Unterwegs in der Shopping City Süd: Ist die SCS immer noch ein Sehnsuchtsort?
Reportage
Unterwegs in der Shopping City Süd: Ist die SCS immer noch ein Sehnsuchtsort?
Als Teenagerin war unsere Autorin früher selbst oft in dem Einkaufszentrum unterwegs. Anlässlich des 50. Jubiläums der SCS hat sie diese wieder einmal besucht
Leonie Tupy
Der Besuch der SCS beginnt mit einem kleinen Schock. Ich stehe vor einem Geschäft im ersten Stock, eine Plakatwand verdeckt das Schaufenster: "Bald verfügbar", steht da. Eine SCS ohne Hollister? Für mich unvorstellbar. Das Geschäft durfte früher bei meinen SCS-Besuchen nie fehlen. Aber der Schreck hält nur kurz an: Einmal ums Eck gegangen hat der andere Eingang ganz normal offen.
Ich betrete das Geschäft und fühle mich gleich wieder zurückversetzt in mein dreizehnjähriges Ich: Die graublaue Boden- und Wandverkleidung, die laute Musik, die ich immer cool und meine Mama immer lästig fand. Eine Verkäuferin erzählt mir, die Filiale werde umgebaut, deswegen die Absperrung und die Plakatwand. Während wir früher hier auf der Suche nach der perfekten "Skinny"-Jeans waren, liegen jetzt "Low-Rise Bootcut"-Jeans auf den Präsentiertischen. Und das Grauen meines dreizehnjährigen Ichs: Capri Hosen. Heute habe ich selbst eine daheim.
Vor fast zehn Jahren, da war ich dreizehn, waren meine Freundinnen und ich nach der Schule oft in der SCS. Seit ich selbst Studentin bin und mehr Zeit in den Wiener Innenbezirken verbringe, verschlägt es mich nur mehr selten nach Vösendorf.
Amerika-Feeling mit Sektbar
Meine heutige Reise in die SCS startet mit einer Fahrt in der Badner-Bahn. Auch die hat mittlerweile ein Makeover bekommen: Holz-Sitze und Steckdosen. Ausstieg an der Station Vösendorf SCS, durch die Fußgänger-Unterführung und hinein in das Einkaufszentrum. Modernes Flair, glänzende Böden und generische Musik. Noch ist nicht viel los – es ist ungefähr 13 Uhr an einem Mittwoch. Zwei Mütter schlendern vor mir: Eine Hand am Kinderwagen in der anderen einen Starbucks Kaffee, der darf bei der richtigen "Mall Experience" schließlich nicht fehlen.
Vor dem Humanic ist jetzt ein Radatz und eine Sektbar. Alles wirkt ansprechender als früher. Der Radatz ist gesteckt voll – es ist 13:30 Uhr. In der Sektbar sitzen zwei Damen mit einem Sarti Spritz, Karina und Brigitte. Normalerweise trinken sie aber heute wird etwas Neues ausprobiert. Der Anlass: Karinas Geburtstag. Eine langjährige Tradition des Mutter-Tochter-Duos: Frühstück, Drinks und Bummeln in der SCS. Über das SCS Jubiläum haben die beiden per Newsletter erfahren. "Moderner ist es geworden", erzählt Brigitte. Und das Gastro-Angebot viel besser.
"Es gibt kein gutes Kaffeehaus"
Es geht vorbei am Ikea: Im Bistro sitzen eine Mutter und ihr Kind beim Hotdog Essen, ein Pärchen schiebt einen voll beladenen Einkaufswagen Richtung Parkplatz. Dann bin ich auch schon am hinteren Teil der SCS angekommen. Le Burger, Ebi, Il Pazzi: Hier kann man mittlerweile zwischen rund 20 Lokalen auswählen.
Auffallend: Mitten am Weg stehen immer wieder schwarz gepolsterte Bänke mit roter Lehne und eingebauten Steckdosen. Auf einer davon logiert ein schick angezogener Herr mit Brille und schaut auf sein Handy. Er habe gerade zu Mittag gegessen, erzählt Horst: Schinkenpizza und Cola Zero beim Italiener. Das mache er ein-, zweimal im Monat. "Die SCS liegt praktisch", sagt er, auf dem Weg zur Arbeit. Er kenne die SCS ziemlich von Anfang an. Was er schade findet: "Es gibt kein gutes Kaffeehaus, das zu Mittag offen hat. Nach meinem Mittagessen würde ich gerne einen guten Espresso trinken."
