Verein Gesundheitssport Eschwege feiert 75-jähriges Bestehen
Stand: 11.10.2026, 17:58 Uhr
Kommentare

1951 haben 61 Menschen den damaligen Verein Behinderten- und Versehrten-Sport gegründet. Jetzt wird in Eschwege 75-jähriges Bestehen gefeiert.
Eschwege – Mit der Prämisse, den Gesundheits- und Breitensport zu fördern, haben 61 Menschen 1951 unter dem Namen Behinderten- und Versehrten-Sport den Verein gegründet, der allerdings noch zwei weitere Taufen erfahren sollte. „Die Bezeichnung Versehrten-Sport erschien uns 2011 nicht mehr zeitgemäß und so entstand der Name 1. Eschweger Verein für Gesundheitssport von 1951. Das klang uns zehn Jahre später zu unorthodox und so heißen wir seit November 2021 ,Gesundheitssport Eschwege‘“, erklärt Christa Fenzl, die klipp und klar festhält, dass sich auch mit dem neuen Namen an den Zielen bis heute nichts geändert hat. In diesen Tagen blickt sie mit ihrem geschäftsführenden Vorstand auf das 75-jährige Bestehen. Für diesen Festakt, der am 10. Oktober stattgefunden hat, investierte die Leiterin der Geschäftsstelle, Christel Jantos, viele Stunden, in denen sie die Chronik über das Dreivierteljahrhundert zusammengestellt hat.
Der aktuelle Vorstand
An der Seite von Christa Fenzl und Christel Jantos stehen aktuell Dagmar Bartsch als zweite Vorsitzende, Kassiererin Monika Greß und Pressewartin Claudia Schad, die eine besondere Geschichte schreibt, denn sie beerbte 2020 als Schriftführerin ihren Vater Helmut Baum, der das Amt von 1956 bis 1982 ausübte. Als Beisitzerinnen komplettieren Renate Wieditz und Renate Hesse die Führungsriege. Eine Herzerkrankung brachte die heute 74-jährige Christa Fenzl 2005 zum Verein, dem 2012 die Auflösung drohte. Doch sie hat den Vorsitz übernommen und steht noch immer an der Spitze der aktuell 110 Mitglieder.
Blick in die Chronik
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 1951 die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Versehrtensport auf Bundesebene für überwiegend Männer mit körperlichen Schäden aus den beiden Weltkriegen gegründet. Auf dieser Basis hat Ernst Kreutzer als Vorsitzender am 1. August 1951 den Eschweger Verein mit besagten 61 Mitgliedern ins Leben gerufen. Das sportliche Angebot war groß, Gymnastikchef Humpf bot Sitz- und Faustball, Kegeln, Fechten, Bogenschießen, Kugelstoßen, Tischtennis und schon damals das Skifahren an, Wandertage und Hüttenabende rundeten das Programm ab.
Bis 1961 der Umzug in die Turnhalle der Struthschule erfolgte, fanden die Übungen in der Jahnturnhalle und der Bürgerknabenschule (heute Humboldt) statt. Für die Versicherung musste jedes Mitglied 20 Pfennige „berappen“ und laut Satzung musste der Verein parteipolitisch und religiös neutral bleiben.
Zum Schwimmen gingt es damals schon nach Kassel, aber natürlich stand auch die Flussbadeanstalt an der Werra und später das Schwimmbad am Schwalbenpfad zur Verfügung. Ein weitreichender Beschluss erfolgte 1957. „Nicht nur Kriegsversehrte, sondern auch Zivilbeschäftigte fanden Aufnahme. Dagegen blieb der Antrag, Frauen zu integrieren, ohne Echo“, kann Christel Jantos aber auf 1969 verweisen, als das weibliche Geschlecht wenigstens am Schwimmen teilnehmen durfte, was 1970 um Turnen erweitert wurde.
Zwei Hessenmeistertitel
Zwischen 1972 und 1985 feiert der Verein einerseits Hessenmeisterschaften im Volleyball und Kegeln (1975), weckte aber auch Interessen für gesellige Aktivitäten, wie Hüttenabende auf dem Meißner, Fahrten an die Mosel, in den Harz und die Lüneburger Heide. Schmunzelnd sagt Christel Jantos diesbezüglich: „Die Vereinsspitze beklagte damals, dass mehr Geld für die Vergnügungsfahrten ausgegeben wurde, als für den Sport.“
Wichtige Veränderungen in den 90er Jahren bis zum Jahrtausendwechsel waren die verpflichtenden ärztlichen Untersuchungen, um die Sporttauglichkeit zu garantieren, auch der Herzsport fand jetzt unter Aufsicht statt. Vom Leistungssport ist 1996 nur noch das Kegeln übriggeblieben. Zum 50-jährigen Bestehen in 2001 haben am Wandertag zum Leuchtberg 270 Personen teilgenommen, bemerkenswert bleibt bei dieser Konstellation in Erinnerung, dass der Verein 224 Mitglieder zählte.
Personelle Wechsel
Personell mussten zwischen 2003 und 2005 einige Veränderungen vorgenommen werden. Da der Vorsitzende Heinz Müller, der 47 Jahre an der Spitze stand, 2003 verstorben ist und parallel sein zweiter Vorsitzender das Handtuch geworfen hat, übernahm 2004 Gerhard Werneburg mit seinem „Vize“ Christoph Höhl das Ruder, und Waldemar Mosebach führte ab 2005 die Kasse, der die Zahlung der Beiträge auf Bankeinzug umstellte. „Einem Protokoll von damals war auch zu entnehmen, dass die immer noch 224 Mitglieder erfreulicherweise für rappelvolle Hallen bei den Übungseinheiten sorgten“, gibt Christel Jantos beim WR-Gerspräch zu verstehen.
Der Chronik ist des Weiteren zu entnehmen, dass 2009 das Durchschnittsalter bei 67 Jahren lag, dass sowohl der Landessportbund (LSB) wie auch der Hessische Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband (HBRS) die Vorschriften verschärften, und die Trainer die Lizenzen für Reha-Verordnungen bezüglich Orthopädie und Herzsport nur für ein Jahr erhalten haben.
Der Coronaausbruch verlangte vom Verein ein Hygienekonzept, trotzdem fand der alljährliche Wandertag statt, wobei 2021 der Abschluss im Freien, am Hof der Vorsitzenden Christa Fenzl, reichlich Spaß bescherte. Auch das 70-jährige Bestehen wurde gefeiert, wenn auch mit Verspätung 2022 in der Eschweger Stadthalle, wo mehrere Sketche beste Unterhaltung brachten. Auch das Jubiläumsjahr 2026 hat sich gut angelassen mit dem vom Festausschuss organisierten „Tag der offenen Halle“, nach dem es zum Theaterstück „Der Himmel kann warten“ in den Schäferhof nach Oberhone ging. Und nach der Mehrtagesfahrt an die Mosel wartete nun noch der Festkommers in der Stadthalle. (Harald Triller)
Einen Artikel über einen engagierten Menschen lesen Sie hier. Das aktuelle Porträt finden Sie immer in unserer Dienstagsausgabe oder bereits am Montagabend im E-Paper.