Studie sieht russische Kampagne: Dobrindt: "Wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung"
Studie sieht russische KampagneDobrindt: "Wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung"
09.08.2026, 04:42 Uhr
00:00
/
04:38

Nach dem versuchten Drohnenanschlag in Leipzig/Halle spricht Innenminister Dobrindt von hybrider Kriegsführung "fremder Mächte". Eine Studie sieht konkret Russland hinter einer Drohnenkampagne über europäischen Ländern. Diese seien auf die Bedrohungslage noch nicht gut eingestellt.
Innenminister Alexander Dobrindt warnt nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle vor hybriden Angriffen aus dem Ausland. "Wir befinden uns nicht im Krieg, aber wir sind tägliches Ziel hybrider Kriegsführung", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag" und kündigte an, die Forschung zur Drohnensicherheit auszubauen. "Das spürbare strategische Ziel fremder Mächte ist es, uns politisch und gesellschaftlich zu bezwingen." Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und verdeckte Aktionen zielten darauf ab, Deutschland zu destabilisieren und Ängste zu schüren. Konkrete Staaten nannte Dobrindt nicht.
Am Dienstag war auf dem Flughafengelände eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Dobrindt hatte von einem "hybriden Anschlagsszenario" gesprochen und "fremde Mächte" als Urheber nicht ausgeschlossen. Der Vorfall löste eine breite Debatte über die Drohnenabwehr an kritischer Infrastruktur aus.
Inzwischen bestätigte die Bundeswehr einen weiteren Drohnenvorfall in Deutschland. Einem Sprecher zufolge meldete die Sicherheitszentrale des Bundeswehrstandortes Mechernich in Nordrhein-Westfalen in der Nacht zum Freitag die Sichtung zweier Drohnen. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ ist der Standort besonders wichtig, da sich hier in einer unterirdischen Anlage ein besonders geschütztes Materiallager befinde. Dort sollen auch Spezialisten der Bundeswehr tätig sein, die für Wartung und Instandsetzung des Flugabwehrsystems "Patriot" zuständig sind.
Studie: Russland nutzt Schattenflotte wohl auch für Drohnenstarts
Laut einer Studie des International Institute for Strategic Studies (IISS) sind zwischen August 2024 und Februar 2026 im Luftraum von zwölf NATO-Mitgliedstaaten sowie Irland festgestellt unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) festgestellt worden. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sei die UAV-Kampagne über Europa auf Russland zurückzuführen. "Wir bewerten es als wahrscheinlich, dass mit Russland verbundene Schiffe und die sogenannte 'Schattenflotte' als Start- und Rückholplattformen für UAVs genutzt wurden, als Teil des umfassenderen unkonventionellen Krieges des Kremls gegen Europa, heißt es in dem Papier.
Auf die Bedrohungslage sei Europa noch nicht gut aufgestellt. "Die Erkennung ist uneinheitlich, rechtliche Zuständigkeiten sind fragmentiert, Reaktionsmöglichkeiten sind häufig unverhältnismäßig, und die Zuordnung der Verantwortlichkeit erfolgt weiterhin zu langsam, um eine rechtzeitige Abschreckung zu ermöglichen“, schreibt das IISS in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung, über die der "Tagesspiegel" berichtet.
Neues Zentrum soll zu Drohnensicherheit forschen
Innenminister Dobrindt verwies in der "Bild am Sonntag" auf den Ausbau der Drohnenforschung am Testflughafen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Cochstedt in Sachsen-Anhalt. "Gemeinsam mit dem DLR errichten wir mit dem neuen Technologiezentrum eine bundesweit einzigartige Einrichtung", sagte der CSU-Politiker. Dort würden in Reallaboren Technologien für die Drohnensicherheit erforscht, entwickelt und erprobt.
Wie jede Gefahrenabwehr im Inland ist die Drohnenabwehr primär Aufgabe der Polizei. Zur Koordinierung haben Bund und Länder ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) in Berlin eingerichtet und zudem die Drohnenabwehr durch mehrere Gesetzesänderungen geregelt. Bayern betreibt ein Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) nahe dem Münchner Flughafen, wo wiederholt Drohnen gesichtet wurden.
Quelle: ntv.de, ino/rts