Stromausfall? Warum Solar oft plötzlich nichts bringt
Ratgeber
Stromausfall: Kann meine Solaranlage auch Notstrom liefern?
Kein Strom aus dem Netz – aber zum Glück haben Sie ja Ihre Solaranlage, mit der sich die Zeit überbrücken lässt? Warum das meist ein Fehlglaube ist und wie man jetzt wirklich an Strom vom Dach kommt.
Längere Stromausfälle sind zwar selten, aber sie kommen vor – zuletzt etwa in Berlin oder in Reutlingen. Kühlschrank, Computer, Fernseher, Waschmaschine: Nichts funktioniert dann mehr. Oder?
Manche Besitzer von Photovoltaikanlagen denken jetzt womöglich: Mich betrifft das nicht. Dann nutze ich eben meinen Strom vom Dach oder Balkon. Für den Kühlschrank und die Kaffeemaschine wird der ja wohl reichen. Oft leider ein Trugschluss.
Denn fällt der Strom aus dem öffentlichen Netz aus, schaltet sich die Photovoltaikanlage automatisch ab. Der Wechselrichter, also das Gerät, das den von der Anlage erzeugten Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandelt, trennt die Anlage vom Hausnetz, sobald Abweichungen am öffentlichen Netz registriert werden. Das heißt: Es fließt kein Strom mehr vom Dach ins Hausnetz.
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Solaranlage bei Stromausfall nutzen: Ohne Speicher geht's nicht
„Das ist eine gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsmaßnahme, um die Handwerker zu schützen, die am öffentlichen Netz arbeiten“, erklärt Thomas Heberlein, Experte der Initiative Elektro+. „Wer bei Stromausfall auf die Sonnenenergie vom Dach zurückgreifen will, muss bei der Auswahl des Systems auf spezielle Eigenschaften achten, die es notstromfähig machen.“
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Für die Eigenversorgung bei einem Stromausfall ist ein spezieller Hybrid-Wechselrichter erforderlich. Heberlein: „Neuere Hybrid-Wechselrichter-Systeme haben meist die notwendige Notstrom- oder Ersatzstromfunktion schon integriert.“ Für eine zumindest zeitweise autarke Stromversorgung benötigt man außerdem einen Stromspeicher.
Bevor man sich für die entsprechenden Komponenten entscheidet, sollte man allerdings erst einmal überlegen, welchen konkreten Nutzen man sich davon erhofft: Welche Geräte sollen bei einem Stromausfall überhaupt weiterlaufen? Wenig sinnvoll wäre es etwa, bei einem Stromausfall, die Wallbox zum Laden des E-Autos zu nutzen, weil das sehr viel Strom verbraucht. Auch die Heizung kann ein großer Stromzieher sein. Lange wird der Strom vom Dach, genauer gesagt aus dem Stromspeicher, dafür womöglich nicht ausreichen.
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„Notstrom ist nur für den Notfall relevant, eine Dauerversorgung ist in der Regel für private Haushalte mit hohen Kosten verbunden“, sagt Thomas Heberlein. „Im Normalbetrieb lassen sich keine drei Tage aus einem Solarspeicher überbrücken, erst recht nicht im Winter, wenn tagsüber die Sonne weniger scheint.“
Dennoch kann es sinnvoll sein, die Notstromfunktion zu aktivieren oder nachzurüsten. Vor allem im Sommer ist es gut zu wissen, dass Kühlschrank und Gefriertruhe auch bei einem Stromausfall weiterlaufen, die Lebensmittel also nicht verderben. Nicht nur unangenehm, sondern sehr kritisch wäre ein Stromausfall, wenn medizinische Geräte zu Hause ausfallen. „Wer auf eine kontinuierliche Stromversorgung angewiesen ist, weil etwa Geräte durchgehend laufen müssen, sollte einen Speicher anschaffen, der das mindestens über eine Nacht zulässt“, rät Thomas Heberlein.
Mein Haus ist eine (Strom-)Insel?
Entscheidet man sich für eine Aufrüstung, kann man zwischen einer Notstromfunktion wählen – oder das Haus nicht nur notstrom-, sondern sogar ersatzstromfähig machen.
Beim Notstrom versorgt ein notstromfähiger Hybrid-Wechselrichter einzelne definierte Steckdosen, so die Initiative Elektro+. Und zwar meist mit bis zu 3000 Watt. Das ist demnach genug für Kühlschrank, Router und Beleuchtung – die übrige Hausinstallation bleibt ohne Strom.
Beim Ersatzstrom sieht das anders aus: Hier trennt sich laut Elektro+ das gesamte System automatisch vom öffentlichen Netz und versorgt das ganze Haus weiter. Und zwar so, als wäre nichts geschehen. Das System baut dabei ein eigenes, vom öffentlichen Netz getrenntes Versorgungsnetz auf, einen sogenannten Inselbetrieb.
„Für die meisten Anwender reicht die günstigste Variante, nämlich die einphasige Notstromfunktion“, sagt Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentralen. Sie ist bei vielen Hybrid-Wechselrichtern bereits enthalten oder gegen einen geringen Aufpreis erhältlich.
Brandis rät allen Kunden, die in Zukunft eine neue Photovoltaikanlage planen, an diese Notstromsteckdose zu denken. Der Preisunterschied bei Hybrid-Wechselrichtern mit und ohne Notstromfunktion liege bei ungefähr 250 bis 500 Euro. Teurer wird’s, wenn der vorhandene Wechselrichter nachgerüstet werden soll. Das ist bei einigen Herstellern möglich, aber nicht bei jedem. „Die Kosten für die Nachrüstung können in diesen Fällen auch 1.000 Euro betragen.“
Solaranlage für Ersatzstrom: Nicht jeder Aufwand lohnt sich
Will man das Haus hingegen ersatzstromfähig machen, wird ein eigenes, vom öffentlichen Netz getrenntes Versorgungsnetz aufgebaut. Die Umstellung erfolgt, von den Bewohnern unbemerkt, in Sekundenschnelle. „Das ist technisch aber viel aufwendiger und kann einige Tausend Euro mehr kosten als der Notstrom“, sagt Brandis. Für private Betreiber wird eine Ersatzstromlösung in den wenigsten Fällen sinnvoll sein. „Für sie kommt eher der Notstrom in Betracht.“
Ohnehin ist eine umfassende Lösung mit Inselbetrieb nicht immer umsetzbar. Viel hängt von den individuellen Gegebenheiten ab. Solarzellen und Speicher, aus denen der Strom dann ausschließlich kommt, müssen an den Verbrauch angepasst sein. Es muss also genügend Strom erzeugt und gespeichert werden können, um das Haus zu versorgen.
„In unseren Breitengraden produziert die Solaranlage in sonnenarmen Wintern deutlich weniger Strom als im Sommer“, sagt Thomas Heberlein. „Um diese Monate zu überbrücken, wäre eine massive Überdimensionierung der Anlage und des Batteriespeichers nötig.“