Ukraine-Krieg: Drohnen-Attacke auf 21 russische Öltanker
Wichtige Updates
Kiew: Russische Verluste hoch und Eroberungstempo halbiert
Tschechien warnt die Ukraine – Eskalation in zwei Monaten?
Russland stoppt Export von Diesel wegen Treibstoffkrise
Erneut russischer Angriff mit ballistischen Raketen auf Kiew
Patricia von Thien

Ukraine beschießt 21 russische Öltanker
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben in der Nacht weitere 21 russische Öltanker im Asowschen Meer mit Drohnen attackiert. Neben den Tankern hätten die Drohnen auch vier Schlepper, zwei Trockenfrachter und einen Schwimmbagger getroffen, teilte der Generalstab in Kiew bei Telegram mit. Das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft, heißt es. Es wäre die zahlenmäßig größte Attacke einer schon seit Tagen laufenden Angriffswelle.
Russland hatte zuvor deutlich geringere Angaben zu dem Beschuss gemacht. So schrieb der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljussar, in der Nacht seien vier Schiffe auf See angegriffen worden. "Ein Mensch wurde getötet, der Matrose auf einem technischen Schiff", teilte er auf Telegram mit. Seinen Angaben nach sind die Schäden an Bord – unter anderem bei einem Tanker, der hochentzündlichen Methanol geladen habe – gering. Es bestehe keine Gefahr, dass die Fracht auslaufe.
Unabhängig lassen sich die Angaben beider Kriegsparteien nicht überprüfen. Schon in den vergangenen Tagen hatte die Ukraine immer wieder Schiffe auf dem Asowschen Meer, aber auch Umschlagkapazitäten an Land wie den Hafen in Taganrog angegriffen. Kiew zielt eigenen Angaben nach darauf, die Treibstoffversorgung der im Süden und Osten der Ukraine stationierten russischen Truppen und den lukrativen russischen Ölexport zu unterbinden.
Philipp Luther

Armeechef sieht ukrainische Truppen „weit von Wende im Krieg entfernt“
Der ukrainische Armeechef Oleksandr Syrsky hält die ukrainischen Truppen im Krieg mit Russland zwar für gut aufgestellt, sieht eine „Wende im Krieg“ aber noch in weiter Ferne. Obwohl die russische Armee über „fast die doppelte Menge an Personal und Ausrüstung“ verfüge, habe der Kreml seine Ziele nicht erreicht, erklärte Syrsky im Onlinedienst Telegram. Der Feind dürfe aber „nicht unterschätzt werden“.
Zwar gehe die russische Armee weniger oft in die Offensive und erleide dabei schwere Verluste,während Kiew eine „Strategie der Auszehrung“ verfolge.
Auch die ukrainischen Angriffe mit weitreichenden Waffen, mit denen seit Jahresbeginn Syrsky zufolge fast 700 Ziele in Russland ins Visier genommen wurden, richteten ihm zufolge große Schäden an. Allerdings nehme „die Intensität der Raketen- und Drohnenangriffe“ Russlands ebenso zu wie „der Einsatz von Lenkbomben und die Zahl der gegen die Zivilbevölkerung begangenen Verbrechen“, erklärte Syrsky weiter.
Philipp Luther

Tobias Köberlein
Kiew: Russische Verluste hoch und Eroberungstempo halbiert
Das russische Militär hat nach Angaben aus Kiew im ersten Halbjahr 2026 trotz extrem hoher Verluste weniger als halb so viel ukrainisches Territorium erobert wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Russland habe eine großangelegte Offensive geplant, aber praktisch keins seiner gesteckten Ziele erreicht, schrieb der Oberbefehlshaber der ukrainischen Truppen, Olexander Syrskyj, bei Telegram.
Die Ukraine verteidige sich weiter und habe an einzelnen Frontabschnitten die Initiative übernommen. "Dank der aktiven Handlungen der Verteidiger ist im ersten Halbjahr 2026 das Tempo des Vorrückens russischer Truppen um mehr als die Hälfte gesunken", schrieb er.
Das schleppende Vorankommen der russischen Truppen bestätigen auch unabhängige Militäranalysten. Laut Syrskyj ist es den Ukrainern zuletzt sogar gelungen, annähernd so viel Territorium zurückzuerobern, wie sie an anderer Stelle verloren haben.
Patricia von Thien

