Studie zerstört Haustier-Mythos – Tiere machen nicht glücklicher


Stand: 30.07.2026, 19:30 Uhr

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Machen Haustiere glücklich? Eine Schweizer Studie findet keinen Vorteil – Halter bewerteten ihre Gesundheit sogar etwas schlechter.

München – Wir glauben gern, ein Haustier mache uns automatisch glücklicher. Doch eine repräsentative Schweizer Studie mit mehr als 2300 Menschen zeigt: So einfach ist die Sache nicht. Die Frage „Machen Haustiere glücklich?“ lässt sich jedenfalls nicht mit einem klaren Ja beantworten.

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Wissensmagazin SMART UP NEWS

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Das Forschungsteam wertete Daten von 2328 Erwachsenen aus der Schweiz aus. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal PLOS ONE. Beteiligt waren die Universität Basel, das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut, die Universität Luzern und die Open University in den Niederlanden.

Beagle-Hund ruht in gemütlichem Bett

Ein Hund gilt als treuer Begleiter. Doch allein sein Besitz macht Menschen laut einer Schweizer Studie nicht automatisch glücklicher oder gesünder. © IMAGO / Zoonar

1105 Befragte besaßen ein Tier oder hatten regelmäßig Kontakt zu einem Tier. 1223 Personen lebten ohne Haustier und ohne regelmäßigen Tierkontakt.

Machen Haustiere glücklich? Die Unterschiede bleiben gering

Wer ein Haustier hat, ist deshalb weder weniger einsam noch zufriedener mit seinem Leben. Auch beim psychischen Wohlbefinden, bei Arztbesuchen und bei der Unterstützung durch andere Menschen blieb der Unterschied aus. Selbst regelmäßiger Kontakt zu Tieren außerhalb des eigenen Haushalts brachte keinen allgemeinen Vorteil.

An einer Stelle schnitten Tierhalter sogar geringfügig schlechter ab: Sie bewerteten ihre Gesundheit etwas negativer und rauchten im Schnitt 0,19 Zigaretten mehr pro Tag. Das entspricht rund 70 Zigaretten im Jahr. Die Wissenschaftler stufen diesen Abstand selbst als sehr klein ein. Einen gesundheitlichen Schaden durch das Haustier belegt er nicht.

Belastete Menschen suchen möglicherweise häufiger ein Tier

Was Ursache und was Folge ist, bleibt offen. Ein Haustier könnte das Wohlbefinden belasten – etwa durch Kosten, Verantwortung oder Sorgen. Genauso gut könnten Menschen mit gesundheitlichen Problemen, Stress oder Einsamkeit häufiger ein Tier bei sich aufnehmen. Das Tier wäre dann nicht der Auslöser, sondern Begleiter in einer bereits schwierigen Lebenslage.

Die Befragung bildet nur einen einzigen Zeitpunkt ab. Deshalb lässt sich nicht klären, was zuerst da war. „Haustierhaltung ist ein komplexes und heterogenes Konstrukt“, schreiben die Forscher. Die Daten belegen weder, dass Tiere krank oder unglücklich machen, noch einen allgemeinen „Haustiereffekt“, der Halter automatisch gesünder und zufriedener werden lässt.

Mehr gemeinsame Zeit stärkt die Bindung deutlich

Je mehr Zeit Menschen mit einem Tier verbrachten, desto enger fühlten sie sich ihm verbunden. Besonders stark war die Bindung, wenn Hund, Katze oder ein anderes Tier im selben Haushalt lebte. Viele erlebten das Tier dann auch häufiger als emotionalen Rückhalt im Alltag.

Frauen gaben im Durchschnitt eine stärkere Bindung an als Männer. Auf der verwendeten Skala erreichten sie 12,93 Punkte, Männer 10,73. Auch bei der wahrgenommenen Unterstützung lagen Frauen mit 7,99 Punkten vor den Männern mit 6,27. Die Werte streuten jedoch stark. Ob ein Tier zum engen Vertrauten wird, hängt deshalb nicht allein vom Geschlecht ab.

Warum Tiere gerade in schwierigen Zeiten Halt geben

Hunde gaben ihren Haltern besonders häufig emotionalen Halt. Viele berichteten, ihr Tier helfe ihnen durch schwierige Zeiten und vermittle Nähe und Vertrauen. Auch regelmäßiger Kontakt zu einem Hund außerhalb des eigenen Haushalts ging mit einer stärkeren Bindung einher. Bei Katzen war die Beziehung vor allem dann eng, wenn sie mit den Befragten zusammenlebten.

Wer sein Tier besonders stark als Stütze erlebte, fühlte sich zugleich tendenziell einsamer und psychisch etwas belasteter. Möglich ist, dass gerade Menschen in schwierigen Lebensphasen besonders viel Trost und Sicherheit bei ihrem Tier suchen. Das Tier wäre dann nicht die Ursache der Belastung, sondern ein wichtiger Halt im Alltag.

Selbstauskünfte begrenzen die Aussagekraft

Die Angaben zu Gesundheit, Einsamkeit, Lebenszufriedenheit und psychischem Wohlbefinden stammen von den Befragten selbst. Für jeden dieser Bereiche nutzte das Team nur eine einzelne Frage. Die Daten wurden 2021 erhoben und beziehen sich auf Erwachsene in der Schweiz.

Ein Haustier allein macht deshalb weder automatisch glücklicher noch gesünder. Entscheidend sind eher die Lebenssituation, die Tierart und der gemeinsame Alltag. Hunde, Katzen oder andere Tiere können Nähe und Halt geben. Ein allgemeines Glücksversprechen ist mit ihrem Besitz jedoch nicht verbunden.

Kurz zusammengefasst: