Vater soll Tochter missbraucht und zwei Kinder gezeugt haben


Ein Angeklagter betriff einen Verhandlungssaal im Landgericht Erfurt.

AUDIO: Prozess um Vergewaltigung der eigenen Tochter eröffnet (3 Min)

Landgericht Erfurt

Prozess um Vergewaltigung der eigenen Tochter eröffnet

Stand: 06.08.2026 20:03 Uhr

In Erfurt wird ein kaum vorstellbarer Fall verhandelt: Ein Mann soll seine Tochter missbraucht und dabei zwei Kinder gezeugt haben. Das liegt lange zurück, denn erst spät fand die Tochter den Mut, den Mann anzuzeigen.

von Cornelia Hartmann, MDR THÜRINGEN

Der Angeklagte, ein 60-Jähriger, ist auf freiem Fuß. Er kommt von zu Hause zu seinem Prozess vor dem Erfurter Landgericht. Den Ermittlungen zufolge hat er seine Tochter über Jahre hinweg vergewaltigt und missbraucht. Zwei Kinder hat er während der Übergriffe mit seiner Tochter gezeugt.

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Er will nichts sagen zu den Vorwürfen, obwohl der Vorsitzende Richter ihn darauf hinweist, dass laut Aktenlage eine Verurteilung sehr wahrscheinlich ist, und ein Geständnis die dann zu erwartende mehrjährige Haftstrafe mildern könne.

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Der Angeklagte, der während der Anklageverlesung immer wieder den Kopf schüttelte, bleibt dabei - er möchte nichts sagen. Im Ermittlungsverfahren hatte er mal mitgeteilt, die Tochter hätte ihn erpresst, das mit ihr zu tun, der Sex mit ihr habe ihm keinen Spaß gemacht.

Weil der Angeklagte schweigt, muss die Tochter aussagen

Es habe begonnen, als sie 15 oder 16 war, sagt die heute 30-Jährige im Zeugenstand. Sie habe klar gesagt, dass sie das nicht wolle, ihre Arme seien danach voller blauer Flecken gewesen. Regelmäßig habe ihr Erzeuger, wie sie den Angeklagten nennt, gegen ihren Willen Sex mit ihr gehabt. "Wenn Du was sagst, mach ich Dir das Leben zur Hölle", soll der Angeklagte ihr gedroht haben.

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Sie wurde schwanger, wollte abtreiben, doch auch das habe ihr ihr Erzeuger verboten. "Treibst Du ab, bringe ich Dich um", soll er gesagt haben. Sie konnte keine Muttergefühle für das Kind entwickeln, sagt sie, und es klingt schuldbewusst. Sie zog dann zu einem Freund, flog dort raus. Und weil sie nicht auf der Straßen leben wollte, ging sie zurück zu ihrem Erzeuger. Der habe einfach weiter gemacht - sie war wieder schwanger, brachte auch das zweite Kind ihres Vaters zur Welt. Das war 2017.

Erst 2024 fasste sie den Mut, ihn anzuzeigen

Als Kind war sie im Heim, weil beide Eltern im Gefängnis saßen. Zu ihrer "Mom", wie sie sie nennt, konnte sie danach nicht, also kam sie zum Vater. Sein Motiv für die Übergriffe sei möglicherweise gewesen, dass sie ihrer Mutter so ähnlich sehe, vermutet die Frau.

Erst 2024 habe sie den Mut gefasst, den Mann, der ihr das antat, anzuzeigen, sagt sie. Und dass sie jetzt einen Partner habe, der mit all den Belastungen ihres Lebens klarkomme. Weil er sie liebe.

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Schon 2013 hatte sie ihren Vater ohne Hilfe eines Anwaltes bei der Polizei angezeigt. Warum das versandete, ist nicht geklärt. Vielleicht, weil sie selbst wegen Diebstahls verurteilt wurde.

Nach Angaben des Vorsitzenden Richters gibt es ein noch ein weiteres Verfahren gegen den Angeklagten. Es steht der Verdacht im Raum, dass er seiner Enkelin etwa getan haben könnte. Im aktuellen Vergewaltigungsprozess werden nun weitere Zeugen gehört. Ein Urteil wird noch im August erwartet.

MDR (gh)