Wuppertal verändert und Lichtblicke in die Stadt und für ihre Bewohner gebracht.