Uralte Fähigkeit erlebt ein Comeback an deutschen Schulen – „werden sich schwertun“


Stand: 22.08.2026, 06:28 Uhr

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Dänemark führt Kontrollen ein, weil Schüler beim Schreiben zu oft zur KI greifen. Könnte das auch in deutschen Schulen Sinn ergeben?

Hamburg – Eine Erörterung über ein Handy-Verbot an Schulen schreibt eine Künstlicher Intelligenz (KI) in Sekunden und für viele Schülerinnen und Schüler ist es inzwischen Alltag. Was früher Nachmittage am Schreibtisch kostete, erledigt heute ein Chatbot. Dagegen will nun ein europäisches Land vorgehen.

Mädchen macht Hausaufgaben

Die analoge Handschrift könnte ein Comeback erleben, sagt ein Jugendforscher. © IMAGO / Cavan Images

Zum Start des neuen Schuljahres gelten in Dänemark schärfere Regeln für den Umgang mit KI an Schulen. Weiterführende Schulen sollen während Prüfungen Überwachungssoftware einsetzen und den Zugriff auf KI-Dienste sperren, Aufgaben sollen wieder häufiger direkt im Unterricht erledigt werden. Eine größere Abschluss-Hausarbeit am Ende des Schuljahres muss künftig zusätzlich mündlich verteidigt werden, damit auffällt, wer eine Arbeit zwar abgibt, den Inhalt aber nicht erklären kann.

„Lernwelt hat sich verändert“: Auch deutsche Lehrkräfte sehen Handlungsbedarf

Auch in Deutschland ist der Handlungsdruck im Umgang mit KI an Schulen angekommen. Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, stellt fest: „Wir erkennen, dass sich die Lernwelt verändert hat.“ Das müssten auch Gesellschaft und Politik verstehen: „Proben, Schulaufgaben, Feedback müssen neu gedacht werden“, um auf den technologischen Wandel zu reagieren.“

Wie sich der Schulalltag in Zeiten von KI ändern wird, beschäftigt auch den deutschen Jugendforscher Simon Schnetzer. „Immer mehr Schulen, Universitäten und Ausbildungsstätten setzen wieder auf handschriftliche und mündliche Prüfungen.“ Plötzlich zähle wieder, „wie schön Jugendliche schreiben“, teilt er in einem Post auf Linkedin. Er vermutet, dass sich „einige Jugendliche schwertun werden, die mit der Tastatur besser klarkommen als mit Füller und Kuli“. Kehren handgeschriebene Texte langfristig wieder in Schulen und Unis zurück? „Ich sehe eher ein vorübergehendes Comeback der Handschrift, weil Hausarbeiten aktuell nicht sinnvoll geprüft und bewertet werden können“, sagt Schnetzer der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

„Bis in die späte Sekundarstufe“ ist Lesen auf Papier wichtig

In Schweden wird die Digitalisierung an Schulen derzeit wieder zurückgefahren. Ab 2028 soll dort ein neuer Lehrplan mit Fokus auf analoge Lernmethoden gelten, auch weil schwedische Schüler in PISA-Studien in Lesen und Mathematik schwächer abgeschnitten hatten.

Klaus Zierer, Professor für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, sieht die positiven Seiten dieser Entwicklung: „Die aktuelle Forschung zeigt, dass das Lesen auf Papier dem Lesen an Bildschirmen überlegen ist.“ Auf Papier erfolge das Lesen langsamer und führe leichter in die vertiefte Auseinandersetzung mit einem Text, während auf dem Bildschirm eher ein schnelles Wischen und Scrollen entstehe, „das die tiefe Verarbeitung verhindert“. Dieser Unterschied sei besonders relevant, sobald es um Wissensaneignung gehe, da sich die Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen „mindestens bis in die späte Sekundarstufe“ noch entwickle.

Auch beim Mitschreiben sieht Zierer einen entscheidenden Unterschied: Beim Schreiben mit der Hand entstünden Querverbindungen, Kommentare und eine gezielte Auswahl von Informationen. Beim Tippen entstehe dagegen häufig ein chronologischer Text, der eher einem Protokoll ähnele. Auch Tablets veränderten das Schreiben zusätzlich, da viele Nutzer beim Tippen auf einzelne Wörter zoomten und den Bezug zum vollständigen Text verlieren würden. Die Lernergebnisse fielen dadurch schwächer aus, „besonders bei Kindern im Grundschulalter“, so der Experte.

Ob Deutschland dem dänischen Beispiel mit verpflichtender Überwachungssoftware folgt, ist offen. Die Richtung, in die sich Prüfungsformate entwickeln, scheint mit Blick auf Kopenhagen, Stockholm und die Einschätzungen aus Deutschland aber vorgezeichnet: weniger unbeaufsichtigte Textproduktion am Bildschirm, mehr mündliche und handschriftliche Nachweise dafür, was tatsächlich verstanden wurde. (Quellen: Linkedin, eigene Recherche)