Abholzung im Amazonasgebiet auf Zehnjahrestief


Die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet ist so niedrig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Nach Daten des Nationalen Instituts für Weltraumforschung wurden zwischen August 2025 und Juli 2026 rund 2874 Quadratkilometer abgeholzt. Das sind rund 36 Prozent weniger als in den zwölf Monaten zuvor sowie der niedrigste Wert, seit es Daten des Echtzeit-Systems zur Erkennung von Entwaldung gibt, wie das Wissenschaftsministerium mitteilte.

„Wir haben die niedrigste Entwaldungsrate seit 2016 verkünden können“, sagte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Samstag bei einer Veranstaltung der Bewegung der obdachlosen Arbeiternehmer in Taboão da Serra in der Nähe der Großstadt São Paulo. Das sei „fantastisch“.

Wichtige Funktion für das Klima

Lula hatte bei seinem Amtsantritt Anfang 2023 angekündigt, den Umwelt- und Klimaschutz stärken zu wollen. Die Entwaldung soll bis 2030 auf null sinken. Der Amazonas-Regenwald gilt als CO₂-Speicher und hat eine wichtige Funktion im internationalen Kampf gegen den Klimawandel.

Die Überwachungsinitiative MapBiomas hatte zuletzt auch einen Rückgang der Waldbrände im Amazonasgebiet gemeldet. Rund 3,1 Millionen Hektar waren demnach im vergangenen Jahr von Bränden betroffen, rund 80 Prozent weniger als im Vorjahr.

Lula tritt noch einmal an – gegen Bolsonaros Sohn

Der 80-jährige Lula geht bei der Präsidentenwahl am 4. Oktober als Kandidat der linken Arbeiterpartei (PT) erneut ins Rennen. Sein wichtigster Herausforderer ist Flávio Bolsonaro, der Sohn des ehemaligen rechtsgerichteten Präsidenten Jair Bolsonaro.

Während der Amtszeit Bolsonaros zwischen 2019 und 2022 hatten Abholzungen und Brandrodungen stark zugenommen. Der Ex-Militär sah die Region vor allem als ungenutztes wirtschaftliches Potenzial und ließ Farmern und Goldschürfern bei der Landnahme weitgehend freie Hand. Den Kontrollbehörden kürzte er Gelder oder entzog ihnen ihre Kompetenzen.