US-Militärstandort: Wo die Eifel noch heute amerikanische Spuren trägt
US-Militärstandort Wo die Eifel noch heute amerikanische Spuren trägt
Bitburg/Spangdahlem · Jahrzehntelang haben amerikanische Militärstandorte die Eifel geprägt. Viele davon wurden aufgegeben und bereiten Platz für Neues. Doch die Vergangenheit ist noch lange nicht fort.
25.08.2026 , 13:27 Uhr
Ein Team der amerikanischen Luftwaffe posiert in den 1960er-Jahren vor einer F-100F Super Sabre.
Foto: TV/Matthias Heinz/Stephan Garçon
Militärisch war früher besonders eine ausländische Streitkraft in der Eifel präsent: die amerikanische. Über Jahrzehnte hinweg prägte sie die Region, hinterließ ihre Spuren in Städten, Wäldern und in der Gesellschaft. Für die Bevölkerung war sie ein Teil des alltäglichen Lebens. Heute sind nur noch Überreste zu sehen, manche mehr, andere weniger – ein Überblick über die amerikanischen Militärstandorte in der Eifel und was heute von ihnen bleibt.
Airbase Bitburg: Ehemaliger Flugplatz prägte die gesamte Region
Von 1952 bis 1994 war in Bitburg einer der größten und bedeutendsten europäischen Nato-Flugplätze angesiedelt. Über vier Jahrzehnte war das 36. Jagdgeschwader der US Air Force auf der Bitburger Airbase stationiert.
Mit ihr kamen 13.000 Amerikaner, die die gesamte Region prägten. Neben unzähligen militärischen Arbeitsplätzen schuf der Standort auch 600 zivile. Viele Freundschaften entstanden – und Beziehungen. Deutsch-amerikanische Ehen waren zu der Zeit keine Seltenheit. Woran sich bis heute – weltweit – viele erinnern, ist der Besuch des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan, und des Bundeskanzlers Helmut Kohl im Mai 1985. Geplant war ein Besuch des Ehrenfriedhofs Kolmeshöhe.
Was als Zeichen der Verbundenheit gedacht war, entwickelte sich jedoch in den Augen vieler zu einem Skandal. Denn: Auf dem Friedhof liegen ehemalige SS-Soldaten begraben. Menschen konfrontierten Reagan mit dem Vorwurf, er würde Kriegsverbrecher ehren. Weltweit wurde protestiert.
Eine CGM-13B Mace und eine F-105 stehen der Airbase beim Tag der offenen Tür 1966 bereit zur Besichtigung.
Foto: TV/Matthias Heinz/Stephan Garçon
1994 endete die Ära des Bitburger Flugplatzes schließlich. Die Gebäude wurden geräumt, die Mehrzahl der Soldaten abkommandiert, 2.200 Tonnen Munition abtransportiert. Zurück blieb das 484 Hektar große Gelände, für das eine neue Nutzung gefunden werden musste – und wurde.
Bereits fünf Jahre nach der Schließung des ehemaligen Luftwaffenstützpunktes arbeiteten mehr Menschen auf dem Gelände als zu den besten Zeiten der Amerikaner. Die Konversion lief – sogar eine Kapelle auf dem Gelände wurde damals zu einer Kneipe umgewandelt.
Der Wehrmacht diente das spätere Gebäude als Fahrzeughalle, wie hier auf einem historischen Foto zu sehen ist.
Foto: TV/Stephan Garcon
Mittlerweile zählt der Flugplatz mehr als 170 Betriebe mit etwa 1.400 Beschäftigten: Vom IT-Dienstleister über verschiedenste Handwerker bis hin zu industriellen Produktionsbetrieben und verschiedenen Freizeiteinrichtungen ist heute nahezu jede Branche am Flugplatz Bitburg vertreten.
Alte Kaserne in Bitburg: Denkmalschutz und Leben auf einem Gelände
Zu der Bitburger Airbase gehörte auch die Alte Kaserne in der Mötscher Straße. Und auch sie hat eine lange Geschichte. Ursprünglich als Wehrmacht-Kaserne 1937 erbaut, zog nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst luxemburgisches Militär ein. Ab 1953 nutzte die französische Armee bis zu deren Abzug 1958 das etwa elf Hektar große Gelände. Dann übernahm die US-Airbase den Standort. Neben militärischen Einrichtungen gab es auf dem Gelände Sporteinrichtungen, Werkstätten, Logistikbüros, Freizeitanlagen und Kindergärten.
Nach dem Abzug der Amerikaner ist in die Alte Kaserne nach und nach neues Leben eingezogen. Ein Teil des Geländes steht heute unter Denkmalschutz, was dem Standort ein attraktives Alleinstellungsmerkmal verleiht. 2012 leitete die Stadt ein Sanierungsverfahren ein und entwickelte den neuen Plan für das Gelände. Das Ziel: ein neues Stück Bitburg. Heute werden fast alle der 21 Gebäude wieder genutzt. Dort verbinden sich Dienstleistungen, Verwaltung, Gewerbe, Handel und Wohnen.
US-Housing in Bitburg: Großes Projekt in Planung
Noch liegt das Gelände verschlossen hinter einem Zaun, doch das könnte sich schon bald ändern: die US-Housing in Bitburg – eine ehemalige US-Wohnsiedlung, 57 Hektar, 1952 feierlich eingeweiht. Sie war ein Zuhause für die Amerikaner, bis die letzten Bewohner die Housing 2017 verließen. Das Gelände glich einer amerikanischen Kleinstadt, mit eigener Infrastruktur, High-School, Einkaufsmöglichkeiten – ein Stück amerikanischer Alltag mitten in der Eifel.