Moskau meldet 376 abgefangene ukrainische Drohnen – Brände in Ölanlagen
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben aus Moskau in der Nacht zum Freitag 376 ukrainische Drohnen über Russland abgefangen. Die Drohnen hätten unter anderem die russische Region der Hauptstadt Moskau zum Ziel gehabt, teilte Russlands Verteidigungsministerium im staatlichen Onlinedienst Max mit. Nach Angaben örtlicher Behörden lösten ukrainische Drohnenangriffe außerdem Feuer an mehreren Ölanlagen im Süden Russlands aus.
Trümmerteile einer Drohne verursachten in einer Ölraffinerie in der Region Krasnodar einen Brand, wie die örtlichen Behörden mitteilten. In zwei Treibstofflagern im Bezirk Asow brachen demnach ebenfalls Feuer aus. Im Bezirk Sewerskaja, wo sich eine Ölraffinerie befindet, gingen ebenfalls Trümmerteile einer Drohne nieder, darunter im Hof eines Wohnhauses, wie das regionale Einsatzkommando im Onlinedienst Telegram mitteilte. Die Behörden meldeten zunächst keine Opfer.
Patricia von Thien

Tschechien warnt die Ukraine – Eskalation in zwei Monaten?
Droht der Krieg in der Ukraine eine neue Stufe der Eskalation zu erreichen? Davor warnt nun der tschechische Präsident Petr Pavel. Der ehemalige Nato-General sagte in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Telegraph", dass ein Datum in zwei Monaten dabei entscheidend sei: der 20. September. An diesem Tag sind Parlamentswahlen in Russland. Nach den Wahlen, so Pavels Befürchtung, könnte der russische Präsident Wladimir Putin eine Generalmobilmachung ankündigen.
"Bis dahin gibt es ein Zeitfenster, um Russland klarzumachen, dass wir bereit sind, Verhandlungen aufzunehmen", so Pavel im Interview. "Präsident Putin wird kaum schon vorher eine Mobilmachung verkünden; doch sobald die Wahlen vorbei sind, wird sich das Zeitfenster verengen."
Deshalb müsse der Druck auf Russland aufrechterhalten werden, um auf Friedensgespräche zuzusteuern. Laut Pavel wendet sich die russische Bevölkerung zunehmend gegen den Krieg. Putin werde Schwierigkeiten haben, im eigenen Land für Ruhe zu sorgen. "Und sollte dieser Druck anhalten und die Ukraine weiterhin in der Lage sein, erfolgreich Ziele tief im russischen Staatsgebiet anzugreifen, so wird dies Bedingungen schaffen, unter denen Russland eher zu Verhandlungen bereit sein dürfte."
Louisa Thönig

Paris: 500 Soldaten der Ukraine-Koalition bei Militärparade zum Nationalfeiertag
Die diesjährige große Militärparade zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli werden rund 500 Soldaten der sogenannten Koalition der Willigen zur Unterstützung der Ukraine eröffnen. Wie der Elysée-Palast am Donnerstag mitteilte, werden auch 25 ukrainische Soldaten nach den etwa 500 Soldaten der Ukraine-Koalition in Paris mitmarschieren. Dies sei ein „starkes Symbol“ Europas, das sich der „Gefährlichkeit der Welt“ bewusst sei und dass es sein „Schicksal in die Hände nehmen“ müsse.
Zu der traditionellen Militärparade auf dem Prachtboulevard Champs-Elysées werden rund 30 Staats- und Regierungschefs als Gäste erwaretet. Die genaue Liste der Gäste wurde noch nicht veröffentlicht. Aber die Teilnahme des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie von Vertretern aus Deutschland, Italien und Spanien wurde bereits angekündigt. Bei der Parade wird ein „Rekord“ erwartet mit etwa 6800 Soldaten zu Fuß neben den Fahrzeugen und Flugzeugen.
Louisa Thönig

