Taliban-Diplomaten zur Vorbereitung von Abschiebungen in Berlin
Bericht
Taliban-Diplomaten zur Vorbereitung von Abschiebungen in Berlin
Das deutsche Außenministerium spricht von einem "technischen Unterstützungsteam". Offiziell erkennt Berlin die Taliban-Regierung nicht an
Berlin – Drei Diplomaten der radikal-islamistischen Taliban sind einem Bericht des NDR zufolge nach Deutschland gereist, um hier in Zusammenarbeit mit den Behörden Abschiebungen von Afghanen vorzubereiten. Den drei Männern seien in der deutschen Vertretung in Katar Visa für 30 Tage ausgestellt worden, berichtete der Sender am Freitagabend. Derzeit halten sie sich demnach an der afghanischen Botschaft im Berliner Stadtteil Grunewald auf.
Das Auswärtige Amt bestätigte laut NDR die Anwesenheit der Taliban in Deutschland und, dass dies im Zusammenhang mit weiteren Abschiebungen afghanischer Staatsbürger nach Afghanistan stehe. Demnach handelt es sich um ein "technisches Unterstützungsteam", das die Voraussetzungen dafür schaffen soll, dass in den afghanischen Vertretungen in Deutschland Dokumente ausgestellt werden können, die die Taliban anerkennen.
Die deutsche Bundesregierung erkennt die Taliban-Regierung in Kabul zwar nicht offiziell an, ist aber in Kontakt mit ihr. Die weitgehende Übernahme der diplomatischen Vertretungen in Deutschland hat Berlin ermöglicht – anders als etwa in Österreich und zahlreichen anderen Staaten. Neben der Botschaft gibt es Generalkonsulate in Bonn und München. Treibende Kraft ist dabei Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), ausgewiesenes Ziel sind mehr Abschiebungen.
Mehrere Besuche in Wien
Auch in Wien wurden bereits mehrmals Vertreter der Taliban für Abschiebungsvorbereitungen empfangen, obwohl die Organisation offiziell als Terrororganisation gelistet ist. 2025 befand sich rund eine Million Afghaninnen und Afghanen in der EU. Sie kamen seit Beginn des Bürgerkriegs nach dem von der damaligen Sowjetunion unterstützten Staatsstreich 1979 nach Europa, ab 2014 dann in größerer Zahl. Immer wieder wurden auch vermehrte Abschiebebemühungen gesetzt – jedoch bis 2025 nicht in den Phasen der Talibanherrschaft.
In Österreich leben rund 40.000 Afghaninnen und Afghanen. Von Jänner bis inklusive Dezember gab es 5077 Asylanträge von Staatsangehörigen dieses Landes – die damit im Asylantrags-Ländervergleich an der Spitze lagen. (APA, red, 29.8.2026)
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