Die Housing in Bitburg in den 50er-Jahren. Die Fläche wird nun entwickelt und ist größer als die Bitburger Innenstadt.
Foto: Foto Seiwert/Wirtz Archiv Stephan Garcon
Genau dort hat die Stadt Bitburg heute Großes vor: 1.000 Wohnungen, dazu Angebote für Freizeit, Bildung und Gesundheit – ein völlig neues Quartier soll in den kommenden 15 Jahren entstehen. Den Kaufvertrag haben Bitburg und Partner dieses Jahr unterschrieben. Bis voraussichtlich Oktober soll das städtebauliche Konzept erarbeitet werden. Die ersten Bagger sollen dann vielleicht schon ab 2028 in der ehemaligen US-Wohnsiedlung rollen.
Wald Bedhard: Früher Raketenstation, heute Lost Place
Etwas weiter aus der Stadt Bitburg raus, Richtung Rittersdorf, unterhielt die US-Army mehr als 60 Jahre einen Militär-Stützpunkt im Bedhard, dem Bitburger Stadtwald. Waffensysteme, militärisches Material, ein Möbellager, sogar ein Tierheim waren im Bedhard untergebracht. Ab 1958 übten französische und amerikanische Streitkräfte dort das Schießen und beluden Fahrzeuge mit Munition.
Früher übten hier Soldaten, heute ist es ein Lost Place: der Wald Bedhard in Bitburg.
Foto: TV/Christian Thome
Lange brodelte die Gerüchteküche um den Bedhard, es solle mit Atomwaffen hantiert werden – und die Gerüchte bestätigten sich. Raketen wurden in dem Wald gewartet – Raketen mit Atomsprengköpfen, die im Kriegsfall bis zu 1.500 Kilometer weit fliegen könnten.
Inzwischen ist von den Raketen nichts mehr zu sehen, doch die Spuren der Militärvergangenheit bleiben – bis heute. 2016 gaben die US-Truppen das rund 40 Hektar große Gelände an den Bund zurück. Seitdem läuft der Rückbau: Der Asphalt wurde abgetragen, die ehemaligen Gebäude wurden abgerissen oder umgebaut, Altlasten entfernt – doch einige Gebäude stehen noch, umgeben von Zäunen.
Bis alle Spuren des ehemaligen US-Stützpunktes verschwunden sind, könnten noch 50 bis 80 Jahre vergehen. So schätzten es Fachleute der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord vor einigen Jahren ein. Der Bedhard wäre dann frühestens 2070, wenn die großen Bäume hoch genug gewachsen sind, wieder ein normaler Wald. Bis dahin gilt er – obwohl das Betreten verboten ist – als Lost Place.
Prüm: Von der Radarstation zum Windpark
Die meisten Eifeler nennen diesen Standort nur „Radarstation“. 50 Jahre lang war dies die Prüm Air Station des US-Militärs. Zu Spitzenzeiten waren auf dem Schwarzen Mann bei Prüm etwa 1.000 Soldaten stationiert. Die Station wurde in den 1950er-Jahren errichtet und diente der Kommunikation zwischen der Nato und den US-Streitkräften in den umliegenden Militärbasen und dem US-Verteidigungsministerium. Zuletzt wurde die Station nur noch für Wetterbeobachtungen genutzt, bis die Amerikaner sie 2004 aufgaben und an die Bundesrepublik zurückgaben.
Die ehemalige Radarstation am Schwarzen Mann bei Prüm gehört auch zu den einstigen Liegenschaften des US-Militärs.
Foto: Fritz-Peter Linden
Heute steht auf dem ehemaligen Militärgelände ein Windpark. Zwei Windräder erzeugen dort Strom für bis zu 13.000 Haushalte. Übrig bleibt auf dem Gelände dann noch der alte, 55 Meter hohe Radarturm. Den will die Verbandsgemeinde Prüm erhalten und als begehbaren Aussichtsturm ausbauen. Der Kauf ist bereits durch – bis erste Gäste die Aussicht über die Schneifel genießen können, muss dort aber noch einiges getan werden.
Heute noch aktiv: Die Airbase Spangdahlem
Der letzte aktive US-Standort in der Eifel: die Airbase Spangdahlem. Seit 1952 ist die US-Luftwaffe mitsamt F-16-Staffel auf dem 660 Hektar großen Gelände stationiert. Seitdem hat sich der Standort zu einem zentralen Nato-Stützpunkt entwickelt und ist heute einer der wichtigsten ausländischen Militärstützpunkte der US-Army, nach der Ramstein Air Base sogar die wichtigste US-Air-Base in Europa. Rund 11.000 Soldaten und ihre Familien leben und arbeiten heute auf und rund um das Gelände.
Eine F-16 startet auf der Airbase Spangdahlem.
Foto: 52nd Fighter Wing/Airman 1st Class Gretchen McCart
Und auch für die Eifeler ist dieser Stützpunkt von hoher Bedeutung. Seit Jahrzehnten ist der Luftwaffenstützpunkt eng mit der Region verwoben. Die Base sichert zahlreiche Mietverhältnisse, Handwerksbetriebe und Dienstleister in der Eifel. Verunsicherung und Sorgen unter den Bewohnern sind immer wieder groß, wenn die USA Truppenabzüge ankündigen – von denen Spangdahlem bisher verschont blieb.
Für den Wohnungsmarkt, die Baubranche, die Gastronomie und die Wirtschaftskraft hätten Truppenabzüge enorme Folgen. Die USA selbst profitieren mit Spangdahlem vor allem von der Sicherheit des Standortes. Das alles macht die Airbase Spangdahlem zu einem der wichtigsten Militärstandorte, sowohl für die Amerikaner als auch für die Eifeler.
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