Trend auf Kreuzfahrtschiffen: Reederei geht gegen Quietschenten vor - aus Sicherheitsgründen
Trend auf Kreuzfahrtschiffen Reederei geht gegen Quietschenten vor - aus Sicherheitsgründen
Seit fast zehn Jahren gehen Quietscheentchen mit auf Kreuzfahrt und werden an Bord versteckt. Eine britische Reederei will damit jetzt Schluss machen – aus diversen Gründen.
09.09.2026 , 07:35 Uhr
Das Verstecken von Badeenten ist Tradition unter Kreuzfahrtgästen – immer mehr Reedereien wird es jedoch zu bunt.
Foto: IMAGO/Pond5 Images/xseaonwebx via imago-images.de
Auf Kreuzfahrten gibt es viele Traditionen wie etwa das Kapitänsdinner. Manche Traditionen machen aber die Gäste selbst. So gehört zum Beispiel das Verstecken von Quietscheenten für viele Kreuzfahrtfans inzwischen zum Urlaub dazu. Doch mehrere Reedereien gehen gegen den viralen Trend und andere Eigentümlichkeiten unter Kreuzfahrtfans vor. Marella Cruises bittet ihre Gäste nicht nur, die Gummienten zu Hause zu lassen – auch eine weitere beliebte Tradition ist unerwünscht.
Quietscheenten auf Kreuzfahrtschiffen: Marella Cruises greift durch
Wer auf einem Kreuzfahrtschiff eine kleine Gummiente findet, soll sie behalten, fotografieren und später möglicherweise an einem anderen Ort verstecken. Aus diesem kuriosen Zeitvertreib ist in den vergangenen Jahren eine weltweite Kreuzfahrt-Tradition geworden.
Damit soll bei Marella Cruises nun Schluss sein. Die britische Reederei hat ihre Gäste in einem Bordnewsletter aufgefordert, keine Quietscheenten, Spielzeuge oder andere persönliche Gegenstände auf dem Schiff oder in den Zielhäfen zurückzulassen oder zu verstecken.
„As much as we love a bit of personality, the ducks have started to drive us quackers“, heißt es in dem Schreiben. Sinngemäß: So sehr die Reederei ein wenig Persönlichkeit schätze – die Enten würden die Verantwortlichen allmählich in den Wahnsinn treiben. Die Hinweise wurden laut Berichten auf mindestens zwei Schiffen der Marella-Flotte entdeckt. Derzeit kursieren authentisch aussehende Schriftstücke auf Facebook, in denen sich die Reederei direkt an die Gäste wendet. Eine öffentlich bestätigte, flottenweite Pressemitteilung gibt es bislang nicht.
Reederei nennt Sicherheitsrisiko als Grund
Marella Cruises begründet die neue Vorgabe unter anderem mit Sicherheitsaspekten. Zurückgelassene Gegenstände könnten zu Hindernissen werden oder an Stellen liegen, an denen sie nicht hingehören. Die Crew müsse die Fundstücke deshalb regelmäßig einsammeln und entsorgen.
Auch der Umweltschutz spielt eine Rolle. Die Reederei erklärt in ihrem Pamphlet, dass sie den Verbrauch von Plastik reduzieren und Abfall vermeiden wolle. Das bewusste Zurücklassen von Kunststofffiguren passe nicht zu diesen Bemühungen.
Für Passagiere bedeutet die Regel: Die Quietscheente darf zwar möglicherweise noch mit in den Urlaub reisen. Sie soll aber nicht an Bord oder in einem Zielhafen versteckt und für andere Gäste zurückgelassen werden.
Auch eine weitere Tradition nervt die Reedereien
Marella Cruises geht zudem gegen einen zweiten beliebten Kreuzfahrtbrauch vor. Gäste sollen ihre Kabinentüren nicht mehr mit persönlichen Gegenständen schmücken.
Untersagt beziehungsweise unerwünscht sind laut Bordhinweis unter anderem:
- Flaggen und Banner
- Poster und Aufkleber
- Magnete
- sonstige persönliche Dekorationen
Die Reederei bittet darum, öffentliche Bereiche und Kabinentüren so zu hinterlassen, wie sie vorgefunden wurden. Als Gründe nennt Marella neben dem Erscheinungsbild des Schiffes ebenfalls Sicherheitsvorgaben. Die Crew könne Gegenstände entfernen, wenn sie an ungeeigneten Stellen angebracht wurden.
So wurde das Enten-Verstecken zur Kreuzfahrt-Tradition
Das Phänomen der versteckten Entchen soll auf eine Familienreise im Jahr 2018 zurückgehen. Damals versteckte ein kleines Mädchen während einer Kreuzfahrt in den USA aus Spaß mehrere Gummienten. Über soziale Netzwerke verbreitete sich die Idee weltweit.
Heute versehen viele Teilnehmer ihre Enten mit kleinen Anhängern. Darauf stehen meist der Name des Besitzers, das Schiff und das Datum der Reise. Wer eine Ente findet, kann sie behalten oder erneut verstecken. Fotos werden anschließend in sozialen Netzwerken oder unter Hashtags wie #cruisingducks geteilt.
In der Facebook-Gruppe „Cruising Ducks“ tauschen sich inzwischen fast 330.000 Mitglieder über ihre Funde und Verstecke aus. Teilweise finden Gäste auf Schiffen an die 60 Enten. Andere wiederum „prahlen“ regelrecht, wie viele Enten sie für die kommende Kreuzfahrt mit ihrem 3D-Drucker produziert haben. Eine wichtige Regel der Community lautet: Die Enten dürfen niemals über Bord geworfen werden.
Auch Disney Cruise Line und Royal Caribbean schränken den Trend ein
Marella Cruises ist nicht die einzige Reederei, die sich mit den kleinen Plastikfiguren beschäftigt. Disney Cruise Line hat seine Gäste ebenfalls aufgefordert, keine Enten mehr auf den Schiffen zu verstecken. Zudem gelten dort seit dem 3. Juni 2026 strengere Vorgaben für die Dekoration von Kabinentüren.
Royal Caribbean geht bislang weniger grundsätzlich vor. Auf bestimmten Schiffen dürfen die Enten zwar weiterhin versteckt werden – allerdings nicht überall. So ist das Platzieren der Figuren im begrünten Bereich „Central Park“ auf Schiffen der Oasis- und Icon-Klasse untersagt. Dort sollen die Pflanzen geschützt werden.
Eine einheitliche Regel für alle Kreuzfahrtanbieter oder ein regelrechtes Quietscheentchen-Verbot gibt es damit nicht. Was auf dem einen Schiff als lustiger Zeitvertreib gilt, kann auf einem anderen bereits als Sicherheits- oder Umweltproblem betrachtet werden.
(ceh)