Russland stoppt Export von Diesel wegen Treibstoffkrise
Während Kremlchef Wladimir Putin die Treibstoffkrise in Russland als vorübergehend einstuft, hat die Regierung in Moskau den Export von Diesel gestoppt und mit der Einfuhr von Kraftstoffen begonnen. "Heute haben wir den Export von Diesel verboten, was uns erlaubt, die Lieferungen auf den Binnenmarkt zu erhöhen", sagte Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak auf einer von Putin einberufenen Sitzung zur Lage im Energiesektor.
Vor russischen Tankstellen stehen Autofahrer teils in kilometerlangen Schlangen, um Sprit zu ergattern. Nowak sprach von einer angespannten Marktlage. Hintergrund ist, dass die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion zuletzt zahlreiche Ölverarbeitungsanlagen mit Drohnenangriffen außer Betrieb gesetzt hat.
Der für den Energiesektor zuständige Vizeregierungschef berichtete über Stützungsmaßnahmen des Kabinetts. So werde Russland in diesem Monat auch mit dem Import von Treibstoffen beginnen, um die Lage zu entspannen. Die Eigenproduktion soll dadurch stabilisiert werden, dass Raffinerien planmäßige Reparaturen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Nach Darstellung Nowaks verschärft sich die Krise durch die beginnende Erntezeit und eine höhere Nachfrage der Autofahrer nach Benzin. Bereits im April hatte Moskau ein Verbot für die Ausfuhr von Benzin verhängt. Trotzdem gibt es an vielen Tankstellen kein Benzin mehr, andere geben Sprit nur noch in begrenzten Mengen ab.
Putin sieht kein größeres ProblemPutin selbst bemühte sich einmal mehr, die durch den von ihm befohlenen Krieg gegen die Ukraine entstandenen wirtschaftlichen Probleme kleinzureden. Kiew versuche mit Schlägen gegen die Energieinfrastruktur der russischen Wirtschaft zu schaden und Nervosität im Land zu erzeugen. "Wir alle hier verstehen, dass diese Aufgabe unerfüllbar ist", sagte der Kremlchef. Russlands Energiesektor habe einen der größten Sicherheitspuffer weltweit. Es sei nur nötig, die Arbeit mit den Ölkonzernen so zu organisieren, dass sie überflüssigen Treibstoff nicht als Reserve für die eigene Tankstellenkette vorhielten, sondern mit unabhängigen Anbietern teilten, ordnete Putin an. Die derzeitigen Engpässe hätten vorübergehenden Charakter.
Mit ihren Schlägen gegen russische Raffinerien hat die Ukraine einen beträchtlichen Teil der Verarbeitungskapazitäten getroffen. Die ursprünglich auf der von Russland 2014 annektierten Krim begonnene Treibstoffkrise hat inzwischen fast alle Regionen des Landes ergriffen.
Louisa Thönig

Tote nach russischem Raketenschlag auf Odessa
In der südukrainischen Hafenstadt Odessa sind mindestens zwei Menschen bei einem russischen Raketenschlag getötet worden. Zwei weitere Menschen seien verletzt worden, teilte der Chef der Militärverwaltung der Millionenstadt, Serhij Lyssak, bei Telegram mit. Bei dem Angriff wurde demnach nicht genannte Infrastruktur beschädigt. Zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe vor ballistischen russischen Raketen gewarnt.
Louisa Thönig

Trump verwirft Moskau als Treffpunkt für Putin und Selenskyj
US-Präsident Donald Trump rechnet im Zusammenhang mit möglichen Friedensgesprächen Russlands und der Ukraine mit einem Treffen zwischen Kremlchef Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Bei einem Treffen mit Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels in Ankara sagte Trump, Putin habe als Ort für ein Treffen "idealerweise Moskau" vorgeschlagen. Er habe darauf erwidert: "Du wirst dich nicht in Moskau treffen – das funktioniert einfach nicht."
Er habe sich dabei in Selenskyjs Lage versetzt, sagte Trump weiter. Von Trump gefragt, ob er doch nach Moskau reisen würde, erwiderte der ukrainische Präsident: "Das ist schwierig. Es gibt viele ukrainische Drohnen dort." Die Ukraine greift in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion immer wieder auch Ziele in der russischen Hauptstadt an.
Ein Treffen werde aber auf die eine oder andere Weise stattfinden, zeigte sich Trump überzeugt. "Etwas Positives wird passieren", sagte er.
Eine künftige Reise in die Ukraine schloss Trump ausdrücklich nicht aus. Auf die Frage, ob er die ukrainische Hauptstadt Kiew besuchen werde, sagte er: "Ja, würde ich." Zugleich fügte er hinzu, dass er dies lieber nach einem Ende des Krieges tun würde: "Ich hätte lieber, dass der Krieg vorbei ist." Sein Sicherheitsteam wäre von einer Reise während des Krieges auch wohl kaum begeistert, fügte er mit ironischem Unterton hinzu. Kiew sei aber auf jeden Fall eine "wunderschöne Stadt".
Louisa Thönig

