Umfrage-Zahlen: Szenario für Wahl in Mecklenburg-Vorpommern lässt CDU bangen – es gibt mahnendes Beispiel
Stand: 17.09.2026, 13:45 Uhr
Der CDU droht laut Umfragen das nächste Desaster bei einer Landtagswahl. Ein Szenario für Mecklenburg-Vorpommern dürfte die Christdemokraten noch weiter schwitzen lassen.
Schwerin – Die SPD bläst vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag zur Aufholjagd. Spitzenkandidatin Manuela Schwesig hat mit ihrer Partei in den vergangenen Wochen einige Prozentpunkte auf die zuletzt in den Umfragen führende AfD aufgeholt. Ein Wahlsieg der Sozialdemokraten scheint plötzlich nicht mehr unmöglich. Am anderen Ende der Umfragen: die CDU, zuletzt gelistet mit lediglich sieben Prozent.

Die Christdemokraten um Spitzenkandidat Daniel Peters bangen damit sogar noch um die Fünf-Prozent-Hürde. Auch in Berlin schaut man genau auf das Ergebnis der Krisenpartei im Nordosten. Selbst Kanzler Friedrich Merz ist angezählt. Seine Zukunft könnte auch mit dem Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern zusammenhängen. Zuletzt wurden Spekulationen über einen Kanzlertausch bei einem Versagen in Schwerin immer lauter. Und es gibt Szenarien, die die CDU sogar ganz aus dem örtlichen Landtag schießen könnten.
SPD schnuppert in Mecklenburg-Vorpommern laut Umfrage an Sensation – sie könnte bitter für CDU enden
Die Ausgangslage: In der letzten INSA-Umfrage für die Bild lag die AfD mit 37 Prozent vorn, die SPD hat sich mit 35 Prozent herangepirscht. Die Linke käme auf zehn Prozent, die CDU auf sieben Prozent, die Grünen kratzen mit fünf Prozent an der Landtagshürde. Das BSW würde den Einzug mit drei Prozent verpassen.
Plötzlich schnuppert die SPD an der Sensation. Noch Mitte August lag die Partei um Spitzenkandidatin Schwesig in einer Forsa-Umfrage nur bei 28 Prozent, jetzt sind es schon 35 Prozent. Die Sozialdemokraten wittern die Chance, die AfD noch abzufangen. Gleichzeitig könnten auch einige Wählerinnen und Wähler in Mecklenburg-Vorpommern, die die AfD als stärkste Kraft verhindern wollen, zum beliebten Mittel des taktischen Wählens greifen. Und das könnte besonders bitter für die CDU enden.
Wird taktisches Wählen der CDU in Mecklenburg-Vorpommern zum Verhängnis? Szenario zeigt, wie eng es werden könnte
Denn die Christdemokraten sind auf dem absteigenden Ast. Mitte August noch bei zehn Prozent gelistet, stehen jetzt nur noch sieben Prozent zu Buche. In einer pollytix-Umfrage für Campact kam man sogar nur noch auf sechs Prozent. Ein beispielhaftes Szenario zeigt, wie eng es werden könnte.
Beispielhaft werden die Werte von der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 2021 als Grundlage genommen. Damals waren 1.312.471 Personen wahlberechtigt, 928.807 Menschen gaben ihre Stimme auch wirklich ab, was einer Wahlbeteiligung von 70,8 Prozent entsprach. Um die Rechnung zu vereinfachen, nehmen wir 920.000 abgegebene Zweitstimmen an. Überträgt man diese Zahlen auf die aktuellen Umfragen zur Wahl 2026, würde die CDU mit sieben Prozent auf ca. 64.400 Stimmen kommen. Um auf knapp unter fünf Prozent zu fallen, müsste die CDU dann weniger als 46.000 Stimmen erhalten – ein Rückgang von mindestens 18.400 weiteren Stimmen am Wahlsonntag.
CDU-Desaster bei Wahl in Mecklenburg-Vorpommern? Sachsen-Anhalt 2021 als mahnendes Beispiel
Klingt viel, ist aber nicht völlig ausgeschlossen. Und die Vergangenheit zeigt gerade im Osten: Es gibt ein mahnendes Beispiel. Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt im Jahr 2021 sagte die letzte Umfrage vor der Wahl für die CDU ein Ergebnis von 27 Prozent voraus, die AfD lag bei 26 Prozent. Am Wahltag selbst kam die CDU dann auf 37,1 Prozent, die AfD lediglich auf 20,8 Prozent.
