Russland: Gefahr durch Bärenangriffe wächst – Fehler der Menschen lockt die Tiere an


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Alexander T. war Eishockeytrainer. Er war stark, ein „Bär von einem Mann“, wie man sagt. Doch das nutzte ihm nichts, als ihn beim Angeln in der sibirischen Region Tuwa ein echter Bär angriff. Mit schweren Verletzungen wurde er ins Krankenhaus eingeliefert und starb dort. Der knuddelige Teddybär ist der Hit bei Kindern. Der starke Bär ist Russlands Nationalsymbol. Doch in diesem Jahr ist der Bär in vielen Regionen vor allem eines: sehr gefährlich für die Anwohner.

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Die meisten Todesfälle gab es in der 3300 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region Krasnojarsk. Sieben Menschen starben dort durch Bärenangriffe. Eine Rentnerin wurde von einem Bären aus dem Fenster ihres Hauses gezerrt. Ein Schäfer starb, ein Wachmann auf einem Lkw-Parkplatz, Frauen, die im Wald Pilze sammelten. In der Region Altai zerrte ein Bär eine Touristin aus ihrem Zelt. Auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka durchbrach ein Bär einen Metallzaun und tötete den Wachmann einer Tankstelle. Die Liste ließe sich fortsetzen: Bären sind zur Gefahr geworden. Sie sind eben nicht knuddelig, sie können sich anschleichen wie eine Katze und bis zu 50 km/h schnell laufen. Ein Fluchtversuch wäre sinnlos.

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„Die Bäreninvasion im Osten des Landes hat eine hitzige Debatte unter Beamten, Jägern und Zoologen ausgelöst“, schreibt die Zeitung „Kommersant“. Gefordert würde „eine aggressivere Jagd auf die Raubtiere“. Am Angara-Fluss, der dem Baikalsee entspringt, und auch in der Region Burjatien sind inzwischen Wanderwege gesperrt, stellen Schulen auf Fernunterricht um, wird der Besuch von Wäldern und Friedhöfen eingeschränkt. Auch Ausgangssperren gibt es bereits in einigen Ortschaften. Im westsibirischen Gebiet Tomsk sind Ausflüge, Touristenveranstaltungen und andere öffentliche Veranstaltungen in Wäldern bis zum 1. November untersagt.

Braunbären haben sich in den letzten 15 Jahren stark vermehrt, die Population habe sich von 182.000 auf 308.000 erhöht, weiß man in den zuständigen Behörden. Doch der Bär an sich ist nicht gefährlich. Im Gegenteil: „Für Bären stellen Menschen eine potenzielle Gefahr dar, daher meiden sie normalerweise menschliche Siedlungen“, meint der Zoologe Andrej Kusnezow. „Sie nähern sich ihnen jedoch oft auf der Suche nach Nahrung, wenn die natürliche Nahrung im Wald knapp ist. Dies geschieht beispielsweise in Jahren mit geringer Nahrungsmenge, wenn das Wetter das Wachstum von Beeren, Nüssen, Gräsern und anderen Pflanzen, von denen sich Bären ernähren, beeinträchtigt.“

„Der Bär verliert seine Scheu vor Menschen“: Experte erklärt die Gründe

Die Bärengefahr sei durchaus menschengemacht, so der Zoologe. „Abholzung, Zerstörung von Lebensräumen und Störungen von Ökosystemen führen dazu, dass Tiere ihre traditionellen Nahrungsgründe verlieren.“ Hinzu kommt: Klimabedingte, verheerende Waldbrände schränken den natürlichen Lebensraum der Bären mehr und mehr ein.

Nahrung finden die Tiere dann in der Nähe menschlicher Siedlungen. Lebensmittelreste, Müllcontainer, Vorräte in Datschen sind leicht zugängliche Nahrungsquellen. Manche Menschen füttern sogar Bären, werfen Lebensmittel aus dem Auto und filmen den Bären beim Fressen mit dem Smartphone. Doch Bären sind lernfähig, sagt der Zoologe Kusnezow. „Nach und nach entwickelt das Tier eine Verbindung: Der Mensch und sein Zuhause sind eine Nahrungsquelle. Genau hier wird die Situation besonders gefährlich. Der Bär, der zuvor Menschen gemieden hat, verliert seine Scheu vor ihnen.“

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In den letzten Wochen sind in Russland mindestens 20 Menschen durch Bärenangriffe gestorben. Was also tun? Vorsicht ist das eine. Spezialeinheiten überwachen manche Gebiete mit Drohnen und Infrarotkameras. Die Jagd auf aggressive Bären ist das andere. Nach Zeitungsberichten wurden seit Sommer in Sibirien und im Fernen Osten über 400 Bären erlegt. Vielerorts gibt es Prämien für Jäger. Doch auch in Russland sind Bären geschützt. In ausgewiesenen Naturschutzgebieten dürfen Bären nicht getötet werden. In einigen Gebieten, etwa in der Region Moskau, steht der Bär auf der Roten Liste, die Jagd auf ihn ist generell verboten.

Es gebe zu strenge Vorschriften, beklagen viele Jäger. Maximal 30 Prozent des Bestandes dürften erlegt werden. Eine Genehmigung sei jeweils erforderlich. Diese sei auf einen Monat begrenzt. Nach Ablauf müsse man erneut eine Lizenz erwerben. Laut der Zeitung „Kommersant“ kündigte das zuständige russische Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt Nachbesserungen in der Jagdgesetzgebung an. Dazu hole man Vorschläge der einzelnen Regionen ein.