Trump lehnt Irans Vorschlag ab – jetzt zieht der Ölpreis wieder an
Stand: 28.09.2026, 07:34 Uhr
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Kurzzeitig schien Entspannung am Persischen Golf möglich. Doch nach einer Entscheidung Donald Trumps dreht der Ölpreis wieder nach oben.
Frankfurt – Der Ölpreis ist zum Wochenstart wieder deutlich gestiegen. Auslöser ist die Ablehnung eines iranischen Friedensvorschlags durch US-Präsident Donald Trump. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Montagmorgen um rund 1,3 Prozent auf 105,64 Dollar je Barrel. US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um 0,8 Prozent auf 93,11 Dollar.

Damit verschärft sich die Lage am Ölmarkt erneut, nachdem in der vergangenen Woche zeitweise Hoffnung auf eine diplomatische Annäherung zwischen Washington und Teheran aufgekommen war. Für Verbraucher und Unternehmen in Deutschland erhöht ein dauerhaft hoher Ölpreis den Kostendruck. Ob und wie schnell sich die Entwicklung etwa bei Benzin, Diesel oder Heizöl bemerkbar macht, hängt allerdings auch von Wechselkurs, Raffineriemargen und den internationalen Produktmärkten ab.
Trump lehnt Irans Friedensvorschlag ab
Der Iran hatte den USA in der vergangenen Woche über katarische Vermittler einen neuen Vorschlag übermittelt. Bestandteil war unter anderem die Wiederöffnung der Straße von Hormus sowie eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen beiden Seiten.
Trump wies den Vorschlag am Samstag zurück. Ganz beendet ist die Diplomatie damit allerdings nicht: In einem Telefoninterview stellte der US-Präsident weitere Gespräche in dieser Woche in Aussicht. Die Aussicht auf eine schnelle Entspannung am Persischen Golf hat sich vorerst dennoch verschlechtert.
| Kennzahl | Aktueller Stand |
| Brent | 105,64 Dollar/Barre |
| Veränderung | +1,27 % |
| WTI | 93,11 Dollar/Barrel |
| Veränderung | +0,76 % |
| Nahost-Exporte September | 12,8 Mio. Barrel/Tag |
| Vor Kriegsbeginn im Februar | 18,8 Mio. Barrel/Tag |
Die Ölmärkte reagierten unmittelbar. Brent stieg wieder über die Marke von 105 Dollar. Damit bleibt Rohöl deutlich teurer als vor Beginn des Krieges Ende Februar, als Brent noch bei gut 72 Dollar je Barrel notierte.
Ölpreis bleibt unter bisherigem Kriegshoch
Vom bisherigen Höchststand während des Krieges ist der Ölpreis allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Ende April war Brent zeitweise auf rund 126 Dollar je Barrel gestiegen. Auch in der vergangenen Woche hatte der Preis nach neuen Angriffen der vom Iran unterstützten Huthi auf Saudi-Arabien zeitweise die Marke von 108 Dollar überschritten.
Die geopolitischen Risiken bleiben deshalb erheblich. Zuletzt feuerten die Huthi erneut Raketen und Drohnen auf Saudi-Arabien ab. Angriffe richteten sich auch gegen Energieinfrastruktur. Für den Ölmarkt wächst damit das Risiko, dass neben der eingeschränkten Passage durch die Straße von Hormus weitere wichtige Transportwege oder Förderanlagen ausfallen könnten.
Ölexporte aus dem Nahen Osten erholen sich
Auf der Angebotsseite gibt es gleichzeitig leichte Entspannung. Die Rohölexporte wichtiger Produzenten im Nahen Osten dürften im September nach Daten des Analyseunternehmens Kpler auf 12,8 Millionen Barrel pro Tag steigen. Das wäre der höchste Wert seit Beginn des Krieges im Februar.
Von einer Normalisierung ist die Region allerdings noch weit entfernt. Im Februar lagen die entsprechenden Exporte bei etwa 18,8 Millionen Barrel täglich. Trotz der jüngsten Erholung fehlen damit weiterhin rund sechs Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem Niveau vor dem Krieg.
Ein Grund für die höheren September-Exporte ist, dass wieder mehr Öl durch die Straße von Hormus transportiert wird. Kpler erwartet dort im September Lieferungen von rund 7,4 Millionen Barrel täglich. Saudi-Arabien hat Transportwege erneut angepasst, nachdem Angriffe auch die für den Export über das Rote Meer wichtige Ost-West-Pipeline beschädigt hatten.
Straße von Hormus bleibt Schlüssel für den Ölpreis
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Handelswegen für Energie weltweit. Vor dem Konflikt wurden durch die Meerenge Ölmengen transportiert, die etwa einem Fünftel des weltweiten Verbrauchs an flüssigen Erdölprodukten entsprachen. Gleichzeitig liefen mehr als 20 Prozent des global gehandelten Flüssigerdgases durch die Passage, vor allem Lieferungen aus Katar.
Alternative Pipelines können nur einen Teil dieser Mengen aufnehmen. Eine dauerhafte Blockade oder starke Einschränkung der Meerenge würde deshalb den Weltmarkt unmittelbar treffen. Genau aus diesem Grund reagieren Öl- und Gasmärkte besonders empfindlich auf jede Nachricht über mögliche Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.
Was der höhere Ölpreis für deutsche Autofahrer bedeutet
Für Verbraucher in Deutschland ist der Rohölpreis einer der wichtigsten Faktoren für die Kosten an den Tankstellen. Zuletzt kostete Super E10 im bundesweiten Durchschnitt rund 2,27 Euro je Liter, Diesel etwa 2,43 Euro. Nachdem der Ölpreis in der vergangenen Woche zeitweise deutlich gesunken war, hatte sich dieser Rückgang nach Einschätzung des ADAC allerdings nur teilweise an den Zapfsäulen bemerkbar gemacht.
Umgekehrt bedeutet ein steigender Brent-Preis nicht automatisch, dass Benzin und Diesel im gleichen Umfang teurer werden. Neben Rohöl spielen der Euro-Dollar-Wechselkurs sowie die Preise und Margen auf Raffinerie- und Großhandelsebene eine wichtige Rolle. Bleibt Öl jedoch über längere Zeit auf dem gegenwärtig hohen Niveau oder steigt weiter, nimmt der Preisdruck auf Kraftstoffe und Heizöl erneut zu.
Auch Unternehmen trifft ein höheres Ölpreisniveau über Transport-, Logistik- und Produktionskosten. Besonders empfindlich reagieren Branchen, die Erdöl nicht nur als Energieträger, sondern auch als Rohstoff einsetzen, etwa Teile der chemischen Industrie. (Quellen: Reuters, Kpler, Washington Post) (mare)