Spannend dabei: Auch hier wanderten einige Wählende ab, um Amtsinhaber Reiner Haseloff in einer taktischen Wahl zur sicheren Mehrheit zu verhelfen. Die Nachwahlanalyse von infratest dimap zeigte damals, dass rund 15.000 Wählende von der SPD zur CDU abwanderten. Zwar bezieht sich der Vergleich auf die Werte zur Landtagswahl 2016, er zeigt jedoch, dass eine Wählerwanderung in einer Größenordnung nahe der 18.400 Stimmen möglich ist. Und: In der letzten Umfrage vor der Wahl in Sachsen-Anhalt stand die SPD mit zehn Prozent noch 1,6 Prozentpunkte besser da, als beim Endergebnis (8,4 Prozent). Eine solche Abweichung zwischen Umfragen und Ergebnis würde die CDU in Mecklenburg-Vorpommern sehr nah an die Fünf-Prozent-Hürde drängen.
CDU-Aus in Mecklenburg-Vorpommern? Wie realistisch ist das Szenario? Parallele drängt sich auf
Wie wahrscheinlich ein solches Szenario ist, lässt sich vorab natürlich nicht zweifelsfrei beurteilen, viele Faktoren müssten zusammenspielen. Gänzlich auszuschließen ist es jedoch auch nicht. Eine weitere spannende Parallele drängt sich ebenfalls auf.
Denn mit Reiner Haseloff hatte die CDU in Sachsen-Anhalt 2021 einen äußerst beliebten Amtsinhaber ins Rennen geschickt – ähnlich wie die SPD nun mit Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern. Wahlforscher attestierten Haseloff damals, im Wahlkampf für eine starke Spätmobilisierung gesorgt zu haben. Er habe es gerade in den letzten Tagen vor der Wahl geschafft, AfD-Gegner quasi aus allen Lagern hinter sich zu versammeln, was die historisch große Abweichung zwischen Umfragen und Ergebnis erklärte.
In Mecklenburg-Vorpommern deutet sich derweil auch ein Trend in diese Richtung an. Schwesig fährt eine ähnliche Wahlkampfstrategie. Unter der Kernbotschaft „Die Frau gegen Blau“ positioniert sie sich als die einzige Kraft, die einen AfD-Wahlsieg in ihrem Bundesland verhindern kann. Schwesig wirbt offensiv damit, dass man sich für den Schweriner Landtag eigentlich nur zwischen ihr und der AfD entscheiden könne.
Schwesig auf brisanter Wahl-Mission in Mecklenburg-Vorpommern: CDU und Grüne erzürnt
Schwesigs Mission ist allerdings auch umstritten. Haseloff gelang es etwa in Sachsen-Anhalt, Nichtwähler von sich zu überzeugen und sich weitere Stimmen aus den Lagern von SPD und Linken zu organisieren. Allerdings wurde dadurch keine andere demokratische Partei aus dem Landtag verdrängt. In Mecklenburg-Vorpommern zittert indes nicht nur die CDU vor der Wählerwanderung, auch die Grünen drohen mit aktuell fünf Prozent in den Umfragen am Einzug in den Landtag zu scheitern und wären von einer Wählerwanderung betroffen.
Den Ernst der Lage hat man auch in der CDU erkannt. Generalsekretärin Franziska Hoppermann beschwerte sich zuletzt offen über Schwesigs „personalisierten Wahlkampf“, der am Ende „die politische Mitte schwächt“. Sie warf ihr vor, parteipolitische Interessen über die Interessen Mecklenburg-Vorpommerns zu stellen. Auch CDU-Spitzenkandidat Peters sprach gegenüber dem NDR von einer „ernsten Lage“. Er warf Schwesig einen „Wahlkampf gegen die CDU und übrigens auch gegen die Grünen“ vor.
Auch die Grünen zittern bereits. Gegenüber der dpa wies Parteichef Felix Banaszak darauf hin, dass eine Mehrheit aus SPD, Linken und Grünen in Mecklenburg-Vorpommern „zum Greifen nah“ sei. Schwesigs Wahlkampf setze allerdings darauf, dass „alle, die die AfD verhindern wollen, zu ihr kommen“. Er warf ihr einen „auf sich fixierten Wahlkampf ohne Rücksicht auf Verluste“ vor, nannte dieses Vorgehen „unverantwortlich“. Zumindest aus Sicht der SPD könnte es allerdings erfolgreich sein. (Quellen: dpa, infratest dimap, INSA/Bild, NDR, Landeswahlleiter Mecklenburg-Vorpommern, Landtag MV, wahlrecht.de, eigene Recherche)