Theater der Jugend eröffnet die Saison 2026/27 mit Renate Welsh
Neustart
Theater der Jugend eröffnet die Saison 2026/27 mit Renate Welsh
Die neue Direktorin Aslı Kışlal plant 286 Vorstellungen – darunter Erica Lilleggs "Vevi" oder die Österreich-Premiere von Tolkiens "Der Hobbit"
Margarete Affenzeller
Am Theater der Jugend (TdJ) weht ein neuer Wind. Die künstlerische Direktorin Aslı Kışlal ließ bei ihrer ersten Spielpanpressekonferenz am Donnerstag mit einem Programm aufhorchen, das Altes mit Neuem verbindet, das erlesene Namen aufbietet und das auf vielfältigen Bahnen und in Kooperationen das Interesse junger Menschen wecken möchte. Die acht Neuproduktionen behandeln Themen, mit denen sich heute heranwachsende Generationen konfrontiert sehen: Vorurteile, Mobbing, Vielsprachigkeit, Ausgrenzung, Krieg, Fantasie, Magie, Gemeinschaft und Freundschaft. Eröffnet wird am 13. Oktober mit einer Bühnenfassung von Renate Welshs Segregationsfantasie Alle Kinder nach Kinderstadt in der Regie von Simon Windisch.
Das aus zwei stattlichen Bühnen bestehende Theatertandem ändert ab sofort seinen Namen entsprechend der jeweiligen Adressen in TdJ Neubaugasse und TdJ Liliengasse. Das Renaissancetheater ist somit Geschichte. Ihr Ziel sei es, so Aslı Kışlal, 700 Kinder im Theatersaal zum Lachen zu bringen. Und dafür hat die Regisseurin und studierte Soziologin ein Händchen. Schon die Pressekonferenz verlief überdurchschnittlich heiter.
Lektüre-Besprechung
Denn im Sinne einer "lernenden Institution", als die sich das Theater der Jugend begreift, haben Kışlal und ihr Team in der Vorbereitung mit Schulen zusammengearbeitet. Die Stücktexte des Spielplans wurden mit Schülerinnen und Schülern besprochen. Videoaufzeichnungen davon gaben einen Eindruck davon, wie Sechs- bis Dreizehnjährige auf Stoffe wie Don Quixote ("Biskotte oder so ähnlich") oder das Doppelgängermotiv in Vevi reagieren. Das TdJ geht also "persönlich" in die Schulen, involviert sein Publikum konkret mit Lektüre. Wie unbefangen die Kinder über die Geschichten und ihre Figuren dem TdJ-Team gegenüber sprechen, zeigt, dass sie die Themen interessieren, sie reflektieren. Sie alle sind gespannt auf die theatrale Umsetzung.
Auf Renate Welsh folgt Sabrina Myriam Mohameds vielsprachige Gemeindebaugeschichte Komm runter! in der Bühnenfassung und Inszenierung von Niko Eleftheriadis. Für fünf Freundinnen steht in Wien nach den letzten Schultagen der Sommer vor der Tür und damit einige Herausforderungen. Um Vorurteile und Mobbing geht es im Vampir-Comic Der Zahn von Ayşe Klinge, den Ayşe Bosse für die Bühne adaptiert – es inszeniert Philine Bührer u.a. mit Maya Udovcic und Fatima Shehata.
Sechsköpfiges Ensemble
Ein Stückauftrag erging in Zusammenarbeit mit der Plaisiranstalt an den Autor Raoul Biltgen, der Cervantes' Ritterroman neu geschrieben hat; Quixote wird von Paola Aguilera inszeniert, u.a. mit Barča Baxant, die neu zum sechsköpfigen Ensemble zählt, zu dem weiters Uwe Achilles, Frank Engelhardt, Una Nowak, Stefan Rosenthal und Melanie Sidhu gehören. Neubearbeitungen ihrer jeweiligen Inszenierungen präsentieren einerseits Aslı Kışlal mit Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor von Joke van Leeuwen und andererseits Bérénice Hebenstreit, programmatische Leiterin des TdJ, die Erica Lilleggs Vevi neu adaptiert. Hinweis: Angeregt von Dramaturg Michael Isenberg erscheint das lange vergriffene Buch im Herbst endlich wieder – im Luftschacht-Verlag.
Auch eine Tanzproduktion gehört zum Spielplan. Valentin Alfery erarbeitet die Uraufführung Outcast (ab 13 Jahren), für die noch professionelle Tänzerinnen und Tänzer gesucht werden. Dazu wird es demnächst einen Open Call auf der Webseite des TdJ geben. Den Abschluss dieser ersten Spielzeit unter Aslı Kışlal macht im Mai Der Hobbit, basierend auf J.R.R. Tolkien bzw. der Bühnenfassung von Greg Banks, die als österreichische Erstaufführung von Christina Rast inszeniert wird – synchron zum Schauspielhaus Düsseldorf; ihre Neuinszenierung wird an die jeweiligen Häuser angepasst.
Das TdJ lobt mit Kooperationspartnern in Deutschland und Österreich sowie u.a. der Edith und Werner Rieder Stiftung einen Kinderstückpreis namens "Hugo" aus, benannt nach einer Figur von Christine Nöstlinger. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro. Die Auslastung betrug in der vorangegangenen Saison 95,22 Prozent, das waren in konkreten Zahlen 172.233 Theaterbesuche. Das Theater der Jugend hat aktuell 27.021 Abonnentinnen und Abonnenten. (Margarete Affenzeller, 17.9.2026)
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