Tote durch russische Drohnenangriffe in Kiew
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind durch russische Drohnenangriffe im Laufe des Tages mindestens drei Menschen getötet worden. Weitere zehn Menschen seien verletzt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko bei Telegram mit. Am Ostufer der Stadt gab es demnach Einschläge in ein Hochhaus und unweit einer Gasverteilstation.
Philipp Luther

Ukraine schießt offenbar russische SU-35 ab
An der Front im Osten der Ukraine ist am Mittwochnachmittag ein modernes russisches Kampfflugzeug abgeschossen worden. Das teilte das ukrainische Luftwaffenkommando mit. Kurze Zeit später meldeten mehrere führende militärische Beobachter und Open-Source-Intelligence-Kanäle (OSINT), darunter Ukrainian Front und GirkinGirkin, den Verlust übereinstimmend als „bestätigt“.
Den Berichten zufolge handelt es sich bei der abgeschossenen Maschine um ein Mehrzweckkampfflugzeug vom Typ Suchoi Su-35 (NATO-Codename: Flanker-E). Der Vorfall ereignete sich im östlichen Luftraum, der seit Wochen Schauplatz intensiver russischer Luftangriffe mit gelenkten Gleitbomben ist. Die Rede ist von einem Luftkampf, in dem eine ukrainische F-16 das russische Jagdflugzeug abgeschossen haben soll. Der Pilot habe den Abschuss überlebt, heißt es.
Jonas Stein

Merz: Russland hat „keine Chance“ auf Sieg in der Ukraine
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat beim Nato-Gipfel in der türkischen Hauptstadt Ankara die Unterstützung der Mitgliedsländer für die Ukraine bekräftigt. „Wir werden der Ukraine weiter helfen“, erklärte Merz vor Beginn der Beratungen am Mittwoch. Deshalb sei eine Initiative zur Unterstützung Kiews im Volumen von 70 Milliarden Euro auf den Weg gebracht worden. Russland habe „keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen“, und „keine Chance, die Kriegsziele zu erreichen“, fügte er hinzu.
Jonas Stein

Zwei russische Raffinerien brennen nach Drohnenangriffen
Die ukrainische Armee hat Russland erneut mit Drohnenangriffen bis tief ins Hinterland überzogen und auf die Ölindustrie des Gegners gezielt. In den Raffinerien von Saratow an der Wolga und Nischnekamsk in Tatarstan brachen Brände aus, wie ukrainische und russische Telegramkanäle berichteten.
In Saratow knapp 800 Kilometer von der Ukraine entfernt wurde nach Angaben von Gouverneur Roman Bussargin ein Mann getötet. Er bestätigte ansonsten nur Schäden an der zivilen Infrastruktur. Nischnekamsk liegt etwa 1.200 Kilometer von ukrainischem Gebiet entfernt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Attacken auf die beiden Raffinerien. Seinen Angaben nach hat das ihm unterstellte Militär zudem auch Ziele in den Regionen Woronesch und Baschkortostan angegriffen. Das genaue Ziel dieser Attacken nannte er dabei nicht.
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, bis zum Morgen seien über russischem Gebiet 415 feindliche Drohnen abgefangen worden. Solche Zahlen sind nicht unabhängig überprüfbar, sie deuten aber auf einen großen Angriff hin. Ein Brand wurde auch von einem Militärflugplatz im Gebiet Woronesch südlich von Moskau gemeldet.
Mehr laden