Teslas Robotaxi-Traum trifft auf eine harte Realität
Schwache Zahlen
Teslas Robotaxi-Traum trifft auf eine harte Realität
Der Service kommt auch ein Jahr nach dem Start kaum vom Fleck. Selbst Elon Musk klingt mittlerweile vergleichsweise gedämpft, wenn es um das Thema geht
Andreas Proschofsky
Groß waren die Versprechen als Elon Musk vor mehr als einem Jahr vor die Öffentlichkeit trat, um Teslas Robotaxidienst zu starten. Bis Ende 2025 sollte der Service auf acht bis zehn Städte ausgedehnt werden und so der Hälfte der US-Bevölkerung zur Verfügung stehen. Im als ersten Markt ausgewählten texanischen Austin sollten bis zu diesem Zeitpunkt 500 komplett autonom fahrende Teslas unterwegs sein.
Realitätscheck
Nichts davon ist passiert: Selbst mehr als ein halbes Jahr nach Ablaufen dieser Frist ist Tesla weit von den ursprünglich kommunizierten Zielen entfernt. Wie weit offenbaren die aktuellen Zahlen des Unternehmens: 380.000 Meilen hätten die Robotaxis von Tesla mittlerweile in Summe komplett ohne Sicherheitsfahrer zurückgelegt, verkündetet Ashok Elluswamy, KI-Chef des Autoherstellers, laut The Verge am Rande der Vorstellung der aktuellen Quartalszahlen stolz. Ein Wert, der jede Woche um zehn Prozent wachse, fügte Musk dieser Zahl an.
Klingt beeindruckend – aber nur, wenn man diese Zahlen ohne Kontextualisierung betrachtet. Waymo bringt es mittlerweile auf vier Millionen Meilen – und zwar pro Woche. Das auch, weil das Google-Schwesterunternehmen nicht nur technologisch weiter ist, sondern im vergangenen Jahr deutlich rascher expandiert und auch als wesentlich sicherer gilt.
21 echte Robotaxis
Während die Flotte von Waymo mittlerweile aus knapp 4.000 Fahrzeugen besteht und rund ein Dutzend große US-Städte vollständig autonom fahrend abdeckt, liegt diese Zahl bei Tesla derzeit bei 21 Stück. Das zeigen die Zählungen der unabhängigen Plattform Robotaxi Tracker.
Das hat mehrere Gründe: Zwar hat Tesla deutlich mehr Fahrzeuge unter dem Namen Robotaxi im Einsatz, fast alle davon sind aber weiterhin mit einem Sicherheitsfahrer oder einem Sicherheitsbeifahrer des Unternehmens ausgestattet. Ein vollständig autonomer Betrieb wie bei Waymo ist das also nicht.
Regulierungshürden
Die beschränkte Anzahl von verfügbaren Tesla Robotaxis hat aber noch eine andere Ursache und die heißt Regulierung. So dürfen die Tesla Robotaxis derzeit lediglich in einigen wenigen Regionen mit besonders laxen Vorschriften unterwegs sein. In strikter regulierten Märkten hat das Unternehmen noch nicht einmal versucht, eine Genehmigung für den Betrieb seines Services zu erhalten.
Dass die Verbreitung des Dienstes nicht so schnell vorangeht, wie es sich Elon Musk dereinst gewünscht hat, ist also unbestritten. Insofern ist es nicht weiter überraschend, dass der Tesla-Chef zuletzt auffällig zurückhaltend klingt, wenn es um das Thema geht. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass er noch eine andere Zahl kennt.
Im zweiten Quartal 2026 wurden im Rahmen des gesamten Robotaxidienstes – also inklusive der Fahrten mit Sicherheitsfahrern – 900.000 bezahlte Meilen zurückgelegt. Das ist praktisch der gleiche Wert wie im Quartal davor – obwohl der Dienst auf einige weitere Städte in Florida und Texas ausgedehnt wurde. Eine Realität, die auch die Investoren langsam unruhig macht. James Picariello, Analyst bei BNP Paribas, bezeichnet die Entwicklung als "alarmierend".
Show-Robotaxis
Doch selbst das ist noch eine sehr freundliche Statistik, inkludieren die Tesla-Zahlen doch die Fahrten in San Francisco, wo das Unternehmen gar keine Genehmigung für den Betrieb eines echten Robotaxidienstes hat. Dort fahren aber hunderte vermeintliche "Cybercabs" herum, bei denen in Wirklichkeit Menschen hinter dem Steuer sitzen. Es handelt sich in dem Fall also um reine Werbung, die mit einem echten Robotaxidienst wenig zu tun hat, die zusätzlich aber auch zur Beschönigung der Zahlen herangezogen werden kann.
Seitenhieb
Von dieser Realität versucht Musk mit eher halbherzigen Seitenhieben auf die Konkurrenz abzulenken. Man versuche den Dienst so schnell wie möglich zu skalieren, das aber ohne Menschen oder Haustiere zu gefährden. Eine Anspielung auf die eine oder andere Kontroverse, die sich Waymo mit dem Überfahren von Haustieren eingehandelt hat. Was er dabei nicht sagt: Generell sind die Unfallzahlen der Tesla Robotaxis deutlich schlechter als jene von Waymo – soweit sie überhaupt bekannt sind. Denn im Gegensatz zu Waymo will Tesla über solche Dinge lieber nicht öffentlich reden.
KI-Chef Elluswamy lässt sich von alldem jedenfalls nicht beeindrucken. Er bleibt dabei, dass ein Robotaxi rein mit der Nutzung von externen Kameras sicher fahren kann. Doch nicht nur das, er geht sogar so weit zu behaupten, dass mittlerweile bewiesen wäre, dass jene Unrecht hatten, die auf Lidar, Radar und andere zusätzliche Sensoren pochen – wie bei Waymo und anderen Herstellern.
Neue Hürden
Sein Problem: Das sehen viele anders. So wurde erst vor kurzem ein neuer Gesetzesvorschlag im US-Bundesstaat New Jersey eingebracht, der den Betrieb von Robotaxis ohne solche zusätzlichen Sensoren verbieten würde – aus Sicherheitsgründen.
Macht diese Initiative Schule, könnte Teslas Robotaxiplänen schon bald ein noch stärkerer Wind entgegenblasen. Dann könnte sich die Realität sogar noch weiter von den einstigen Versprechen entfernen. (Andreas Proschofsky, 25.7.2026)
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