Südlink: Teilstück der Stromautobahn soll oberirdisch weitergebaut werden


Die Stromtrasse Südlink wird in Bad Friedrichshall erst nächstes Jahr weitergebaut. Der Betreiber Transnet BW hatte die unterirdischen Arbeiten aus Sorge vor möglichen Wasserschäden vor ein paar Tagen gestoppt, am Dienstag präsentierte er nun eine alternative Lösung. Demnach sollen drei Kilometer der Stromautobahn doch überirdisch verlegt und mit zwei Tiefenbohrungen an die unterirdische Leitung angeschlossen werden. Damit, so Transnet BW, könne der Großraum Heilbronn weiterhin unter Tage gequert werden.

Mit Gesamtinvestitionen von zehn Milliarden Euro und einer Leistung von vier Gigawatt gilt Südlink als das größte Einzelprojekt der Energiewende. Die 700 Kilometer lange Trasse soll Windpark-Strom von der Nordseeküste in die Industrieregionen nach Bayern und Baden-Württemberg leiten. Startpunkte sind Wilster und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein, Endpunkte Bergrheinfeld in Bayern und Großgartach/Leingarten in Baden-Württemberg.

Tennet und Transnet BW bauen Südlink

Gebaut wird die Leitung zum kleineren Teil im Norden von Tennet. Der Großteil der Investitionen – acht Milliarden Euro – entfällt auf den südlichen Teil, verantwortet von der Transnet BW, einer Tochtergesellschaft der Energie Baden-Württemberg (ENBW). Transnet geht davon aus, dass die Trasse trotz der Unterbrechung wie geplant Ende 2028 in Betrieb gehen kann. Die Mehrkosten liegen nach Darstellung des Unternehmens innerhalb der „Kosten- und Risikovorsorge“. Vor und nach Bad Friedrichshall werde wie geplant weitergebaut.

Zwischen Bad Friedrichshall und Leingarten sollten die Leitungen auf sechzehn Kilometer Länge und 200 Meter Tiefe durch die alten Bergwerksgruben geführt werden, um den Ballungsraum Heilbronn zu unterqueren und eine Neckar-Querung zu vermeiden. Bei ersten Erkundungsbohrungen 2019 und 2020 hätten sich noch keine Anzeichen für kritische Wasserzuflüsse gefunden. Bei einer abermaligen seismischen Untersuchung während des Baus hätten sich jetzt jedoch Hinweise auf eine „wasserführende Störungszone“ ergeben. Um kein Risiko einzugehen, habe man entschieden, sich dieser Störungszone nicht anzunähern.

Südlink ist die größte von zunächst vier geplanten Stromautobahnen

Wie lange es dauert, bis die alternativen Pläne umgesetzt werden können, ist offen. Zum einen muss sich das Unternehmen erst mit den betroffenen Grundstückseigentümern einigen, zum anderen die Genehmigung der Bundesnetzagentur einholen. Im November soll es zudem öffentliche Informationsveranstaltungen für die Anrainer geben. Ob für den Umbau tatsächlich ein umfangreiches Planfeststellungsverfahren nötig ist, blieb am Dienstag unklar. Die Netzagentur selbst verwies darauf, dass das Unternehmen noch keinen Änderungsantrag gestellt habe, eine Einschätzung zu möglichen Folgen sei deshalb nicht möglich.

Südlink ist die größte von zunächst vier geplanten Stromautobahnen. Finanziert werden sie über sogenannte Netzentgelte. Die werden auf den Börsenstrompreis aufgeschlagen und so von allen Verbrauchern bezahlt.