Zum Trainieren ins Einkaufszentrum
Was mir auch auffällt: Neben dem Kino und dem Gastronomiebereich, in dem ich Horst getroffen habe, gibt es gleich mehrere Geschäfte, die Proteinpulver, Kreatin und Energieriegel verkaufen. Im ersten Stock außerdem zu finden: Ein Fitnessstudio. Das ist für mich neu. Auf dem Weg dorthin treffe ich eine junge Frau: Bahriye. Sie ist auf dem Weg zum Trainieren, ihre silberne "Gym Bag" trägt sie in der Hand. Das Fitnessstudio habe sie ausgesucht, weil es nahe ist. Aufgewachsen ist sie in Mödling, die SCS begleitet sie schon lange. "Früher hat es mir besser gefallen, aber das liegt wahrscheinlich einfach an den Kindheitserinnerungen", erzählt sie mir.
"Shoppen und Geldausgeben"
Jetzt ist der erste Stock dran: Auf dem Weg zurück dauert es nicht lang bis man wieder in einer Gastromeile landet. Mittlerweile ist deutlich mehr los und gerade bei den Essensgeschäften ist der Lärmpegel sehr hoch. Neben mir zieht ein kleines Mädchen einen gelben Plastiksessel über den glänzenden Boden. Das quietscht. Gestresste Familien mit Kinderwägen, Pärchen, alte Ehepaare. Ich treffe zwei Mädels, die gerade "eine rauchen" gehen wollen und begleite sie hinaus. Die kühle Luft, die mir beim Öffnen der Drehtür entgegenschlägt, tut nach einer Stunde im grellen beleuchteten Einkaufszentrum gut.
Die beiden heißen Sabrina und Kathi. Sie arbeiten im "DSTRCT", District ausgesprochen, eine Entertainment-Halle in der SCS. Dort gibt es Minigolf, Escape-Rooms, Bowling und Arcade-Spiele. Essen natürlich auch. "Unser Pizzakoch Ali macht die beste Prosciutto Pizza mit Rucola" erzählen die beiden mir lachend. Heute haben sie frei und sind trotzdem da. Zum "Shoppen und Geldausgeben". Sabrina schmunzelt. "Nach dem großen Umbau schaut es viel besser aus. Es sind auch wieder mehr Menschen", erzählt Kathi. Das Einzige, was sie vermisst: einen Sephora.
Mädelstag im Billig-Discounter
Ich schlendere weiter durch den ersten Stock, vorbei an schlafenden Menschen in Massage-Sesseln. Vorbei an Hollister und ein paar Türen weiter an einem leeren Polo Ralph Lauren Shop. Und dann sehe ich den Primark.
Der riesige Discounter hat alles, was das Shopping-Herz begehrt: Glitzer-Lidschatten. Teddy-Plüsch-Socken. Trendy Taschen. Schuhe für jeden Anlass. Kleidung zum Umfallen. Und das zu Billigpreisen (und Billigqualität). Dementsprechend voll ist das Geschäft. Manche karren ganze Einkaufswägen voll beladen durch die Gänge des Ladens. Securitys, Verkäuferinnen und Verkäufer tragen Headsets, um zu kommunizieren. Ich bin überfordert von den ganzen Eindrücken und verlasse das Geschäft wieder.
Eine wichtige Station fehlt noch: Bershka. Ein spanischer Retailer, in dem auch ich damals zahlreiche Stunden verbracht habe. Allerdings war die Modekette damals noch in einem Geschäftsraum untergebracht, der halb so groß war wie der heutige. Davor treffe ich drei junge Frauen, die auf Shoppingtour sind. Einen "Mädelstag" machen sie, erzählt eine von ihnen.
"Eigentlich sind wir wegen der Primark Pyjamas da," lacht ihre Freundin. Die Pyjamas im Lebkuchen und Weihnachts-Design sind bereits in den Einkaufsackerln. Zu Zara, New Yorker und H&M geht das Trio auch gerne. Eine von ihnen ist sogar einmal im Monat da zum Shoppen. Oder zum Freundinnen treffen. Der Lieblings-Essens-Spot der drei: Ikea Hotdogs. Da geht es jetzt auch gleich hin, erzählen sie mir.
Zum Abschluss einen Kaffee
Zum Abschluss steht noch ein Besuch an, der früher definitiv zu meinen Highlights gehört hat: Starbucks. Ganz in amerikanischer Tradition. In der Filiale sind die Bänke mittlerweile voll besetzt, es gibt sogar eine kleine Schlange an der Kassa. Ich stelle mich an und vor mir bestellt jemand einen Kaffee "mit viel Schlagsahne bitte". Schon höre ich einen Mann hinterher entnervt murmeln "Des hoast Schlagobers ned Schlagsahne". Wir sind halt doch noch in Österreich.
Der Jahreszeit getreu und Erinnerung wegen bestelle ich einen "Pumpkin Spice Caramel Macchiato", heute allerdings nicht mit Kuh-, sondern Hafermilch. Manche Dinge ändern sich eben doch. (Leonie Tupy, 20.10.2026)
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