Tour de France Femmes: Koch, Niedermaier und Lippert im Dienst der Favoritinnen
Tourreporterin
Stand: 31.07.2026 • 19:28 Uhr
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte startet die Tour de France Femmes in der Schweiz. Dort am Start werden auch sechs deutsche Fahrerinnen stehen, darunter Paris-Roubaix-Siegerin Franziska Koch. Doch eigene Ambitionen zu verfolgen wird schwierig.
Irgendwie ist alles schöner und leckerer in der Schweiz: die Seen, die Berge, der Käse. Und so überrascht es nicht, dass der alljährliche Medientag der Tour de France Femmes nicht unweit vom Yachthafen Lausannes stattfindet. So ein großes Luxusboot wird sich die spätere Gesamtsiegerin von ihrem Preisgeld - 50.000 Euro sind es in diesem Jahr - nicht leisten können, an Motivation wird es den Top-Favoritinnen um Pauline Ferrand-Prevot, Demi Vollering und Kasia Niewiadoma wohl trotzdem nicht mangeln.
Zum Tour-Auftakt am Genfer See sind auch sechs deutsche Fahrerinnen am Start. Dass sich Hannah Ludwig, Rosa Maria Klöser sowie Linda Riedmann eher in den Dienst ihrer jeweiligen Kapitänin stellen werden, ist nicht überraschend. Aber auch Franziska Koch, Liane Lippert und Antonia Niedermaier werden nicht so viel Fokus auf die eigene Position im Gesamtklassement legen, wie man vielleicht denken könnte.
Edelhelferin Koch
Denn, obwohl Franziska Koch mit dem Sieg bei Paris-Roubaix zur Tour de France Femmes anreist, wird sie ihre persönlichen Ambitionen zurückschrauben müssen. Zu sehr ist die Strategie ihres französischen Teams FDJ United-Suez, zu dem sie erst in der aktuellen Saison wechselte, auf das Gelbe Trikot für Demi Vollering ausgerichtet. "Das ist das große Ziel und da werden wir alles für tun", so Koch am Sportschau-Mikrofon. "Am Ende das Gelbe Trikot zu gewinnen wäre ein Traum." Für Vollering wäre es nach 2023 der zweite Tour-Sieg ihrer Karriere.
Dabei ist Koch in Topform. Spätestens seit ihrem Triumph in Roubaix und ihren Tagen im Trikot der Gesamtführenden bei der Vuelta Femenina dürften nicht nur die ausgesprochenen Radsport-Experten die 26-Jährige auf dem Zettel haben. Und auch bei der diesjährigen Tour hätte die deutsche Meisterin gute Aussichten auf den ein oder anderen Etappensieg gehabt. Doch lediglich beim Zeitfahren bekommt Koch eine Freischein ihres Teams. Sie trägt es mit Professionalität. "Wir sind für das Gelbe Trikot hier. Ich stehe voll dahinter und hoffe, dass ich mein Bestes dazu beitragen kann."
Niedermaier als Co-Kapitänin
Ähnlich sieht es bei Antonia Niedermaier aus, die in diesem Jahr zum ersten Mal an der Tour de France Femmes teilnimmt. Sie hat mit Kasia Niewiadoma nämlich ebenfalls eine der ganz großen Favoritinnen auf den Toursieg im Team. Das heißt aber nicht, dass die 23-Jährige nicht selbst auf das Gesamtklassement schielt. Zu Recht, denn Niedermaier wurde erst im Juni Gesamt-Zweite beim Giro d’Italia, lediglich Vollering musste sie den Vortritt lassen.
Dementsprechend selbstbewusst geht sie in ihre erste Frankreich-Rundfahrt. "Mit dem zweiten Platz vom Giro herzukommen ist etwas Besonderes. Deshalb komme ich natürlich mit der Erwartung her, ein gutes Rennen zu fahren und das Team mit voller Kraft zu unterstützen", so die Fahrerin des deutschen Teams Canyon/Sram gegenüber der Sportschau. "Aber ich will auch schauen, dass ich eine gute Position einfahre. Das ist ja auch immer gut für das Team, wenn man mehrere Möglichkeiten hat."
Lippert eher zurückhaltend
Das Gesamtklassement hat auch Liane Lippert im Blick, jedoch nicht für sich selbst. Die Ludwigshafenerin fährt für die Schweizerin Marlen Reusser, die im Vergleich zum vergangenen Jahr, als sie mit einer Lebensmittelvergiftung aufgeben musste, topfit zur Tour anreist und damit auch zu den Favoritinnen auf den Gesamtsieg zählt. "Das hat auf jeden Fall Priorität", so Lippert im Sportschau-Interview. "Und dann ein Etappensieg wäre natürlich die Krönung des Ganzen."
Die Frage, ob sie selbst auf Etappenjagd gehen darf, beantwortet sie vage. Immerhin ist Lippert neben Ricarda Bauernfeind bisher die einzige Deutsche, der das je bei der Tour de France Femmes gelang. "Wenn es die Möglichkeit gibt, auf Etappen zu gehen, nutzen wir diese natürlich. Aber wir schauen einfach Tag für Tag." Ihre Kapitänin Marlen Reusser ist da im Gespräch deutlicher. "Wo Liane was abräumen kann, darf sie das sehr gerne. Ich glaube an Liane, sie ist super stark. Deshalb hoffe ich, dass es klappt und ich glaube auch, dass sie es kann. Ich hoffe, sie glaubt es selbst auch."