Thorarolle aus Meimbressen nach 86 Jahren in Connecticut aufgetaucht
Stand: 06.09.2026, 08:00 Uhr
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Ein Rabbiner aus den USA hat eine Thorarolle entdeckt, die aus der 1938 zerstörten Synagoge in Meimbressen stammt. Auf dem Stoffband steht der Name Werner Voremberg – Großvater eines Israeli, der 2023 in dem Dorf seine Wurzeln suchte.
Meimbressen – Kurz vor seiner nächsten und damit dritten Stolpersteinverlegung erreichte den Verein Judaica in Meimbressen eine überraschende und erfreuliche Nachricht: In den USA ist eine aus der einstigen Meimbresser Synagoge stammende Thorarolle aufgetaucht. Zumindest deutet alles auf diese Herkunft hin. Nach der Verwüstung des Gebetshauses durch die Nazis im November 1938 und dem späteren Abriss zeugen in Meimbressen schon lange keine religiösen Relikte mehr von einst 600 Jahren jüdischen Lebens in dem Dorf an der Nebelbeeke.
Umso wertvoller erscheint nun das Überleben dieser Thorarolle, der auf Hebräisch handgeschriebenen heiligen Schrift des Judentums und damit Herzstück der jüdischen Kultusgemeinde. Zwar existierten noch vier weitere Thorarollen in Meimbressen. Sie wurden allerdings, weil im Pogrom geschändet und damit nicht mehr benutzbar, seinerzeit von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof rituell beerdigt. So heißt es in einem Zeitzeugenbericht.

Wie die Geschichte von der Wiederentdeckung begann: Aus dem US-Staat Connecticut fragte kürzlich ein Rabbiner beim Verein Judaica nach Kontaktdaten von Alon Voremberg, jenem jungen Israeli aus Haifa, der voriges Jahr in Meimbressen familiären Spuren seiner jüdischen Vorfahren nachspürte. Den HNA-Bericht über diesen Besuch hatte der Rabbi auf der Internetseite des Vereins entdeckt – im Zuge seiner Recherchen zum Namen Voremberg. Denn der spielt in dieser Geschichte die Schlüsselrolle.
„Werner Voremberg, geb. 30. 4. 1927“ steht in fein säuberlicher Handschrift auf dem langen, verzierten Stoffband, mit dem die Thorarolle in Connecticut umwickelt ist. Jahrhundertelang dienten vor allem im deutschsprachigen Judentum diese sogenannten Wimpel aus Leinen oder Baumwolle dazu, Thorarollen zusammenzuhalten. Der Thora-Wimpel aus vier aneinandergenähten langen Stoffbahnen wurde aus der Windel gefertigt, die ein männlicher Säugling am Tag seiner Beschneidung trug. In diesem Fall muss sie also Werner Voremberg getragen haben: der Großvater von Alon.

Die Mitteilung des Rabbis über die Existenz des Wimpels an Alon hat ihn und weitere Familienmitglieder zutiefst berührt. Werner Voremberg selbst erreichte die Nachricht nicht mehr, er starb 2017 in Israel. Meimbressen hatte er im September 1938 als Kind verlassen, gemeinsam mit seinen beiden älteren Brüdern und den Eltern. Sein Vater, der angesehene Meimbresser Viehhändler Jakob Voremberg, und seine Mutter Jenny hatten sich unter dem Eindruck schwerster Repressionen gerade noch rechtzeitig zur Emigration mit ihren Söhnen nach Erez-Israel durchgerungen. Als alter Mann kam Werner Voremberg auf Einladung seines Kindheitsfreundes Eberhard Wolff von Gudenberg 2006 noch einmal kurz zurück nach Meimbressen zur 1100-Jahr-Feier seines Geburtsortes.
Wie die Thorarolle mit dem eindeutig ihm und somit auch Meimbressen zuzuordnenden Wimpel in die USA gelangte, darüber kann nur spekuliert werden. Dass sie nach Meimbressen zurückkehren könnte, gilt als ausgeschlossen. Denn eine jüdische Gemeinde gibt es hier seit fast 90 Jahren nicht mehr.