Türkei will Interpol-Fahndung nach Netanjahu wegen Gaza-Flotille


Nahostkonflikt

Türkei will Interpol-Fahndung nach Netanjahu wegen Gaza-Flotille

Israelische Streitkräfte hatten in internationalen Gewässern das Feuer auf mindestens zwei Schiffe der "Global Sumud Flotilla" eröffnet

Istanbul – Die Türkei will den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu international zur Fahndung ausschreiben lassen. Das Justizministerium in Ankara habe beim Innenministerium beantragt, bei der Polizeiorganisation Interpol eine sogenannte "Red Notice" zu erwirken, teilte Justizminister Akin Gürlek am Freitag auf der Plattform X mit. Hintergrund ist ein türkisches Strafverfahren im Zusammenhang mit einem israelischen Angriff auf eine Hilfsflotte für den Gazastreifen im Mai. Das Nato-Mitglied Türkei gehört zu den schärfsten Kritikern von Israels militärischem Vorgehen im Gazastreifen und hat nationale Haftbefehle gegen Netanjahu erlassen. Die Regierung in Ankara wirft Israel Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das Völkerrecht vor. Israel weist diese Anschuldigungen zurück.

Das Büro Netanjahus zeigte sich auf Anfrage gelassen, kritisierte den Vorstoß der Türkei bei Interpol aber zugleich mit scharfen Worten. Der "erbärmliche Versuch" des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, die Führung und die Soldaten Israels als der "einzigen wahren Demokratie im Nahen Osten" einzuschüchtern, werde ins Leere laufen, teilte das Büro mit.

Ermittlungen gegen 35 Personen

Justizminister Gürlek erklärte weiter, die Türkei werde alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um Israel zur Rechenschaft zu ziehen. Das türkische Verfahren richtet sich demnach gegen insgesamt 35 Personen. Im Mai hatten israelische Streitkräfte in internationalen Gewässern das Feuer auf mindestens zwei Schiffe der "Global Sumud Flotilla" eröffnet. Die Aktivisten hatten erneut versucht, Hilfsgüter in das Palästinensergebiet zu bringen. Nach ihrer Festnahme warfen australische Aktivisten den israelischen Behörden schwere Misshandlungen vor. Zuvor hatte das israelische Militär auf offener See bereits 50 Boote mit 430 Freiwilligen aus 40 Ländern abgefangen.

Israelische Marinekräfte befinden sich an Bord des Schiffs „Oxygono“, Teil der Global Sumud Flotilla, das laut Organisatoren der Flotilla abgefangen wurde.
Israeilsche Soldaten entern die "Oxygono", Oktober 2025

Eine "Red Notice" von Interpol ist ein Ersuchen an Polizeibehörden weltweit, eine Person ausfindig zu machen und bis zu einer möglichen Auslieferung vorläufig festzunehmen. Interpol prüft solche Anträge der Mitgliedstaaten vor einer Entscheidung. (Reuters, 21.8.2026)

Forum: 251 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.