„Entwickeln sich besser“: Eltern mit dieser Eigenschaft haben erfolgreichere Kinder


Väter, die mehr als drei Monate Elternzeit nehmen, haben ein geringeres Depressionsrisiko

Stand: 26.08.2026, 22:32 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Wie lange sollten Väter in Elternzeit gehen? Eine Studie aus Schweden legt nahe, dass sich die Zeit zu Hause gleich mehrfach positiv auswirkt.

Frankfurt – Gehen Väter länger in Elternzeit, hilft das nicht nur der Karriere ihrer Partnerinnen. Beruflich eine Weile auszusteigen, um Care-Arbeit zu übernehmen, wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit von Vätern aus. Das zeigt eine schwedische Studie des renommierten Karolinska-Instituts, die im Juni im Journal der American Public Health Association (AJPH) veröffentlicht wurde. Forschende beobachteten dafür 746 Väter über einen Zeitraum von 18 Monaten. Es stellte sich heraus: Diejenigen, die zwischen 14 und 40 Wochen Elternzeit nahmen, hatten ein deutlich geringeres Risiko für Depressionen als Väter mit nur einer Elternzeit von maximal vier Wochen.

Vater und Tochter

Mehrere Studien zeigen: Wenn der Vater präsent ist, hat das gleich mehrere Vorteile – sowohl für ihn als auch für das Kind. (Symbolbild) © IMAGO/Westend61

Eine zu kurze Auszeit bot diesen Schutz vor depressiven Symptomen nicht – aber auch eine extrem lange Elternzeit von über 40 Wochen zeigte keinen signifikanten Effekt. Entscheidend scheint zu sein, dass Väter mehr als 90 Tage lang eine aktive Rolle im Familienalltag übernehmen. Diese drei Monate Elternzeit sind in Schweden jedem Elternteil vorbehalten und verfallen, wenn sie nicht genommen werden. Deutschland plant ab November 2027 eine ähnliche Regelung. Die vollen zwölf Monate Elterngeld soll es künftig nur noch geben, wenn beide Elternteile jeweils mindestens drei Monate übernehmen.

Bindung zum Kind, feste Alltagsroutinen und die Vaterrolle gegen Depressionen

Die Studienautoren und ‑autorinnen glauben, dass eine ausgedehnte Phase zu Hause die Bindung zum Kind stärken könnte, dabei hilft, feste Alltagsroutinen aufzubauen und Sicherheit in der Vaterrolle schafft. Dieses Gefühl von Handlungskompetenz könne als effektiver Puffer gegen Depressionen wirken, so die Hypothese. Damit wird klar: Elternzeit ist für Väter keineswegs nur eine berufliche Pause, sondern „ein Gewinn für die mentale Gesundheit“, sagt Michael Wells vom Karolinska-Institut, der die Studie zusammen mit Jingyi Wang durchgeführt hat.

Doch nicht nur Väter profitieren von Elternzeit. Auch Kinder entwickeln sich besser, wenn ihre Väter anwesend sind, schreibt eine zweifache Mutter aus den USA (@the.science.mama) in einem viralen Instagram-Reel. „Wollt ihr wissen, was den stärksten Einfluss auf den späteren Erfolg eurer Kinder hat? Nicht Geld, Schule oder Bildschirmzeit. Sondern ob der Vater positiv präsent und emotional engagiert ist.“ Emotional zugängliche Väter führen zu Kindern, die „akademisch, sozial und emotional erfolgreich“ seien, so die Behauptung. Eine sogenannte „positive Vaterschaft“ sei eine der „stärksten Kräfte in der kindheitlichen Entwicklung“, schreibt sie.

Stimmt das? „Ja, Väter können die Entwicklung von Kindern positiv beeinflussen“, bestätigt die Erziehungsexpertin Nicola Schmidt gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Es gibt durchaus Daten, die zeigen: Wenn ein Vater liebevoll präsent ist, entwickeln sich Kinder besser.“ Schmidt ist Gründerin des Artgerecht-Projekts, in dem wissenschaftsbasiert nach der richtigen Erziehungsmethode gesucht wird. Sie hat gemeinsam mit Klaus Althoff das Buch „Vater werden: Dein Weg zum Kind“ geschrieben und mehrere andere Erziehungsratgeber veröffentlicht.

Was ihr wichtig ist: Für den Erfolg der Kinder spiele es keine Rolle, dass es wortwörtlich Väter seien, oder Männer, sondern einfach, dass es eine weitere, positive Bezugsperson gebe. Egal ob genetisch oder wahlverwandt, egal welches Geschlecht. Auch ein Stiefvater oder eine zweite Mutter könnte diesen Effekt haben. „Das ist wichtig, denn es gibt aktuell eine Bewegung, die behauptet, dass der genetische Vater extrem wichtig für die Entwicklung eines Kindes sei. Dies ist nicht korrekt.“

„Gute Nachrichten für alle engagierten Papas“

Studien deuteten darauf hin, dass die Vorteile durch Ressourcen, Qualität und Art der Beziehung zu einer weiteren Bezugsperson entstünden. „Es gibt also gute Nachrichten für alle engagierten Papas – aber auch für Kinder, deren Väter abwesend, verstorben oder emotional nicht präsent sind und die von anderen feinfühlig präsenten Menschen großgezogen werden“, sagt Schmidt der Frankfurter Rundschau. Eventuell könnte eine Großmutter oder ein Onkel den gleichen Effekt haben.

„In unserer Gesellschaft bringt ein Vater oft Ressourcen und Privilegien mit sich (Geld, Bildung, Zeit), die zum Beispiel zu höherem Schulerfolg führen können.“ Wildes väterliches Spiel könne dazu führen, dass Kinder sich besser regulieren könnten, „sozial kompetenter und weniger ängstlich“ seien. Aber hier sei der Zusammenhang ungeklärt: Ist es das Spiel, das die Kinder wenig ängstlich macht, oder spielen weniger ängstliche Kinder einfach wilder? (Quellen: eigene Recherche, Instagram, AJPH-Studie)